Der letzte Schrei: gedopte Velos
Von Martin Born. Aktualisiert am 19.05.2010
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Gedopt werden nicht mehr die Fahrer, sondern die Velos. Das behaupten zwei italienische Zeitungen, «il Giornale» und «l’Avvenire», die sich auf Informationen aus dem Begleittross des Giro d’Italia berufen. Es gebe einen batteriegetriebenen Motor, der sich im Sattelrohr verstecken lasse und der eine Art Antriebshilfe leiste. Wie es funktioniere, lasse sich bei «Gruberassist.com» nachlesen.
Kräfte sparend
Das ist die Homepage einer österreichischen Firma aus Wörgl. Dort wird der «unsichtbare Motor» beschrieben und verkauft. «Der knapp 22 cm lange und 200 Watt starke Hilfsantrieb ist mit der Antriebswelle der Tretkurbel über ein Kegelradgetriebe (Winkelgetriebe) ständig drehfest verbunden», heisst es dort. «Schalten ist weiterhin möglich. Bei einer optimalen Trittfrequenz von ca. 60 Pedalumdrehungen pro Minute bringt der Fahrradantrieb bis zu 100 Watt aufs Hinterrad.»
Für die beiden italienischen Zeitungen liefert der «unsichtbare Motor» eine Erklärung für «einige aussergewöhnliche Leistungen» in diesem Frühjahr. Es sei einfach. Bei einem Rennen über sechs Stunden fahre man während der ersten fünf mit dem antriebsunterstützten Rad, spare Kräfte, wechsle für die letzte Stunde die Maschine und fahre ausgeruht mit dem normalen Rennvelo allen davon, ohne dass man sich am Ziel vor einer Materialkontrolle fürchten müsse.
Erinnerung an Cancellara
Natürlich wird kein Name genannt. Doch in den diversen Foren erinnert man sich schnell an die beiden Velowechsel von Fabian Cancellara bei seinen Triumphen in der Flandern-Rundfahrt und bei Paris–Roubaix. Hat man hier nicht endlich eine Erklärung für dessen für viele nur schwer fassbare Überlegenheit? Oder haben die beiden Velowechsel die Fantasie beflügelt und dazu geführt, dass das Gerücht überhaupt entstehen konnte?
Für Thomas Maurer, den Schweizer Vertreiber von Gruber Assist, ist eine solche Verwendung des «unsichtbaren Motors» nicht denkbar. Er sei als Hilfe für nicht ganz topfite Biker gedacht, funktioniere nur bei tiefen Geschwindigkeiten, es gebe einen verräterischen Piepston, wenn er eingeschaltet sei. Der Akku müsse in einem Satteltäschchen mitgeführt werden und gebe nur während 45 Minuten Strom. Anders ausgedrückt: Es müsste eine technisch raffinierte, auf Strassenrennen angepasste Weiterentwicklung sein mit einer Batterie, die im Sattelrohr Platz hat.
Beim internationalen Radsportverband UCI, wo man die Materialentwicklung sehr aufmerksam verfolgt, hat man noch keine Anhaltspunkte gefunden, die für die Verwendung des «unsichtbaren Motors» sprechen würden. Aber man bleibe selbstverständlich dran. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.05.2010, 08:43 Uhr

