Sport

Didier Cuche mag nicht mehr Favorit sein

Von . Aktualisiert am 19.02.2010

Der Weltmeister will im heutigen Super-G unbeschwert angreifen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 20.30 Uhr MEZ.

Die nächste Chance: Weltmeister Didier Cuche will im Super-G auch das olympische Gold.

Die nächste Chance: Weltmeister Didier Cuche will im Super-G auch das olympische Gold.
Bild: Keystone

«Ich will nicht mehr über die Abfahrt sprechen, ich schaue vorwärts», sagt Didier Cuche, als ihn ein Journalist fragte, ob er die Abfahrt abgehakt hat. Also sprechen wir über den Super-G. Das ist die Sparte, in der Didier Cuche vor einem Jahr in Val-d’Isère Weltmeister wurde. Seine beste Chance, um auch Olympiasieger zu werden? «Warum macht ihr mich schon wieder zum Favoriten?», fragt Cuche, «warum sprecht ihr nicht von Walchhofer, der in diesem Winter schon zwei Rennen gewonnen hat?»

Die Stimmung hat umgeschlagen beim Geschlagenen der Abfahrt, der weiss, dass er ohne seinen Fehler in dieser verflixten Linkskurve hätte gewinnen können. Er ist von der Wolke, auf der er alles gut und positiv fand, heruntergekommen. Der Sensible, der vieles als Kritik auffasst, das gar keine ist, hat sich wieder etwas zurückgezogen. Ob das gut ist, wird erst der Super-G (20.30 Uhr) zeigen. Vielleicht hat Cuche ganz einfach nur seine mentale Taktik geändert: Er will nicht mehr der Favorit sein. Sondern unbeschwert angreifen können.

Neben Cuche sitzt Didier Défago, der andere Didier, der sich seit Montag Olympiasieger nennen darf. Er ist locker, lacht viel, macht Sprüche. Doch auf einer Wolke schwebt er nicht. Er weiss, dass alles, was er jetzt noch gewinnt, ein Bonus ist, aber er weiss auch, dass er für diesen Bonus genau so hart wird arbeiten müssen wie für die Goldmedaille in der Abfahrt.

Grünenfelder ist in Form

«Wenn ich eine Startnummer trage, interessiert mich nicht, was gewesen ist, da konzentriere ich mich auf das Rennen, und das heisst, dass ich überall kämpfen werde, um etwas herauszuholen.» Défago weiss, wovon er spricht. Schon oft belegte er einen «Ehrenplatz», weil sich das Risiko an der einen oder andern Stelle nicht lohnte.

Die beiden Didiers sind auf den ersten Blick die Trümpfe im Schweizer Team. Doch da sind auch noch Carlo Janka und Tobias Grünenfelder. Für den Lauberhorn-Sieger und Riesenslalom-Weltmeister Janka müsste der Super-G eigentlich die beste Disziplin sein. Bis jetzt war sie es nicht, «weil mir die Erfahrung, die hier so wichtig ist, noch fehlt». Für Grünenfelder ist es die Chance seines Lebens: Er ist in Form, er ist frisch, er hat nichts zu verlieren, und er weiss, dass alles möglich ist. Beim Super-G von Kitzbühel verpasste er das Podest um 23 Hundertstel.

Die Liste der Favoriten, die keine Schweizer sind, ist lang. Sie wird angeführt von Aksel Svindal und Bode Miller, enthält die Österreicher Walchhofer, Scheiber und Raich, die Italiener Heel und Staudacher, die Kanadier Osborne-Paradis, Guay und Dixon.

> (Der Bund)

Erstellt: 19.02.2010, 18:39 Uhr