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Maulkorb für den spanischen Doping-Windhund?

Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 15.12.2010 2 Kommentare

Die Operación Galgo, die jüngste Dopingaffäre in Spanien, weist viele Parallelen mit der Operación Puerto von vor vier Jahren auf. Wird am Ende (fast) alles unter den Tisch gekehrt?

1/10 Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes steht weiterhin im Zentrum der Ermittlungen. Laut Recherchen der ARD ist er weiterhin als Dopingarzt tätig.
Bild: Keystone

   

In Spanien rauscht es wieder einmal im Dopinggebüsch. Im Rahmen der Operación Galgo (Windhund) wurden mehrere Personen verhaftet, darunter die Steeple-Weltmeisterin Marta Domínguez und der Gynäkologe Eufemiano Fuentes. Der Arzt von den kanarischen Inseln steht seit längerem im Verdacht, der beste Dopingarzt zu sein. Um Fuentes drehte sich 2006 die Operación Puerto. Weil Spanien damals aber noch kein Anti-Doping-Gesetz hatte, kam Fuentes straffrei davon.

Vor vier Jahren wurden im Kühlschrank bei Fuentes zahlreiche Blutbeutel gefunden. Ein grosser Teil konnte Athleten zugeordnet werden. Auch damals wurde der Mediziner inhaftiert. Er soll in einer ersten Einvernahme ausgesagt haben, dass nicht nur Radprofis zu seinen Kunden gehört hätten. Schon fast beleidigt hatte er sich im Sommer 2006 geäussert: Er habe auch mit Tennisspielern und Fussballern gearbeitet. Boxer, Schwimmer, Leichtathleten, Motorsportler und Ruderer wurden auch in den Dunstkreis der Verdächtigungen gezogen – ohne dass indes Namen gefallen wären. Letztlich wurden nur die Namen von 58 Radprofis, darunter Jan Ullrich und Ivan Basso, bekannt.

Codename Rosa

Die Fussballer wurde schnell ausgeklammert. Als die französische Zeitung «Le Monde» geschrieben hatte, dass Real Madrid und der FC Barcelona zum Kundenkreis von Fuentes gehörten, klagten die Katalanen mit Erfolg. Zeugen berichteten, dass bei einer Hausdurchsuchung bei Fuentes auch Blutbilder von Fussballern gefunden worden seien.

Erste Berichte, dass Fuentes wieder aktiv ist, gab es im September ausgerechnet von Jesús Manzano, der mit seinen Aussagen die Operación Puerto ins Rollen gebracht hatte. Im Gespräch mit der Sportschau der ARD behauptete der frühere Radprofi, Fuentes betreue von Gran Canaria aus wieder Radprofis. Doch Fuentes ist nicht die einzige Parallele zwischen den Ermittlungen von 2006 und jetzt. Offenbar ist ein Blutbeutel von damals mit dem Codename Rosa der Leichtathletin Domínguez zuzuordnen.

Über die 35-jährige Steeple-Weltmeisterin ist der mutmassliche Doping-Ring aufgeflogen. Sie soll andere Athleten ebenfalls mit Doping versorgt oder diese zumindest mit Fuentes in Verbindung gebracht haben, so der Vorwurf. Weitere Leichtathleten sind im Visier der Justiz. Aufgerollt werden nun die spanischen Spitzenresultate auch Mitte der Neunziger, angefangen beim Fermin Cachos 1500-m-Olympiasieg in Barcelona.

Affäre Puerto wird neu aufgerollt

Und wie vor vier Jahren tauchten rasch Gerüchte auf, dass nicht nur spanische Leichtathleten in die Affäre involviert sind. «El Mundo» portierte Aussagen eines Mitgefangenen von Fuentes. Gegenüber ihm habe der Gynäkologe geprahlt, dass WM- und EM-Titel der Spanier nichtig seien, wenn er alles erzählen würde. Die Aussagen wurden von Fuentes' Anwalt umgehend dementiert. Schon vor vier Jahren hatte der Mediziner erklärt, bedroht zu werden, ohne näher darauf einzugehen.

Im Nachgang der Operación Puerto wurde in Spanien auch von offizieller Stelle aktiv daraufhin gearbeitet, dass es keine weitergehenden Ermittlungen gibt. Offiziell, weil es keine juristische Grundlage dafür gebe. Revisionsrichter Arturo Beltrán will das Verfahren im nächsten Frühjahr wieder aufnehmen. Noch immer lagern nämlich 96 Blutbeutel im Anti-Doping-Labor von Barcelona. Doch realistischer ist, dass diese zerstört werden.

Die rechtliche Handhabe ist nun gegeben – dank der Operación Puerto. Der Crossläufer Alemayehu Bezabeh gestand schon bei der ersten Einvernahme die Einnahme von Doping. Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wie ernst es die Guardia Civil meint. Einmal mehr werden Polizisten zu Dopingjägern. Ob die Ermittler indes auch so knallhart arbeiten, wie dies zum Beispiel Jeff Novitzky von der amerikanischen Arznei- und Lebensmittelbehörde im Falle von Lance Armstrong derzeit macht, ist mehr als fraglich. Versandete die Operación Galgo wäre dies nicht die einzige Parallele mit der Operación Puerto. So haben im Moment nur die Leichtathleten ein Doping-Erdbeben zu fürchten. Die Fussballer dürften weiterhin ein Protektorat von weit oben geniessen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2010, 16:13 Uhr

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2 Kommentare

Heinz Köhli

15.12.2010, 17:12 Uhr
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Ein Protektorat geniessen nicht nur Fussballer. Die wirkliche Brisanz wird wohl auch dem "Windhund" entzogen werden und es gelangen höchstens noch lauwarme Erkentnisse an die Oeffentlichkeit. Zuschauer, Medienleute, Sponsoren etc. werden sich auf ewig am fantastischen Sp(r)itzensport ergötzen. Kaum werden Hüppi, Leclerq und Co jemals so kritisch agieren wie die Kollegen der Wirtschaftsredaktion. Antworten


René Meier

15.12.2010, 16:54 Uhr
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Erklärt solange bei jedem Sportevent die spanischen Sportler als "Persona non grata" bis alles restlos aufgeklärt ist. Antworten



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