Mägert-Kohli mit vier Jahren Verspätung
Von Monica Schneider, Vancouver. Aktualisiert am 26.02.2010
Olympische Winterspiele Vancouver 2010
- Die letzte Saison soll die beste sein
- Olympionikin singt den Schweizer Olympiasong
- Unverkrampft nach Vancouver
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Die Piste in Cypress Mountain wird umgebaut sein, die Steilwandkurven und Sprünge der Skicrosser sind verschwunden, und neuer, natürlicher Schnee wird liegen, wenn die Snowboarderinnen heute zu ihrem Riesenslalom antreten. Zwei Wochen nach der Eröffnungsfeier der Spiele notabene - eine lange Zeit, die es geschickt zu überbrücken galt.
Fränzi Mägert-Kohli, einzige Schweizerin am Start und als Dritte im Weltcup Mitfavoritin auf eine Medaille, ist in dieser Zeit ihren eigenen Weg gegangen. Während die vier männlichen Kollegen vor den abschliessenden Trainingstagen auf Vancouver Island einen Kurztrip nach Mexiko unternahmen, zog sie sich in die Abgeschiedenheit einer Lodge im Norden von British Columbia zurück. Lesen, Langlaufen, Konditionstraining, Reiten, mit dem Snowmobile ausfahren - die 27-Jährige hat einige Tage lang kein Snowboard angerührt, um danach wieder «hungrig» zu sein.
Drei Goldmedaillen hat die Schweiz bisher in Alpin-Snowboard-Rennen gewonnen. Neben Philipp Schoch, der 2006 zum zweiten Mal Olympiasieger wurde, triumphierte damals auch Daniela Meuli, die im Sommer darauf, erst 25-jährig, zurücktrat. Fränzi Mägert-Kohli fuhr lange in ihrem Schatten, und dass sie nicht bereits 2006 zu den Olympiateilnehmerinnen gehörte, ärgert sie noch heute. Für die 16 Startplätze hatten zu viele Athleten die Richtlinien erfüllt. Zuletzt seien allerdings Leute dabei gewesen, die ihre Podestplätze an den am schwächsten besetzten Rennen geholt hatten. Für sie selber war es eine grosse Genugtuung, als sie im ersten Wettkampf nach Turin gleich wieder aufs Podest fuhr.
«Ich muss gar nichts»
«Ich freue mich, dass ich nun in Vancouver dabei sein kann», sagt sie, wobei in ihrem Fall «dabei sein» nicht ganz den Erwartungen von aussen entspricht. In vier der letzten sieben Rennen qualifizierte sich die Bernerin aus Evilard bei Biel mindestens für die Halbfinals, ihr letztes Weltcuprennen gewann sie im Dezember in Telluride (USA). Trotz diesem Leistungsausweis hat sie sich eine eigene Philosophie zurechtgelegt: «Ich muss gar nichts, ich fühle mich überhaupt nicht unter Druck», sagt sie. «Müssen» wirke bremsend.
Seit 2007 arbeitet Mägert-Kohli nicht mehr im angestammten Beruf als Pharma-Assistentin, sie kann von Sponsoringeinnahmen und Prämiengeldern leben. Eines hat sie sich vorgenommen: Sie will nicht alles dem Olympiarennen unterordnen, auch der Gesamtweltcup bleibt wichtig. Härteste Konkurrentinnen sind Nicolien Sauerbreij (Ho) und Amelie Cober (D).
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.02.2010, 16:23 Uhr
