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Es ist mehr als nur Ammanns Bindung

Von Micha Jegge, Whistler. Aktualisiert am 19.02.2010 10 Kommentare

Simon Ammann nimmt das Springen auf der Grossschanze als Favorit in Angriff. Dem 28-jährigen Toggenburger steht dabei ein grosses Betreuerteam zur Seite.

1/9 Der Grund für die Aufregung
Das ist die Bindung von Simon Ammann: Der Stab ist leicht gekrümmt, was ihm in der Flugphase mehr Stabilität verleihen soll.
Bild: Keystone

   

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Zwischen Traum und Realität

Noch besteht die Chance, dass der Traum von der olympischen Einzelmedaille nicht ewig ein Traum bleibt. Gross ist sie nicht, andere haben im Training den besseren Eindruck hinterlassen. Janne Ahonen ist nach Whistler gereist, um die einzige Lücke in seinem Palmarès zu schliessen. Fünf Mal gewann er die Vierschanzentournee, fünf Mal wurde er Weltmeister; vergangenen Samstag belegte der 32-Jährige bei Olympia zum dritten Mal Rang 4. Sollte er am Samstag wider Erwarten reüssieren, würde Finnlands populärster Einzelsportler zur lebenden Legende avancieren. Andernfalls würden es ihm seine Landsleute verzeihen. Wie sie ihm verziehen haben, dass er sie jahrelang getäuscht hatte und erst in Form der im letzten Jahr erschienenen Biografie wissen liess, was für ein Mensch hinter der Fassade steckt – ein sensibler Pendler zwischen Podest und Abgrund, zwischen Alkoholexzessen, Hungerkuren, Familie und Sport. Einer, der morgen etwas vollenden möchte.

Sportler, die in ihrer Sparte die Nummer 1 sind, werden in der Regel von einer Aura umgeben, welche das Gewinnen zu vereinfachen scheint. Lindsey Vonn beispielsweise gehört zu dieser Spezies; weder lädierte Körperteile, widrige Verhältnisse noch reihenweise Stürze der Konkurrentinnen vermögen die Amerikanerin von der schnellsten Linie fernzuhalten. Unter dem Dach der fünf Ringe ist auch Simon Ammann in den elitären Zirkel aufgestiegen.

Dem dominanten Auftritt auf der Normalschanze liess der Ostschweizer in den Trainings auf dem grossen Bakken neuerlich eine Machtdemonstration folgen. Am Dienstag und Mittwoch hatte er jeweils ein Ausrufezeichen gesetzt, die dritte Einheit fand ohne ihn statt. Der 28-Jährige hat alles im Griff, sein Selbstvertrauen scheint unerschütterlich. Was auch auf dem Fakt beruht, dass er weiss, wie man Doppel-Olympiasieger wird. Diese Kombination scheint im Hinblick auf die samstägliche Konkurrenz vorab die bezüglich Erfolgserlebnissen verwöhnten Österreicher zu beunruhigen.

Doc Bonsai...

Sportler, die in ihrer Sparte die Nummer 1 sind, wissen in der Regel einen aussergewöhnlich grossen Betreuerstab hinter sich, der Figuren mit aussergewöhnlichen Einsatzbereichen und Qualitäten umfasst. Chef des Bodenpersonals ist Gary Furrer; der Disziplinenverantwortliche von Swiss-Ski leitet die Kraft- und Konditionseinheiten. In mentalen Belangen wird er von ETH-Dozent Hanspeter Gubelmann unterstützt. Als Physiotherapeut amtet der Holländer Wytze Bakker, als Trainer fungiert Martin Künzle, welcher nur ein paar Monate älter ist als sein Athlet und diesen «abseits der Schanze» als Freund bezeichnet.

Seit drei Jahren kann Ammann auf die Unterstützung Sylvie Ackermanns zählen. Die 49-Jährige hat in Peking und im Tibet studiert, sie ist auf Akupunktur und andere Teilgebiete der traditionellen chinesischen Medizin spezialisiert. An Grossanlässen lässt sich der Weltmeister von Sapporo täglich von ihr behandeln. Der Toggenburger sei einer der sensitivsten Athleten, mit dem sie je zusammengearbeitet habe, sagt die Deutsche. «Er spürt, wenn er etwas braucht, und meldet sich umgehend.» Auf die Frage, inwiefern Ammann sich von andern unterscheide, erwidert Ackermann, er habe sehr viel Kraft – «nicht auf den Körper bezogen. Simon kann Spässe machen und sich gehen lassen, aber er ist jederzeit ganz nahe bei sich selbst. Er hat die innere Balance gefunden.» In Whistler stellt Ackermann ihre Dienste auch andern Schweizer Sportlern zur Verfügung. Die kleine Praxis, die sie im Athletendorf betreibt, wird rege besucht. Sie habe bereits einen Übernamen erhalten, sagt die Ärztin schmunzelnd. An der Tür, die zur Praxis führt, habe sie eines Morgens ein Schild mit der Aufschrift «Doc Bonsai» vorgefunden.

...und der Tüftler

Eine Art Gegenpol zu Ackermann bildet Servicemann Gerhard Hofer, ein schräger Vogel, der mit den Bars und Pubs in den Weltcup-Orten ebenso vertraut ist wie mit den Wachscontainern. Vor vier Jahren hatte der Österreicher mit ausgezeichneter Verbindung zu Ammanns Skifabrikant Fischer die Skier Thomas Morgensterns präpariert – der Kärntner gewann in der Folge Gold auf der Grossschanze. «Gatsch», wie der 28-Jährige genannt wird, scheut keinen Aufwand, wenn es um das Material seiner Athleten geht. Am vergangenen Samstag hatte er sich um halb vier Uhr in der Früh an die Schanze begeben, «um den Schnee zu spüren». Er ist ein Tüftler, dem es bei Swiss-Ski besser gefällt als im Österreichischen Skiverband, «weil mir hier nicht dauernd ein Wissenschaftler dazwischenfunkt». Sein jüngstes Trumpfass zückte er vor zwei Wochen aus dem Ärmel. Es handelt sich um einen gebogenen Bindungsstab, der von der Basler Medizinaltechnikfirma Medartis entwickelt worden war und eine bessere Skiführung ermöglicht.

Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner, der immer mal wieder befürchtet, seine Springer würden von all jenen betrogen, welche sie überflügeln, will die Zulassung von Ammanns Bindung prüfen lassen. Medienbetreuer Florian Kotlaba betätigte sich als Spion und fotografierte die innovative Neuerung. Ob sich diese Aktivitäten am Samstag in irgendeiner Form auf die Darbietung des in Schindellegi wohnhaften Bauernsohns auswirken werden, darf bezweifelt werden: Sportler, die in ihrer Sparte die Nummer 1 sind, lassen sich von psychologischer Kriegsführung in der Regel nicht aus der Ruhe bringen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.02.2010, 15:26 Uhr

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10 Kommentare

Helmut Scholz

19.02.2010, 17:41 Uhr
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Wer selber im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Oder war es nicht ein gewisser Michael von Grünigen,der bei der FIS Protest eingelegt hat,weil der Sieger Hermann Maier seine Ski zu früh abgeschnallt hat?? Damit hat sich der Maier sicherlich keinen Vorteil verschafft. Bei der Bindung von Ammann sieht sogar ein Laie,daß er damit seine Ski früher unter Kontrolle bringen kann. Antworten


Hans Lips

19.02.2010, 16:28 Uhr
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Die oesterreichischen Kleingeister reagieren gleich wie der Boss von Oracle gegenüber Alinghi. Man mag es nicht, wenn Schweizer (wo liegt die Schweiz überhaupt?)überragende Resultate aufweisen und die Konkurrenz vernichten. Ein Wunder, dass die dem Federer noch keine Glasspäne in die Tennisschuhe gestreut haben. Neid ist ein weltweites "Vorkommen". Aber wissen die Schweizer wie gut Simi ist? Antworten