Der tote Tour-Sieger, die Politik und das Doping
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 01.09.2010
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Staatspräsident Nicolas Sarkozy würdigte den an Krebs verstorbenen Fignon als Legende des Sports und erinnerte sich gerührt an dessen Arbeit als Kommentator bei der diesjährigen Tour. «Laurent Fignon war ein grosser Kämpfer und hat sich auch seiner schwersten Herausforderung gestellt. Er hat der ganzen Welt vorgeführt, was menschliche Würde und Courage bedeuten», erklärte Sarkozy.
Premierminister François Fillon sagte, Fignon habe mit seiner Persönlichkeit den französischen Sport in den vergangenen 30 Jahren geprägt: «Wir behalten ihn als sympathischen und mutigen Mann in Erinnerung.»
Experimente mit Dopingmitteln
Die Trauer um Fignon hat wenigstens für kurze Zeit die Diskussionen um die unrühmlichen französischen Fussballer aus den Schlagzeilen der Sportberichterstattung verdrängt. Fignon verkörperte in den Augen der Politik die positiven Seiten des Sports und seines Landes – Kampfgeist, Opferbereitschaft und Leidenschaft.
Dass Fignon während seiner Karriere mit Dopingmitteln experimentierte und dies später auch öffentlich zugab, spielt nun offenbar keine Rolle mehr. Die Würde des Toten verbietet es, dass jenes Kapitel in den Würdigungen der Politik einen Platz findet. Immerhin liegen die positiven Tests auf Amphetamine von 1987 und 1989 schon über 20 Jahre zurück.
Angst um eine ganze Radsport-Generation
Fignon selbst wollte zuletzt einen Zusammenhang zwischen Doping und seiner Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht mehr ausschliessen, obwohl Fachleute diese These für unwahrscheinlich halten. «Ich habe den Ärzten ehrlich erzählt, was ich alles genommen habe. Sie meinten, das könne nicht der Grund sein, das wäre zu einfach. Aber mit absoluter Sicherheit kann man nicht ausschliessen, dass es etwas Schlimmeres ausgelöst hat», sagte er im vergangenen Jahr anlässlich der Präsentation seines Buches mit dem Titel «Wir waren jung und unbekümmert».
Um die Generation, die bis 1998 die Radsport-Szene prägte, machte sich Fignon in den letzten Monaten seines bewegten Lebens grosse Sorgen. In jener Epoche seien extreme Dinge passiert, daher sei es durchaus denkbar, dass in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren eine Reihe von Fahrern an Krebs erkranken werde. Seine eigene Erkrankung versuchte er so gut wie möglich zu verdrängen. Kurz vor dem Start der diesjährigen Tour erklärte er, dass er seinen Ärzten verboten habe, ihn über seine Heilungschancen aufzuklären.
Eine gewisse Angst vor den Folgen von Doping begleitete Laurent Fignon schon während seiner Karriere, die er 1993 beendete. Vor allem das Blutdoping, dass zu einer Leistungsexplosion im Feld führte, fürchtete er. «Die chemischen Exzesse verzerrten das Bild der Radsportwelt, erstickten die Noblesse von Volkshelden, liessen den Ruhm der Giganten der Landstrasse in zweifelhaftem Licht erscheinen», schrieb er in seinem Buch.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.09.2010, 15:45 Uhr




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