Sport

Der Irrweg zurück in die olympische Zukunft

Von Benjamin Muschg. Aktualisiert am 10.08.2011

Am Donnerstag fällt der Entscheid, mit Davos/St. Moritz statt mit Genf einen Anlauf für Olympia 2022 zu nehmen. Spiele allein in den Bergen haben heute aber keinen Sinn mehr.

1/6 Mit Model, Ski und Plakat: So warb St. Moritz 1948 für die Olympischen Spiele.
Bild: Bibliothek St. Moritz

   

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Morgen tagt der Exekutivrat von Swiss Olympic, um im Hinblick auf eine Schweizer Kandidatur für die Winterspiele 2022 einen Grundsatzentscheid zu fällen. Es ist der Entscheid, ob eine grössere Stadt das Zentrum der Spiele bilden oder ob der Event ganz in kleineren Wintersportorten stattfinden soll. Es ist ein Entscheid, den der Dachverband und die Sportpolitik längst gefällt haben. Sowohl Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic, als auch Sportminister Ueli Maurer haben seit Beginn des Prozesses erklärt, dass die Schweiz dem IOK ihre Kandidatur mit diesen Hauptargumenten verkaufen müsse: weg vom Gigantismus, raus aus den Städten und zurück in die Wintersportorte, kompakte Spiele mit möglichst kurzen Wegen. Wenn diese Strategie nicht plötzlich über den Haufen geworfen werden soll, kann Swiss Olympic morgen nur entscheiden, dass es den weiteren Weg zu einer Kandidatur mit Davos/St. Moritz geht. Und nicht mit Genf, dessen gemeinsames Projekt mit dem Wallis und der Waadt die einzige verbliebene Alternative ist.

Die Asymmetrie spiegelt sich auch in den Besetzungen, mit denen die Regionen an der Sitzung vertreten sein werden: Die Bündner erscheinen mit Hansjörg Trachsel als Vertreter der Kantonsregierung, Nationalrat und HCD-Präsident Tarzisius Caviezel, Gaudenz Domenig, Projektleiter der Arbeitsgruppe Graubünden 2022 und ebenfalls HCD-Verwaltungsrat, Ariane Ehrat, Geschäftsführerin von St. Moritz Tourismus und ehemalige Skirennfahrerin, und der 84-jährigen Eishockeylegende Walter «Watschga» Dürst – mitsamt der Bronzemedaille, die er 1948 in St. Moritz an den bisher letzten Olympischen Spielen in der Schweiz gewann. Die Westschweizer Alternative präsentiert Denis Bochatay von der Lausanner Beratungsfirma Quantis, der das Projekt per Mandat betreut. Staatsrat Mark Muller, in der Genfer Regierung federführend, weilt derzeit im Ausland. Er hatte vergeblich um eine Verschiebung gebeten, als ihm Swiss Olympic den morgigen Termin vor einem Monat bekannt gab.

Das Versäumnis der Romands

Offensichtlich steht die Variante Genf bei den Entscheidungsträgern nicht hoch im Kurs. Die Romands haben es aber auch verpasst, für ihre Ideen eine gewisse Popularität zu erzeugen. Bis gestern wollte keine der involvierten Personen Auskunft über den Stand der Planungen geben. Die Bündner werben dagegen seit über einem Jahr offensiv. Das ist auch nötig, denn ab morgen gibt es sowohl für das Sportparlament, das im April entscheidet, als auch für Politik und Öffentlichkeit keine «Kandidatur Schweiz» mehr, sondern eine «Kandidatur Davos/St. Moritz». Die Romandie wird sich einmal mehr übergangen fühlen und könnte Mühe haben, sich mit der Kandidatur zu identifizieren.

In Bern dürfte der Enthusiasmus auch nicht gross sein. Dort sagte man 2002 Nein zum letzten Anlauf für die Spiele, die damals im eigenen Kanton hätten stattfinden sollen, und lehnte einen Kredit über 22,5 Millionen ab. Vielleicht erinnert man sich in Bern auch daran, wie unsolidarisch die Bündner damals waren, nachdem sich das Sportparlament – entgegen dem Wunsch des Exekutivrats – für Bern und gegen Davos entschieden hatte. Graubündens Regierung lehnte eine Beteiligung von 2,5 Millionen Franken an «Bern 2010» ab und wollte auch die Bobbahn von St. Moritz nicht zur Verfügung stellen. Überhaupt wird sich in anderen Tourismusregionen die Begeisterung in Grenzen halten über Milliarden-Investitionen für die Konkurrenz. Und selbst in Graubünden gibt es Opposition nicht nur aus ökologischen Kreisen, sondern sogar von Tourismusvertretern, weil die Spiele in die Hochsaison fallen und traditionelle Gäste vertreiben würden.

Gigantismus in der Idylle

Angesichts der schwierigen Weltwirtschaftslage dürfte generell die Skepsis wachsen, ob sich die Schweiz ein Prestigeprojekt wie Olympia leisten soll. Mit der gleich grossen Kelle anrühren wie Kanada 2010 (Gesamtbudget von rund 5,5 Milliarden), Russland 2014 (mindestens 14 Milliarden) oder Südkorea 2018 (8 Milliarden) würde sie so oder so nicht. Olympia ist und bleibt aber ein gigantisches Spektakel, auch für bescheidene Spiele müssten 1 bis 2 Milliarden investiert werden. Den Olympiern will die Schweiz schmackhaft machen, dass die Zukunft in der Rückkehr zu den Wurzeln des Wintersports liegt. Etwa zu St. Moritz, wo die Spiele 1928 und 1948 stattfanden. Von nostalgischen Argumenten dürften sich aber auch die alten Herren vom IOK kaum überzeugen lassen. Olympia hat sich seither von einem gemütlichen Treffen zu einem riesigen Event gewandelt. Chancen könnte die Schweiz trotzdem haben – weil dem IOK für die Winterspiele die Kandidaten ausgehen. Sion war noch eine von neun Bewerberstädten für 2002 und eine von sechs für 2006. Yongpyong musste sich nun nur gegen zwei Konkurrenten durchsetzen. Für 2022 dürfte es nicht mehr Bewerbungen geben.

Dass die Schweiz den Gigantismus bekämpfen will, indem sie die Spiele aus den Städten und zurück in die Idylle kleinerer Wintersportorte bringt, ist aber unabhängig von den Wahlchancen beim IOK ein Irrweg. Tatsächlich bringt sie damit statt nur eines Teils gleich den ganzen Gigantismus in die empfindliche Bergwelt. Und vergibt zugleich die Chance, im Zuge von Olympia dort infrastrukturelle und bauliche Verbesserungen zu machen, wo auch nach dem Spektakel viele Menschen täglich und nachhaltig davon profitieren könnten. Selbst wenn das Bündner Olympia-Projekt umsetzbar wäre, hätte es ökonomisch und ökologisch keinen Sinn, die Spiele ohne Beteiligung einer grösseren Stadt durchzuführen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2011, 16:59 Uhr

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 16:02
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Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 1:5
Stand: 27.05.2012 15:59
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Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
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