Kehrt Holyfield des Geldes wegen zurück?
In den letzten 24 Jahren soll er nach eigenen Angaben aus seinen Profikämpfen und aus der Werbung über 200 Millionen Dollar verdient haben. Wenn man den Gerüchten glaubt, ist davon allerdings nichts mehr viel übrig. Nachdem der Star im Frühling die Alimente für zwei seiner neun Kinder nicht pünktlich bezahlt hatte, wurde der Boxer vom Anwalt seiner Ex-Frau verklagt, um das ihr zustehende Geld einzufordern. Weil Holyfield nicht bezahlen wollte oder konnte, soll jetzt seine riesige Villa in Lafayette bei Atlanta versteigert werden. Holyfield will dazu nicht viel sagen, er komme nicht zurück, weil er pleite sei; er sei im Moment einfach nicht flüssig. Für das Zürcher Duell soll er noch ganze 750'000 Dollar bekommen – für so wenig hat er noch nie gekämpft.
Kann er mit Walujew mithalten?
Seine Gegenwart sieht nicht rosig aus, sonst würde er kaum noch einmal in den Ring steigen und sich – wenn es schlecht läuft – verprügeln lassen. Viele Boxexperten halten diesen Kampf für überflüssig und sportlich wertlos und geben dem Amerikaner überhaupt keine Chance, gegen Walujew zu bestehen. Ein Mann in seinem Alter gehöre ganz einfach nicht mehr in den Boxring. Dabei vergessen viele George Foremann, der mit 45 Jahren Weltmeister wurde.
Vor allem solle er aus medizinischen Gründen keinen Profikampf mehr bestreiten, ereifern sich einige Experten. Dem gegenüber steht aber der mühelos bestandene medizinische Test. In diesem wird ihm von einem Ärzteteam attestiert, über den Körper eines 35-jährigen zu verfügen. Und wer ihn in den bisherigen Trainings gesehen hat, kann sich durchaus vorstellen, dass er mit seiner Technik und Erfahrung gegen den «Russian Giant» bestehen kann.
Die glorreiche Vergangenheit
Schillernder präsentiert sich indes seine Vergangenheit. Er kann auf eine formidable Laufbahn zurückblicken. Holyfield ist als einziger Kämpfer der Boxgeschichte dreimal zurückgekehrt und viermal Weltmeister im Schwergewicht geworden. Seit 1999 konnte er zwar nur noch sechs seiner vierzehn Fights gewinnen, aber seine glorreichen Siege seiner besten Tage blieben den Boxfans weltweit in Erinnerung. Legendär sind die beiden Aufeinandertreffen mit Mike Tyson. 1996 holte sich Holyfield mit technischem K.o. als krasser Aussenseiter zum dritten Mal den WM-Titel. Der Rückkampf ein Jahr später ging wegen Mike Tysons Biss in das Ohr und der daraus folgenden Disqualifikation in die Geschichte ein.
Die ersten Gürtel als Weltmeister konnte sich «The Real Deal», so lautet Holyfields Kampfname, 1990 umschnallen. Er boxte seinen alten Rivalen und sensationellen Tyson-Bezwinger James «Buster» Douglas aus dem Ring und war damit der uneingeschränkte Champion aller wichtigen Verbände.
Mit Glauben und Willen zum Sieg?
Holyfield, ein bekennender Christ und aufgewachsen ohne Vater im Süden der USA, wollte eigentlich Footballspieler werden, bis er in der High School das Boxen für sich entdeckte. Kampfsport ohne zu leiden ist nicht möglich. So musste seine Mutter ihren Sohn immer wieder motivieren und fordern: «Nie aufgeben! Ich habe nicht jemanden grossgezogen, der aufgibt.» Genauso hält er es auch heute noch. Die Worte seiner Mutter hat er so stark verinnerlicht, dass ein neuer Grosserfolg und der Traum, noch einmal ganz oben zu stehen, durchaus Realität werden könnte.
Als Amateur hatte er 174 Kämpfe bestritten, von denen er nur vierzehn verlor. Nach dem zweiten Platz an den Panamerikanischen Spielen (1983) startete er ein Jahr später als grosser Favorit zu den Olympischen Spielen in Los Angeles. Dann die grosse Enttäuschung im Halbfinal: Er wurde wegen einem Schlag nach dem Gong, der das Rundenende markiert, disqualifiziert. Immerhin sicherte er sich als Halbfinalist die Bronzemedaille.
Damit war er bereit, ins Profilager zu wechseln, wo er zuerst im Halbschwergewicht und später im Cruisergewicht kämpfte. 1988 wagte er den Übertritt zu den «Grossen». Mit seinem Fitnesstrainer Tim Hallmark hatte er sich innerhalb eines Jahres 15 Kilo Muskeln antrainiert. Nach seinem ersten Titelkampf im Schwergewichtsboxen hatte er jedoch solche Schmerzen, dass er glaubte, sterben zu müssen. Es wäre ihm zu gönnen, dass das am Samstag nicht der Fall sein wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.12.2008, 22:01 Uhr

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