Ohne starke Schweizer keine Zukunft
Von Martin Born. Aktualisiert am 21.12.2009 2 Kommentare
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Zürich hat dem Trend aus Deutschland widerstanden. Mit der Unterstützung der Urner, die Bruno Risis Schweizer Abschiedsrennen und -sieg nicht verpassen wollten, machten sie das 53. Zürcher Sechstagerennen zum Erfolg. Im Gegensatz zu Stuttgart und Dortmund, die bereits kapituliert haben, aber wohl auch zu München und Bremen, wo Sponsoren ausgestiegen und/oder die Zuschauer nicht mehr gekommen sind, wird es im Hallenstadion auch im kommenden Jahr oder vielleicht sogar in den nächsten Jahren ein Sechstagerennen geben. Die Mischung aus Sport, Show und Ausstellung ist angekommen. Am Freitag und Samstag erinnerten Gedränge und Stimmung an die guten alten Zeiten. Mit insgesamt 22 219 zahlenden Zuschauern wurden die Erwartungen übertroffen.
Es bleiben Fragen, die nur schwer zu beantworten sind: Welchen Anteil hatte der Sport an diesem Erfolg? Und welchen die alles überstrahlende Persönlichkeit von Bruno Risi? Kamen die Leute, weil sie dessen blonde Haare flattern sehen wollten? Weil seine dynamischen Vorstösse keinen unberührt lassen? Weil es sein Abschied war? Wie wird es sein ohne den Urner und seine Fans? Genügt es, wenn Schweizer brillieren und um den Sieg kämpfen, auch wenn sie nicht Risis Ausstrahlung haben? Genügt die Faszination der Dynamik des Rundenwirbels, der Akrobatik im Durcheinander der Ablösungen, des Tempos bei den Rundensprints?
Stars fallen nicht vom Himmel
Klar ist, dass die Zürcher Sixdays ohne starke Schweizer keine Zukunft haben können. Risis und auch Marvullis fallen nicht vom Himmel. Sie müssen gefördert werden. Sie müssen eine Chance sehen im Bahnrennsport. Olympische Spiele und die Möglichkeit, bei Sechstagerennen als Profifahrer Geld zu verdienen, müssen verlockende Ziele sein.
Seit Daniel Gisiger als Bahntrainer engagiert wurde, hat sich einiges getan. Die Nachwuchsförderung ist angelaufen und zeigt erste Erfolge. Der schnelle Tristan Marguet sowie Claudio Imhof und Silvan Dillier, die das Nachwuchsrennen so deutlich dominierten wie vor 20 Jahren Bruno Risi und Kurt Betschart, können die nächsten Aushängeschilder werden, Franco Marvulli und Alex Aeschbach schon bald wirkungsvoll ergänzen (oder gar verdrängen).
Kernstück des Förderungskonzepts ist der Bahnvierer. Mit ihm wird mit einem langfristigen Programm die Olympiaqualifikation angestrebt. Nach den ersten beiden Jahren mit einem Nachwuchs- und einem Junioren-Vierer wurden die Zwischenziele erreicht. Das Feuer brennt. Wenn ein halbes Dutzend Fahrer eine reelle Chance sehen, bei Olympia dabei zu sein, entsteht eine Sogwirkung.
Unbegreifliche Botschaft
Umso unbegreiflicher ist die Botschaft, die Swiss Olympic den Kollegen von Swiss Cycling in diesen Tagen überbracht hat. Sie will dem von Finanzsorgen geplagten Verband, der jährlich 300'000 Franken Schulden zurückbezahlen muss, die Mittel für die Bahn streichen. Das bedeutet: Wenn es nicht gelingt, für den Vierer einen Sponsor zu finden - wie 1980, als Robert Dill-Bundi dank dem Viererprojekt von Adia Interim Olympiasieger in der Verfolgung wurde -, stirbt das schöne Projekt. Was auch die Veranstalter und Sponsoren der Zürcher Sixdays nicht kalt lassen kann. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.12.2009, 07:55 Uhr




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