Sport

Österreichs bittere Null

Auch im abschliessenden Slalom gab es für Raich und Co. keine Medaille. Dafür hat Italien einen Skihelden und Tomba-Nachfolger.

Italiens neuer Skistar: Sogar der Premier Berlusconi gratulierte Giuliano Razzoli zum Sieg.

Italiens neuer Skistar: Sogar der Premier Berlusconi gratulierte Giuliano Razzoli zum Sieg.
Bild: Keystone

Österreich null, Italien null. So stand es in den Bilanzen. Bei den Östereichern galt die Null nur für die Männer, bei den Italienern für das ganze Team. Grund zur Klage hatten beide. Mario Scheiber war Vierter in der Abfahrt geworden, im Riesenslalom hatten Marcel Hirscher, Romed Baumann und Benjamin Raich geschlossen die Ränge 4 bis 6 belegt. Im Super-G der Männer hatten Werner Heel zwei, Patrick Staudacher acht und Christof Innerhofer neun Hundertstel zur Medaille gefehlt.

Blieb der Slalom, das letzte von zehn Rennen. Und ein ganz besonderes dazu. Nichts war mit einer vereisten Piste wie in Europa, und steil war der Hang auch nicht. Das beste Slalomteam der Welt, angeführt von Titelverteidiger Benjamin Raich und Weltcupleader Reinfried Herbst, wollte sich nicht beeindrucken lassen. Sie griffen an, gaben alles, und doch reichte es nicht.

Die Reihe der Geschlagenen

Auch für Raich nicht. Er wurde Vierter, wie bei vier Slaloms in diesem Winter, und stellte sich in die Reihe der grossen Geschlagenen dieser Spiele: Michael Walchhofer, Didier Cuche, Ted Ligety. Der Amerikaner twitterte: «Ich mag nicht die besten Olympischen Spiele gehabt haben, doch ich habe immerhin gleich viele Medaillen gewonnen wie das österreichische Team zusammen.»

Auf der Nassschneepiste waren die Atomic-Ski, die den Riesenslalom geprägt hatten, für Raich und Herbst kein Vorteil, da waren zwei kleine Firmen besser dran: Elan und Nordica, sonst eher belächelt. Das war die Chance von Mitja Valencic, Ondrej Bank und André Myhrer, die nicht einmal zu den Aussenseitern gehört hatten – und von Giuliano Razzoli, dem Sieger von Zagreb.

Der Italiener aus der Emilia packte sie. Mit der Startnummer 13 fuhr er im ersten Lauf überragende Bestzeit, im zweiten verwaltete er den Vorsprung souverän. Am Ziel wartete Alberto Tomba. Er hatte Razzoli vor einem Jahr eine Medaille vorausgesagt. Jetzt umarmte er ihn als Nachfolger – 22 Jahre nach Calgary. Italiens Skiwelt war wieder in Ordnung. Premierminister Silvio Berlusconi liess gratulieren, und Staatspräsident Napolitano trug dem Retter der Skination per Telefon das Du an.

Was passiert in Österreich?

Derweil werden in Österreich nach dem ersten Männer-Nuller in der alpinen Olympia-Geschichte die Messer gewetzt, wie immer wenn die Erfolge, die dort so selbstverständlich sind, ausbleiben. Noch bleibt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gelassen und verwies auf die Gesamtbilanz des Verbandes: «Wir haben 14 Medaillen, das hier ist jammern auf hohem Niveau. Für die alpinen Männer suchen wir jetzt keine Ausreden. Mit dem müssen wir leben und umgehen.» An einen Rauswurf von Cheftrainer Toni Giger denke er nicht: «Wenn man das erwartet, dann erwartet man was Falsches.»

Giger selber denkt auch nicht an Rücktritt: «Wir haben hier einiges mitgemacht. Es war eine unglaublich schwierige Situation für die ganze Mannschaft. Wir wollen ja alle für Österreich Medaillen holen, Grosses zusammenbringen. Wenn es nicht hinhaut, ist das eine extreme Belastungsprobe für Läufer, Betreuer und Trainer. Sie sind alle zusammengestanden, es gab keine Schuldzuweisungen im Zorn, weil es nicht funktioniert hat. Weder von Seiten der Trainer noch der Läufer.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2010, 12:43 Uhr