Nach 19 Jahren: Japan hat endlich wieder einen Sumo-Champion

Fast zwei Jahrzehnte lang wurde der japanische Traditionssport von Ausländern beherrscht. Jetzt soll Kisenosato auch gegen die sinkende Popularität des Sumo kämpfen.

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Eine lange und auch etwas demütigende Wartezeit hat ihr Ende gefunden: Japan hat endlich wieder einen einheimischen Sumo-Ringer im höchsten Rang. Der 30-jährige Kisenosato ist nach seinem Sieg am Neujahrsturnier zum Yokozuna ernannt worden. Eine Ehre, die vor ihm in rund 300 Jahren erst 71 anderen Kämpfern erteilt worden ist.

Der Rang des Yokozuna wird für besondere Kampfstärke, Kontinuität der Leistungen und eine grosse Würde verliehen. Der Rang kann nicht mehr verloren werden. Es wird aber erwartet, dass ein Kämpfer zurücktritt und sich ganz aus dem Sport verabschiedet, wenn seine sportlichen Leistungen sinken.

Kisenosato gewinnt am Neujahrs-Turnier gegen Hakuho

Die Ernennung des 178 Kilogramm schweren Kisenosato ist für den japanischen Traditionssport deswegen von so grosser Bedeutung, weil zuletzt nur ausländische Kämpfer in den höchsten Rang berufen wurden. Der letzte in Japan geborene Ringer, der den Yokozuna-Rang erreicht hatte, war Wakanohana 1998. Seither dominierten Kämpfer aus der Mongolei, von Hawaii und Samoa.

Schwere Misshandlungen

Sumo durchlebt aber nicht nur deswegen eine schwierige Phase. Der Sport ist in den letzten Jahren durch Doping, angeblich abgesprochene Kämpfe und schwere Misshandlungen von Kämpfern in Verruf geraten. 2009 wurde gar ein Trainer zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, weil er anderen Ringern befohlen hatte, einen jungen Kämpfer zu schlagen. Der Nachwuchsmann starb danach an den Verletzungen.

In Japan ist die Zahl der Sumo-Anwärter in jüngerer Vergangenheit nicht nur wegen dieser Geschichte gesunken. Das Leben eines Sumo-Ringers ist hart. Er verbringt seine Zeit in einem eng geführten «Stall», wo er trainiert, isst und schläft. Die Trainer sind bekannt dafür, dass sie mit ihren Untergebenen besonders hart umgehen.

Sumo-Ringer sind moralische Rollenbilder

Und selbst wer es in die hohen Ränge schafft, kann das strenge Regime nicht verlassen. Von bekannten Ringern wird erwartet, dass sie als Rollenbilder hohen moralischen Standards genügen. Tun sie das nicht, ist ihnen die öffentliche und scharfe Kritik sicher.

Kisenosato hat sich von all dem nicht abschrecken lassen. «Mit grosser Bescheidenheit», akzeptiere er seine Ernennung zum Yokozuma, sagte der 30-Jährige in seinem Stall, «ich werde grosse Hingabe zeigen und versuchen, den Titel des Yokozuna nicht zu entehren.»

Nebst Kisenosato, der mit bürgerlichem Namen Yutaka Hagiwara heisst, sind noch drei weitere Yokozuna aktiv: Hakuho, Harumafuji und Kakuryu. Sie alle stammen aus der Mongolei. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2017, 11:43 Uhr

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