Sport

Streit um Bindung von Simon Ammann spitzt sich zu

Von Stephan Roth. Aktualisiert am 19.02.2010 202 Kommentare

Die Österreicher wollen Protest einreichen, falls der Schweizer Olympiasieger auch auf der Grossschanze mit seiner umstrittenen Bindung antritt. Experten beurteilen sie indes als legal.

Der Stein des Anstosses: Der Zapfen (rechts) an Simon Ammanns Bindung.

Der Stein des Anstosses: Der Zapfen (rechts) an Simon Ammanns Bindung.
Bild: Keystone

Klar ist inzwischen, dass der Streit um die Bindung von Simon Ammann, von der die Österreicher behaupten, dass sie «nicht regelkonform» sei, keinen Einfluss mehr auf die dritte olympische Goldmedaille des Schweizers haben wird. Die Protestfrist ist bereits abgelaufen.

Doch am Samstag will Simon Ammann wie schon vor acht Jahren in Salt Lake City auf der Grossschanze Doppelolympiasieger werden. Und Österreichs Trainer Alexander Pointner machte klar, dass er Protest einlegen werde, wenn Ammann erneut mit der Bindung, bei der ihm ein gebogener Zapfen einen Vorteil im Flug verschafft, antritt. Der Protest wird dann noch vor dem zweiten Durchgang behandelt. Ein Rekurs könnte dann die Entscheidung bis zum Ende der Spiele in Vancouver verzögern.

Achtseitiges Dossier der Österreicher

In einem achtseitigen Dossier wurde der Toggenburger von den Österreichern aufgefordert, die raffinierte Weiterentwicklung seiner Skibindung nicht zu verwenden. Ansonsten würde nach dem ersten Durchgang ein Protest eingereicht. Begründet wird die Forderung mit vermeintlichen Verstössen gegen die internationale Wettkampfordnung. Ammanns Bindung erhöhe die Unfallgefahr, es handle sich um ein technisches Hilfsmittel, das körperliche Schwächen überdecke, die Bindung sei nicht geprüft und nicht zu gelassen, so die Argumentation der Österreicher.

Dass Ammann auch am Samstag mit der umstrittenen Bindung auf Goldjagd gehen wird, ist trotzdem klar. Denn der Schweizer Disziplinenchef Gary Furrer betont: «Es ist alles reglementskonform.» Es sei üblich, dass man die handelsüblichen Fixationen leicht anpasse. «Wenn deswegen ein Protest gemacht wird, dann müsste man praktisch gegen das gesamte Feld klagen.» Laut Furrer denke man nicht daran, die Bindung zu wechseln. «Simon wird am Samstag mit der gleichen Bindung springen.»

«Im Moment ist die Bindung legal»

Ammann springt mit dieser Bindung bereits seit drei Wochen, ohne dass sich jemand beschwerte. Bereits davor war sein Landsmann Andreas Küttel damit, wenn auch weniger erfolgreich, gesprungen. Furrer führt die österreichischen Drohgebärden auf «eine grosse Verunsicherung» beim Rivalen zurück.

Die Experten von der Fis blasen ins gleiche Horn. Glaubt man den Worten von Jouko Törmänen, dem Disziplinen-Verantwortlichen des internationalen Skiverbands Fis, haben die Schweizer nichts zu befürchten. «Im Moment ist die Bindung legal», sagte der Finne dem Schweizer Fernsehen. «Fast jeder Springer hat seine Bindung verändert.»

Maulkorb für Austria-Adler

Sepp Gratzer (Ö), Materialkontrolleur der Fis: «Ich habe die Bindung gesehen. Für mich ist sie regelementskonform.» Er könne einer Jury- Entscheidung nicht vorgreifen, aber die Jury müsse sich an das Reglement halten. «Und ich finde im Reglement keinen Passus, der dagegen spricht, dass diese Bindung zugelassen wird.»

Österreichs Skisprung-Legende Andreas Goldberger zeigte sich gegenüber SF verständnislos über das Vorgehen seiner Landsleute. «Wenn der Protest gutgeheissen wird, dann geht es erst richtig los», sagte er. Dann müsste man mit Gegenprotesten rechnen, da jeder Springer seine Bindung verändert habe.

Die Austria-Adler werden durch die hausgemachte Bindungs-Polemik auch belastet. Zwar trat das Quartett im ORF-Studio betont locker auf. Beim Medientreff im Austria House wurde ihnen aber ein Maulkorb verpasst, was für eine gereizte Atmosphäre sorgte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2010, 11:01 Uhr

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202 Kommentare

Gyger Adolf

18.02.2010, 23:12 Uhr
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Unglaublich dieser Neid der Oesterreicher. Dass aber die oester. Springer von den Punktrichtern immer bevorzugt werden, davon spricht niemand. Ist doch eine Schande, wenn Simon Amman für einen Sprung nur die Note 18 erhält. Was braucht es denn eigentlich für 20 Punkte? Würde vorschlagen, dass nur noch die Weite zählt. Antworten


Tom Hasler

18.02.2010, 21:09 Uhr
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@ gerhard raida: ihre aussage ist schlicht falsch - die schweizer presse war und ist immer sehr anständig geblieben gegenüber den österreichischen sportlerleistungen - auch wenn es keine leistungen gewesen sind Antworten