Die Materialschlacht von Whistler Mountain
Von Jonas Racine. Aktualisiert am 12.02.2010 4 Kommentare
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Fast ein wenig verzweifelt hört sich Carlo Janka an, wenn er von seiner missglückten Trainingsfahrt vom Donnerstag spricht. «Ich weiss nicht, woran es liegt», meint der 23-jährige Bündner, der glaubte, die Fehler aus dem ersten Training korrigiert zu haben und nun trotzdem zwei Sekunden Rückstand auf die Bestzeit aufweist. Während Cuche mit seinem Head-Ski die Piste runtersaust, «schleicht» sich Janka auf seinen Atomic-Brettern von Tor zu Tor. Es sind nicht nur die individuellen Fähigkeiten, die ein Rennen entscheiden; die Wissenschaft hat im Leistungssport Ski alpin längst Einzug gehalten.
Der Einzug der Technologie
Von Kopf bis Fuss sind die Athleten mit hochkomplizierter Technologie ausgerüstet. Helm, Anzug und natürlich der Ski sind Produkt langjähriger und kostspieliger Forschung. Jankas Rückstand lässt sich also nicht nur auf einen dürftigen Lauf zurückführen. «Es sind sehr viele Faktoren, die den Unterschied ausmachen», meint Ruedi Arnet, der Leiter Entwicklung bei Hersteller Stöckli, und zählt dazu die Erfahrung des Servicemanns, die Schneeverhältnisse und das Wachs auf. Er ist überzeugt, dass die Marke keinen wesentlichen Unterschied darstellt. «Durch das nahegelegene Meer ist der Schnee anders als in Europa, der Servicemann muss damit Erfahrung haben. Das ist viel wichtiger». Über Jankas Rückstand kann Arnet nur spekulieren: «Vielleicht hat er einen zu neuen Ski, aber das ist schwierig zu beurteilen.»
Zusammenarbeit mit Davoser SLF
Doch nicht nur das Material spielt eine Rolle, der erwähnte Schneeunterschied in Übersee schreit nach einer wissenschaftlichen Analyse. Swiss Olympic hat diesem Umstand durch die Zusammenarbeit mit dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF) Rechnung getragen. So haben Forscher des SLF schon vor zwei Jahren begonnen, die Beschaffenheit des Schnees und auch die Topografie des umliegenden Geländes in Whistler zu erforschen. Denn Temperatur, Lichtverhältnisse und Wetter verändern die Beschaffenheit des Schnees und können, wenn es um die entscheidenden Hundertstelsekunden geht, für den nötigen Unterschied sorgen.
Vor allem beim unbeständigen Wetter in Vancouver kann sich die Beschaffenheit der Unterlage schnell verändern. Für die optimale Präparierung des Skis sind somit die 12 bis 14 Stunden vor Rennbeginn gewonnenen Erkenntnisse von grosser Bedeutung. Mithilfe dieser Informationen, über die die Schweizer als einzige Nation verfügen, erhoffen sich Cuche, Janka und Co. Vorteile gegenüber der Konkurrenz, wenn sie auf der Dave-Murray-Piste um Edelmetall kämpfen.
Cuche mit Vorteilen
Bei Cuche scheinen sowohl Leistung und Material zu stimmen, ihm sollte der Wissensvorsprung voll zugutekommen. Janka, der immer noch mit der richtigen Abstimmung ringt, läuft langsam aber sicher die Zeit davon, will auch er entscheidend von den Erkenntnissen des SLF profitieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.02.2010, 14:23 Uhr
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4 Kommentare
Es ist sicher schade wenn das Material so ein Rennen entscheiden kann. Aber das hat es schon immer gegeben. Einmal wurden Schweizer benachteiligt und einmal bevorteilt. Das beste Beispiel ist unser SSV Präsident Urs Lehmann. Er wurde Weltmeister, Zufallsweltmeister, weil sein Material an der WM haushoch überlegen war. Bei "normalen" Verhältnissen gewann Lehmann nichts! Antworten
