Sport

Svindals Gold, enttäuschende Schweizer

Aktualisiert am 19.02.2010

Der Norweger holt Gold im Super-G vor den Amerikanern Miller und Weibrecht. Die Schweizer blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live.

  • Norwegische Tradition  

    Der 27-jährige Norweger Aksel Lund Svindal sicherte sich die Goldmedaille im olympischen Super-G.

    Für das Schweizer Männer-Speedteam setzte es eine Niederlage ab. Carlo Janka war als Achter mit 0,49 Sekunden Rückstand noch der Beste der schwer enttäuschenden Schweizer. Zu einer Medaille fehlten dem Bündner trotz vielen Fehlern letztlich nur 17 Hundertstel. Tobias Grünenfelder wurde Neunter und klassierte noch vor Didier Cuche (10.). Abfahrts-Olympiasieger Dider Défago verlor mehr als eine Sekunde und wurde 15. - unmittelbar hinter Benjamin Raich, dem besten Österreicher.

    0,28 Sekunden hinter Svindal, der bereits vier Tage zuvor die Silbermedaille in der Abfahrt gewonnen hatte, belegte Bode Miller den 2. Platz. Auch der Amerikaner war am Montag als Dritter bereits auf dem Podest gestanden. Bronze ging an Millers Landsmann Andrew Weinbrecht (0,31 zurück).

    Svindal setzte mit dem Sieg die Tradition der norwegischen Super-G-Siege an Olympischen Spielen fort. Kjetil André Aamodt hatte 1992, 2002 und 2006 bereits in dieser Disziplin triumphiert. Für Svindal war es die erste Goldmedaille an Olympischen Spielen.

  • Zwischenbilanz  

    Also: Gold für den Norweger Svindal, vor den Amerikanern Miller und Weibrecht - das ist schon überraschend. Man hätte eigentlich zumindest ein Schweizer auf dem Podest erwartet. Aber die Fahrer von Swiss-Ski haben heute enttäuscht - auch das gibts im Sport.

  • Järbyn  

    Der 40-jährige Schwede fährt oben ganz gut. Ganz nach vorne wird er aber kaum sein - und im mittleren Teil stürzt er schwer - das sieht nicht gut aus. Hoffentlich ist dem Routinier nicht allzuviel passiert.

  • Sporn  

    Der Slowene ist unterwegs. Kann er noch ganz nach vorne fahren? 43,17 - da hat er oben schon Zeit eingebüsst. Der Slowene kommt mit 1:31,58 ins Ziel, kein Spitzenplatz.

  • Dixon  

    Jetzt drücken die Kanadier nochmals den Daumen. 43,66 - da hat er oben zu viele Fehler gemacht. Und im mittleren Teil scheidet Dixon aus.

  • Sullivan  

    Aufgepasst, wieder ein Amerikaner. 43,23 - der Rückstand ist jetzt zu gross. 1:10,09 - da liegt er weit hinter den Besten zurück. Durchs Ziel fährt er als 21.

  • Jerman  

    Deer Slowene scheidet relativ früh nach einer verknorzten Fahrt aus - er hat ein Tor verpasst. Tja, die Strecke ist alles andere denn einfach.

  • Streitberger  

    Der ÖSV-Fahrers obere Zwischenzeit: 42,66 - das ist nichts besonderes. 1:09,22, da liegt er weit zurück. Im Ziel: Rang 17. Auch die Österreicher enttäuschen heute.

  • Kostelic  

    Der Kroate fährt die Piste runter. Er macht das wie immer technisch perfekt. Rang 16 ist es im Ziel.

  • Schweizer Bilanz  

    Carlo Janka als bester Vertreter von Swiss-Ski auf Rang 8 – das ist natürlich nicht das, was man erwartet hat. «Es ist eine Niederlage», gibt Janka unumwunden zu.

  • Défago  

    Er ist gut unterwegs oben...42,87 - nein, da ist er zu weit zurück. Mittlere r Teil: 0,74 zurück. Das schafft er nicht. Im Ziel ist er mit 1:31,43.

  • Walchhofer  

    Der letzte Trumpf für Walchhofer. 43,13 - da liegt er zu weit zurück. Auch im mittleren Teil macht er nicht Boden gut. 1:32,00 - dieses Rennen ging in die Hosen.

  • Guay  

    Der Kanadier ist losgebraust, hat aber oben doch schon zu viel Zeit eingebüsst. Im Ziel ist er mit1:30,68 - Rang 5.

  • Svindal  

    Der Norweger liegt oben doch ziemlich zurück. 42,10, jetzt hat er Boden gut gemacht. Es wird spannend. Schnell im Mittelteil... Und er fährt mit Bestzeit durchs Ziel. Bravo!

  • Heel  

    Die Piste wird nicht schneller. Heel versucht, gegen die Amerikaner anzurennen. Der Italiener ist aber nahe dran. 1:30,67 - Rang 3 für Heel.

  • Raich  

    Jetzt Beni Raich. Er hat oben viel Zeit eingebüsst. Rang 11 für den ÖSV-Fahrer.

  • Cuche  

    Und nun kommt der Weltmeister. Allez, Monsieur Cuche! Er ist gestartet...Gleich oben ein Fehler. 42,41 - da hat er schon einiges eingebüsst. 0,36 zurück... Jetzt der Schlussteil. 1:31,06 - nur Rang 7.

  • Janka  

    Er ist unterwegs: 42,21 - er ist dabei. 0,10 zurück im Mittelteil. Janka im Ziel mit: 1:30,82 - Rang 5 für Janka.

  • Grünenfelder  

    Grünenfelder eröffnet die Schweizer Serie. Wir drücken die Daumen... Er ist unterwegs. 42,31 - eine gute Zeit für Grünenfelder. 0,24 liegt er hinte rMiller in der Mitte zurück. 1:30,90 - er fährt als Fünfter durchs Ziel.

  • Innerhofer  

    Der Südtiroler ist gestartet. Oh, er zaubert schon im oberen Teil und verliert natürlich Zeit. 1:08,88 - trotz dieser Zauberei, eine gute Zeit. Im Ziel mit der drittschnellsten Zeit nach diesen Fehlern, unglaublich.

  • Osborne-Paradis  

    Der Kanadier beginnt nicht gut - und stürzt im mittleren Teil. Es sind nicht seine Spiele...

  • Miller  

    42,12 oben - klar die beste Zwischenzeit (ZZ). 1:08,63 - schnellste Zeit im Mittelteil... 1:30,62 - das ist neue Bestzeit.

  • Scheiber  

    Und jetzt der erste ÖSV-Fahrer. 42,60 - er liegt knapp zurück oben. Aber er hat im mittleren Teil einen grossen Fehler gemacht und verliert viel Zeit. Er hat im Ziel doch einiges eingebüsst, Rang 7.

  • Staudacher  

    Aufgepasst auf den Südtiroler. Zuerst wird aber die Piste ein wenig verbessert. «Da werden die Bären den Frühling spüren» hören wir da vom Staatssender in Anspielung auf das schöne Wetter. Na ja... Staudacher ist gestartet. 42,46 - beste Zwischenzeit, 0,006 vor Weibrecht. Im mittleren Teil liegt er nur wenig hinter dem Führenden zurück. 1:30,74 - nur knapp hinter Weibrecht zurück. Eine starke Fahrt des Italieners.

  • Ligety  

    Und nun der Amerikaner. 42,45 - schnellste Zeit oben. Aber ihm passiert ein schwerer Fehler im mittleren Teil. Im Ziel mit 1:31,70 - Rang 5.

  • Théaux  

    Der zweite Franzose hat das Rennen aufgenommen - vive la France! Oben liegt er knapp voraus... 1:08,33 - er liegt mit Weibrecht gleich auf - 1:31,24 - er hat unten Zeit verloren.

  • Gorza  

    Der Slowene ist rasant unterwegs: 1:08,94, eine gute Zeit. 1:31,07 - Rang 2.

  • De Tessières  

    Und nun der erste Franzose. Der Mann mit Bart, dem sogenannten Ski-Bart (nicht Playoff-Bart) ist ein Routinier. 43,30 oben - da hat er Zeit verloren. 1:10,61 die nächste Zeit, da liegt er gegenüber Weinbrecht zurück. 1:33,17 - das wird keine Spitzenzeit für den Franzosen.

  • Fill  

    Der Mann aus Kastelruth ist kein Spatz, sondern ein guter Skifahrer. Er ist schnell unterwegs, schneller als der Führende - aber stürzt kurz vor dem Ziel!

  • Weibrecht  

    Der Amerikaner fährt ins Ziel mit 1:30,65. Platz 1!

  • Keppler  

    Der Deutsche spuckte mal grosse Töne vor der Abfahrt. Und der Super-G ist einige Nummern so gross - er ist ausgeschieden.

  • Jansrud  

    Der Norweger ist gestartet. 42,14 ist mal einer Richtzeit oben. Im Ziel ist er mit 1:31,21.

  • Prächtiges Wetter  

    In wenigen Minuten geht es los. Das Wetter ist schön, aber kälter als zuletzt. Das sind prächtige Bedingungen. Wir sind alle sehr gespannt...

  • Ein gutes Omen?  

    Didier Cuche wurde in Val d'Isère Weltmeister in dieser Disziplin – mit der Nummer 16. Also mit jener Nummer, mit der er auch heute fährt. Aber wir werden sehen, oder, wie man im Kanton Neuenburg sagt: On verra.

  • Ausgangslage  

    Didier Défago sei Dank. Mit Abfahrts-Gold im Rücken können die Schweizer im zweiten Olympia-Rennen, dem Super-G, leichter angreifen.

    Grösster Trumpf des Schweizer Quartetts bleibt Weltmeister Didier Cuche. Rang 6 in der Abfahrt war zwar nicht die Ausbeute, die sich Didier Cuche gewünscht hatte. Doch der Neuenburger hat seine Mission noch nicht abgeschlossen und gibt sich kämpferisch: «Jetzt schaue ich nach vorne. Nach der Abfahrt konnte ich von einem Ruhetag profitieren. Ich fühle mich gut.» Der Super-G ist die Disziplin, in der Cuche vor zwölf Jahren in Nagano als Zweiter hinter Hermann Maier seine bisher einzige Olympia-Medaille gewann, der Super-G ist aber auch die Disziplin, in der er letzten Winter in Val d'Isère Weltmeister wurde.

    Und wer noch in Erinnerung hat, in welch bestechender Manier Cuche vor knapp einem Monat den Super-G von Kitzbühel für sich entschieden hat, reiht den 35-Jährigen sowieso unter die Topfavoriten auf Gold. «Den Super-»", sagt Cuche, «liebe ich sehr. Aber ich glaube, es wird -- ähnlich wie in der Abfahrt -- um Hundertstel gehen. Deshalb hoffe ich auf eine möglichst tiefe Nummer.» Dieser Wunsch ging mit der tiefstmöglichen Startnummer 16 in Erfüllung. Vor ihm gehen Carlo Janka (15) und Tobias Grünenfelder (14) ins Rennen. Défago startet als 22.

    Auch Carlo Janka, der zweite Schweizer neben Cuche, der es im Super-G im Verlauf der bisherigen Saison aufs Podest gebracht hat (im Dezember als Zweiter in Val Gardena), gehörte in der Abfahrt als Elfter zu den Geschlagenen, wenngleich er sich gegenüber dem Training deutlich gesteigert hatte. «Es gibt Schnee, den ich besser mag», bekennt der Bündner, «aufgrund der hohen Temperaturen haben wir hier Verhältnisse wie im Frühling. Ich aber mag, wenn der Schnee kalt und aggressiv ist.» Die Beschaffenheit der Unterlage sieht er als Hauptgrund, weshalb er sich nicht so entfalten konnte wie gewünscht. An den Nerven habe es jedenfalls nicht gelegen: «Ich war in der Abfahrt bereit und recht locker am Start. Einen besonderen Druck spürte ich nicht, eigentlich war es wie im Weltcup auch.»

    Didier Défago scheinen die Verhältnisse in Whistler eher zu behagen. Hier war der Unterwalliser schon vor zwei Jahren bei der Olympia-Hauptprobe bester Schweizer im Super-G. Damals reichte es ihm zum 6. Platz, unmittelbar vor Cuche. Als Abfahrts-Olympiasieger kann er ziemlich unbelastet an den Start gehen. «Ich bin immer noch sehr motiviert, obwohl ich mein Ziel -- eine Medaille -- schon erreicht habe.» Im Weltcup steht er in diesem Winter mit einem 6. Rang (in Val Gardena) als bestem Ergebnis zu Buch.

    Vierter Schweizer Starter ist der Glarner Tobias Grünenfelder, der es in der Abfahrt nicht geschafft hatte, sich für das Rennen zu qualifizieren. "Mit dem Wetter hat sich auch meine Laune wieder gebessert", meinte Grünenfelder, der sich in Kitzbühel mit einem 6. Platz ins Team gefahren hat. Er verdrängte damit Ambrosi Hoffmann, der vor vier Jahren in Turin die Bronzemedaille gewonnen hatte, in diesem Winter im Super-G aber nicht über den 14. Platz hinauskam.

    Sollte sich die Prognose von Cuche nach einem engen Rennen bewahrheiten, steigt auch die Zahl der Siegesanwärter. Aufgrund der Ergebnisse im Weltcup müsste man Michael Walchhofer ganz vorne erwarten. Der Salzburger stand in drei von vier Rennen auf dem Podest, in Val d'Isère als Gewinner. In der Abfahrt hatte es Walchhofer nur zum 10. Rang gereicht.

    Gesucht wird der Nachfolger von Kjetil André Aamodt, dem mit vier Olympiasiegen erfolgreichsten alpinen Olympioniken überhaupt. Drei seiner Goldmedaillen errang Aamodt im Super-G, 1992, 2002 und 2006. Aksel Lund Svindal ist der Mann, der die norwegische Tradition hoch halten kann. Mit seinem 2. Platz in der Abfahrt machte Svindal deutlich, dass er für weitere Grosstaten bereit ist. Ähnliches gilt für Bode Miller, dem Abfahrts-Dritten, der in Whistler wie Svindal sein erstes Olympia-Gold anvisiert.

Erstellt: 19.02.2010, 21:56 Uhr