Wer das Milliarden-Spekatel in die Schweiz bringt
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 15.12.2008 3 Kommentare
Philippe Huber, der 42–jährige CEO der aus Wil SG und London aus operierenden Kentaro Group, hat der Schweiz schon manchen Sport-Leckerbissen serviert. Ob der Fussball-Klassiker England gegen Argentinien in Genf oder die Partie Schweiz gegen Brasilien vom 15. November 2006 in Basel – der Luzerner Rechtehändler hatte stets seine Hände im Spiel, damit prominente Fussballer in seiner Heimat auftreten konnten. Auch lockte er vor der Fussball-WM 2006 in Deutschland die Seleção ins Camp nach Weggis. Es sei schon immer sein Wunsch gewesen, die Brasilianer in die Schweiz zu bringen, unterstrich Huber seine patriotischen Gefühle.
Ein grosses Beziehungsnetz
Kentaro, 2003 von Huber und dessen Partner Philipp Grothe ins Leben gerufen, kümmert sich nicht nur um die Vermarktungsrechte der Brasilianer bei Freundschaftsspielen. Zu den Partnern zählen unter anderem die Verbände von Argentinien, England, Schottland, Schweden, Norwegen oder Klubs wie Everton, Glasgow Rangers oder der FC Basel. 60 Mitarbeiter sind mittlerweile angestellt, der Jahresumsatz wird auf 250 Millionen Schweizer Franken geschätzt.
Nicht nur im Fussball, auch im Boxen mischt das Ostschweizer Unternehmen kräftig mit. Kentaro brachte schon im Dezember 2006 den WM-Kampf zwischen Nikolai Walujew gegen Jameel McCline (USA) in die Basler St. Jakobshalle. Dank den guten Beziehungen von Kentaro zum deutschen Sauerland-Boxstall und zu Promoter Don King ist auch der Schwergewichts-WM-Kampf zwischen dem Russen und Rückkehrer Evander Holyfield im Zürcher Hallenstadion zustande gekommen. Dabei wurde die Konkurrenz aus Las Vegas, New York, Peking oder Dubai ausgestochen – ein bemerkenswerter Triumph des Vermarktungsprofis und seinem Personal. «Wir mussten die Ellbogen ordentlich ausfahren», gibt Huber zu.
WM-Kampf vor grosser TV-Kulisse
Rund eine Milliarde Menschen sollen die vorweihnächtiche Box-Show in Zürich Nord vor dem TV-Apparat verfolgen – so lauten die optimistischen Erwartungen der Organisatoren. Das wäre gewiss eine gigantische Zahl. Allerdings wurde schon der Fussball-Match Schweiz gegen Brasilien in über 100 Länder rund um den Globus übertragen – das Boxmeeting zwischen dem russischen Riesen und dem amerikanischen Oldie sprengt diesbezüglich nicht alle Dimensionen.
Dass aber eine Schweizer Stadt in den Genuss eines solchen Boxkampfes kommt, ist zweifelsohne ungewöhnlich - und erfreulich. Hubers Anliegen ist es, «die Schweiz als Box-Standort zu etablieren». Damit steht das Land in einem grossen Schaufenster, und vielleicht profitiert auch die hiesige Boxszene vom gigantischen Event. Impulse wären dringend vonnöten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.12.2008, 15:11 Uhr
WRITE A COMMENT
3 Kommentare
Die Schaulustigen sind übrigens vornehmlich unsere lustigen Nachbarn, die sich besonders gern in der Schweiz zur Schau stellen. Praktisch, dass der Kampf in Züri stattfindet - da findet manch üppig gefülltes Attaché-Case sicherlich auch noch seinen Weg an die Bahnhofstrasse. Antworten
Zirkus - Sensations-Event, Jahrmarktboxen..irgendwas..wäre angebrachter. Mit Boxen hat das nicht viel zu tun. Und es überrascht mich auch nicht, dass der Event in ZH stattfindet. Jede andere Box- Stadt welche etwas auf sich hält würde einem solchem Event eine Absage erteilen. Nur in ZH, wo es nur Schaulustige gibt die auch bereit sind soviel dafür zu bezahlen, die freuen sich auf den Event. Antworten

Rita Smith
Niemand wollte diesen Kampf, sogar N.Y wollte ihn nicht vor Weihnachten. Es ist in den USA hoechst unpopulaer einen Boxkampf einige Tage vor Weihnachten zu organisieren. Dies war der einzige Grund warum Las Vegas und N.Y absagten. Zuerich ist halt eine Halli Galli Stadt fuer alles zu haben, wenn es Geld bringt. Antworten