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Im Tal der Könige

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 23.08.2010 1 Kommentar

Kilian Wenger, der souveräne Schwingerkönig, ist am Sonntagabend in seiner Heimat Oey-Diemtigen frenetisch gefeiert worden – in Abwesenheit. Heute Abend wird das anders sein.

1/6 Das Tal der Schwingerkönige
Feier im Hirschen in Oey: Nach David Roschi 1972 kommt 2010 der «Böseste» von allen – Kilian Wenger – erneut aus dem Diemtigtal.
Bild: Manuel Zingg

   

Schon an der Strassenabzweigung in Latterbach wird «üsem Kilian» gratuliert – dem König des Diemtigtals. Und hier, im Gasthof Hirschen, feiern alle: die Kolleginnen und Kollegen des 20-jährigen Schwingerkönigs Kilian Wenger, die Älteren, der halbe Gemeinderat. Das Fernsehen nimmt ein Statement des Gemeindepräsidenten Peter Knutti auf, und die örtliche Treichelgruppe sorgt für einen ohrenbetäubenden Soundtrack. Zwei Schellen werden von Frauenhänden geschüttelt. Nein, die Glocken seien gar nicht schwer, sagt die eine junge Frau: «Lüpf!»

Ein Stiller sei er gewesen

Einigen der Burschen sieht man an, dass sie nicht nur Bierflaschen stemmen, sondern auch andere Gewichte. So etwa Hans Spring. Bevor der 24-Jährige den Schwingsport wegen Rückenproblemen an den Nagel hängen musste, hat er mit Kilian im Schwingkeller geschwungen. Und wie war Kilian Wenger als Kamerad? Ein Stiller sei er gewesen, kein Hitzkopf, erzählt Spring. Er habe sich nie über Schiedsrichterentscheide aufgeregt, sondern diese akzeptiert. «Ich mag Kilian diesen Sieg von Herzen gönnen», sagt Spring, «es war wahnsinnig, was er in Frauenfeld geboten hat.» Tatsächlich: an zwei Tagen achtmal siegen – das geht in die Schwingergeschichte ein. Eine gute Postur sei nützlich, sagt Spring, aber ein guter Schwinger brauche vor allem viel Training – und Köpfchen.

An diesem Sonntag vor genau fünf Jahren herrschte im Dorf nicht Ausgelassenheit, sondern Heulen und Zähneklappern. Das Flüsslein namens Chirel wurde von Geröllmassen gestaut und wälzte sich durchs Dorf. Inzwischen ist Oey wieder renoviert und präsentiert sich dem Durchreisenden als schmuckes Dorf mit Geranien an den Fenstern. Die ganze Schweiz wird das heute Abend im Fernsehen betrachten können, dann, wenn nochmals so richtig gefeiert wird – diesmal mit dem Schwingerkönig.

Lieber selber behalten

Den mächtigen Stier, den Lebendpreis, wird Kilian Wenger wohl nicht mitbringen. Zum einen hat der jetzige Besitzer verlauten lassen, dass er das prächtige Exemplar am liebsten behalten würde. Zudem passt der braune Koloss farblich nicht ins Tal, in dem die rötlich gescheckte Simmentaler Kuh vorherrscht. Eine steht auf der Restaurantterrasse hinter dem Tisch des Gemeinderats, doch sie ist aus Plastik.

Echt sind aber die Glocken. Und wieder läuten sie ohrenbetäubend. Ist Schwingen nur ein Sport? Nein, sagt Spring, der niemals in der Stadt leben möchte. Schwingen verbinde ihn stark mit der Schweiz und mit diesem Tal. «Hier bin ich geboren, hier möchte ich einmal sterben.» (Der Bund)

Erstellt: 23.08.2010, 10:00 Uhr

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1 Kommentar

georg fischer

23.08.2010, 11:13 Uhr
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Die Chaoten im Fussball und Eishockey wissen ganz genau was ihnen blüht falls sie auch nur ansatzweise versuchen würden, in einem Schwingstadion zu randalieren. Und das ohne Mithilfe der Polizei. Fantastisch die Atmosphäre in diesem Schwingstation, ohne Pyros,ich wünschte mir, gleiches wäre in den Fussball- und Eishockey Stadien auch möglich wo wir dringenst anfangen sollten hin-statt wegzusehen. Antworten



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