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«Schade, da haben die Österreicher die Nerven verloren»

Von Christian Andiel, Whistler. Aktualisiert am 19.02.2010 202 Kommentare

Der schweizerisch-österreichische Nervenkrieg um die Bindung von Simon Ammann setzte sich in der Nacht auf heute fort. Die Österreicher schlugen einen Kuhhandel vor.

Sicher in der Spur: Der Nervenkrieg um Simon Ammanns Bindung geht in eine weitere Runde.

Sicher in der Spur: Der Nervenkrieg um Simon Ammanns Bindung geht in eine weitere Runde.
Bild: Keystone

Es war ein Auftritt der besonderen Art. Im Raum des Teamcaptains-Meeting der Skispringer drängelten sich TV-Kameras und Journalisten, vorne stand Alexander Pointner und hielt eine Rede. Es ging um die Bindung von Simon Ammann, um die Frage, ob diese nun reglementskonform ist oder nicht. Der österreichische Cheftrainer zweifelt dies natürlich an, und dann sagte er mit lauter Stimme ins Mikrofon: «Wir verlangen vom Schweizer Team, dass es dieses Bindungssystem zurückzieht. Wenn nicht, legen wir am Samstag beim Springen auf der Grossschanze nach dem ersten Durchgang Protest ein.»

Die drei Schweizer Vertreter – Disziplinenchef Gary Furrer, Chefcoach Martin Künzle, Servicemann Gerhard Hofer – sassen ungerührt da. Sie unterliessen es, auf Pointners Drohung direkt zu antworten, der Österreicher Hofer hatte schon beim Betreten des Raumes demonstrativ den Daumen gehoben. Schliesslich waren sie nicht überrascht: Pointner hatte Furrer diesen Kuhhandel bereits in der Nacht zuvor im Hotel angeboten. Schon da sah Furrer keinerlei Veranlassung, nur darüber nachzudenken. Für die Schweizer ist die Bindung nicht neu, muss also nicht vom internationalen Verband (Fis) speziell genehmigt werden. Es sei eine Modifikation, sagte Furrer, «das machen alle in allen Bereichen.»

Noch kein Regelverstoss vorgestellt

Der Nervenkrieg, den die Österreicher angezettelt haben, geht als weiter, und er wird den Wettkampf überschatten. Zumindest bis zum Beginn des zweiten Durchgangs. Denn der Protest, den die Österreicher einlegen, muss sofort behandelt werden, sonst kann der zweite Durchgang nicht beginnen. «So etwas kann ja sehr schnell gehen», sagte Walter Hofer (Ö), der Fis-Renndirektor. «Und der Entscheid ist dann für den Wettkampf bindend.» Entscheiden muss die Jury, bestehend aus einem Italiener, einem Norweger und einem Kanadier, lehnen sie den Protest ab, ist Ammann im zweiten Durchgang dabei. Ansonsten wird er disqualifiziert und darf nicht mehr springen.

Was Hofer aber auch noch sagte, mag die Ruhe im Schweizer Team erklären: «Bis heute haben alle unsere Materialkontrolleure noch keinen Regelverstoss durch diese Bindung festgestellt.» Ammann ist mit dieser Bindung im Weltcup in Klingenthal gesprungen, er ist damit vergangenen Samstag Olympiasieger auf der Normalschanze geworden, und nie hat es auch nur die kleinste Beanstandung gegeben.

Weissflogs Breitseite gegen die Österreicher

Auch durch die Österreicher nicht. «Wir haben es halt erst jetzt gesehen», sagte Pointner. Er behauptet, Ammann habe durch diese Modifikation einen Vorteil, und das sei nicht erlaubt, zudem würden sich Fragen zur Sicherheit und zur Chancengleichheit stellen. «Chancengleichheit?», sagt dazu Jens Weissflog, selbst viermaliger Olympiasieger, «besteht diese denn, wenn manche Anzugstoffe nur bestimmten Teams zur Verfügung stehen?» Und er sagt es nicht, aber er meint damit vor allem die Österreicher.

Weissflog sieht also auch keinen Verstoss gegen das Reglement, Hofer betont explizit, dass «der Materialbereich zwischen Ski, Schuh und Athlet ein offener Innovationsbereich» ist. Sprich: In vielen anderen Bereichen – Ski, Anzug, Gewicht – ist das Reglement sehr strikt, bei der Bindung sind die Vorgaben lockerer.

Doch ist das nun eine Garantie dafür, dass Ammann mit seiner Bindung springen darf? Es wäre fatal, den Einfluss der ÖSV-Oberen mit dem Direktor Nordisch, Toni Innauer, an der Spitze, zu unterschätzen. Sie werden noch die eine oder andere Beeinflussung auf verschiedenen Ebenen unternehmen. «Für die Fis wird das eine schwierige Entscheidung», sagt Weissflog. Für Chefcoach Künzle ist die Sache klar: «Der Protest hat keine Chance», und dann sagte er noch: «Schade, da haben die Österreicher die Nerven verloren.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2010, 09:17 Uhr

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202 Kommentare

Gyger Adolf

18.02.2010, 23:12 Uhr
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Unglaublich dieser Neid der Oesterreicher. Dass aber die oester. Springer von den Punktrichtern immer bevorzugt werden, davon spricht niemand. Ist doch eine Schande, wenn Simon Amman für einen Sprung nur die Note 18 erhält. Was braucht es denn eigentlich für 20 Punkte? Würde vorschlagen, dass nur noch die Weite zählt. Antworten


Tom Hasler

18.02.2010, 21:09 Uhr
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@ gerhard raida: ihre aussage ist schlicht falsch - die schweizer presse war und ist immer sehr anständig geblieben gegenüber den österreichischen sportlerleistungen - auch wenn es keine leistungen gewesen sind Antworten