«Cuche fährt wie ein Muni – das war diesmal sein Fehler»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 16.02.2010 21 Kommentare
Ex-Weltmeister Peter Müller. (Bild: Keystone)
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Für den Olympiasieger von Sapporo 1972 und den heutigen SF-Skiexperten Bernhard Russi war im Vornherein klar: «Auf dieser Piste ist Didier Cuche unsere einzige Medaillenhoffnung.» Dass der frisch gebackene Olympiasieger nun Didier Défago heisst, zerzaust Russis Prognose in der Luft. «Nein, was ist denn da passiert», fragte sich der Andermatter, der zuvor von einer perfekten Fahrt von Cuche gesprochen hatte.
Als Défago mit der Bestzeit im Zielraum auf seinen Landsmann Cuche wartete und sich dieser den Zielhang hinunterstürzte, war Russi noch total euphorisch und machte für die Zuschauer die Fahrt zu einer einzigen Offenbarung: «Gewaltig, Cuche fährt fantastisch, das ist der Doppelsieg», jubelte Russi.
Von wegen: Cuche wurde «nur» Sechster. Aber wo hat Russis Topfavorit bloss die Zeit liegen lassen? Cuche lieferte sich mit Défago ein Kopf-an-Kopf-Duell, bis in die Schlussphase waren beide zeitlich praktisch gleichauf. Dass er dann im Ziel mit 36 Hundertstelsekunden Rückstand nur Sechster wurde, war für Russi ein kleiner Schock. «Nein, was ist denn da passiert?», rätselte Russi, dessen Analysen sonst messerscharf ausfallen.
Piste wurde weich und stumpf
Aber wo hat Cuche tatsächlich die entscheidende Zeit verloren? Darüber scheiden sich die Geister. Cuche versuchte, seine riesengrosse Enttäuschung zu verbergen, machte sich Mut mit dem bevorstehenden Super-G. Auch er war sich nicht ganz sicher, an welcher Stelle sein Olympia-Traum geplatzt ist. «Ich glaube, es war die Linkskurve unter dem Slalomstart. Nein, es war die nächste. Nach der Traverse bei der Zwischenzeit. Dort habe ich die Kurve zu fest zugemacht und mein Tempo dadurch getötet.» So glaube er zumindest, fügte der Neuenburger an. «Es verträgt eben einfach keine Fehler», meinte Cuche. «Oder an einer Stelle zu wenig Gefühl», ärgerte er sich über sich selbst.
Cuche glaubte jedenfalls, den Fehler irgendwo im letzten Abschnitt gemacht zu haben. Cheftrainer Martin Rufener machte den Fehler in einer Linkskurve im oberen Teil aus.
Der einstige Schweizer Skistar Peter Müller denkt allerdings nicht, dass Cuche das Rennen an einer einzigen Schlüsselstelle verloren hat. Der Grund sei vielmehr die Sonneneinstrahlung, die den unteren Teil der Piste weich und stumpf gemacht habe. «Auf der Oberfläche ist dadurch ein Wasserfilm entstanden», sagt Müller zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
«Miller und Cuche fuhren im unteren Teil zu hart»
«Didier ist im unteren Teil einfach zu hart gefahren. Bei den veränderten Verhältnissen hätte er mit mehr Gefühl fahren müssen», bedauert Müller. Cuche sei eben wie ein Muni, der knallhart auf den Skis stehe. Deshalb liebe Cuche auch die harten und eisigen Pisten, die seinem Fahrstil mehr entsprächen. «Didier hat nach dem Rennen förmlich gespürt, dass ihm diesmal das Gefühl gefehlt hat», so Müller. Cuche habe dies als Selbstkritik auch offen zugegeben. «Didier hat den gleichen Fehler gemacht wie Bode Miller», analysiert Müller. Auch der Amerikaner habe das Rennen im unteren Streckenteil verloren. «Er ist wie Cuche viel zu hart gefahren», so Müller.
Wie auch immer: Bernhard Russi litt mit Cuche. «Er kann einem so richtig leid tun», sagte er. Im Bedauern um den vergebenen Olympiasieg von Cuche hatte Russi den grossen Sieger Didier Défago schon fast vergessen. Sein Kommentatoren-Partner Matthias Hüppi musste Russi in seiner Enttäuschung aufwecken. «Wir haben doch einen Olympiasieger, das ist doch super.» Cheftrainer Martin Rufener schloss mit der Bemerkung: «Wir hatten vier Trümpfe und einer stach – das ist doch einfach fantastisch.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.02.2010, 14:34 Uhr
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21 Kommentare
Hüppi & Russi sind schon längst ein Ärgernis. Offensichtlich mag Russi nur anerkannte Grössen neben sich & Pirmin auf dem Olymp stehen haben. Cuche wäre so eine, Defago nicht. Mir sind beide Didier sympathisch, und wenn schon eine Überraschung (wie immer), dann ein Schweizer. Cuche scheitert halt oft an seiner Verbissenheit, absolut un-romand-like. Und Defago hat bald sowenige Siege wie Russi! Antworten
