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Familiäre Schlammschlacht im Sägemehl

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 22.12.2011 18 Kommentare

Vor der heiligen Nacht hängt im Schwingen der Haussegen schief. Ausgerechnet Verbandsobmann Ernst Schläpfer und sein Göttibub Jörg Abderhalden liegen im Clinch.

Geld und Geist im Schwingen: Ernst Schläpfer (l.) attackiert seinen Göttibuben Jörg Abderhalden.

Geld und Geist im Schwingen: Ernst Schläpfer (l.) attackiert seinen Göttibuben Jörg Abderhalden.
Bild: Keystone

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Gemäss dem «Blick» ist der Zwist zwischen Schläpfer und Abderhalden riesig. Dabei geht es – wie so oft in einer Familie – um das liebe Geld. Der Zentralvorstand des Schwingerverbandes schloss am 24. November einen Vergleich mit Abderhalden, wobei es sich um die prozentuale Abgabe von Werbeeinnahmen des ehemaligen Schwingerkönigs handelte. Der Senn, der eigentlich aus dem Verband ausgetreten war, kehrte damit in die Schwingerfamilie zurück.

Dieser Gang neben der Arena ging allerdings gegen den Willen von Verbandsobmann Schläpfer und der Werbekommission vonstatten. Der Akt war ein Schlag ins Gesicht des Funktionärs, der seit Jahren im Streit mit seinem Göttibuben liegt. Schläpfer trat deswegen frustriert zurück. Der Schwingerverband stellte inzwischen Mario John als Nachfolger von Schläpfer vor.

Ist Abderhalden ein «Abzocker»?

Gemäss «Blick» ist der Zwist aber nicht beigelegt. Schläpfer kämpfe verbissen weiter, schreibt das Zürcher Boulevardblatt. Er wolle erst ordnungsgemäss Ende 2014 sein Amt niederlegen. Aber dazu müsse man an der Abgeordnetenversammlung im März auf den Vergleich mit Abderhalden vom vergangenen November zurückkommen. Schläpfer will seinen Job beim Verband dem Bündner John, der Abderhalden offenbar nahesteht, nicht einfach kampflos überlassen.

In einem mehrseitigen Schreiben stellt Schläpfer seinen Göttibuben als raffgierigen Abzocker hin. So sei der Schwinger 2007 zum Abschlussabend des Eidgenössischen in Aarau eingeladen worden. Abderhalden habe aber sein Kommen von «einer erklecklichen Entschädigung» abhängig gemacht. Und drei Jahre zuvor habe der prominente Aktive beim Eidgenössischen in Luzern mit dem OK gefeilscht, weil der Muni nicht der wertvollste Preis war. Der Vorwürfe nicht genug: Dem Rigi-Schwinget habe Abderhalden abgesagt, mit der Begründung: «Wegen einem Glöggli gehe ich nicht auf die Rigi.»

Verbandsinteressen stehen an erster Stelle

Schläpfer schreibt in einem mehrseitigen Brief, dass ihm die Interessen des Verbandes wichtiger gewesen seien als «Vetterliwirtschaft in der Familie». Tatsache ist, dass Werbung und Schwingen schon immer einen Konflikt ausgelöst haben. Dass es nun zwischen ehemaligen Schwingerkönigen Schläpfer (zweimal) und Abderhalden (dreimal) zum grossen Disput gekommen ist, stellt für Branchenkenner keine Überraschung dar. Schläpfer ging in seiner Funktion als Obmann den Konfrontationen nicht aus dem Weg und eckte mit seiner hemdsärmligen Art immer wieder an. Nachfolger John gilt als diplomatischer Typ. Abderhalden seinerseits ist bekannt dafür, dass er weiss, dass man sich mit dem Schlucken von Sägemehl allein nicht ernähren kann.

So oder so hat das Schwingen in Verbindung mit dem Kommerz seine Jungfräulichkeit eingebüsst. Oder anders herum ausgedrückt: Der schnöde Mammon macht auch vor der Tradition nicht halt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2011, 10:53 Uhr

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18 Kommentare

Dan Horber

22.12.2011, 12:04 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Ob es stilvoll ist, für den Besuch des Abschlussabends eine "erkleckliche Entschädigung" zu verlangen, sie dahin gestellt. Dass Abderhalden aber seine Werbeeinnahmen nicht mit dem Verband teilen will, ist für mich absolut nachvollziehbar und legitim. Antworten


Marco Baumgartner

22.12.2011, 12:25 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Das Schwingen wird nie zum Breitensport. Entsprechend fehlt das finanzielle Potential, um eine glaubwürdige "Profiliga" zu etablieren. Die paar wenigen "Vollprofis" die die Werbeindustrie in den letzten Hype-Jahren herangezüchtet hat, haben so einen unfairen Vorteil gegenüber der breiten Masse an Amateuren. Soll der Sport nicht verschwinden, braucht es darum ein striktes Werbeverbot! Antworten



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