Sport

Tourismus und Skiindustrie drängen auf frühen Saisonstart

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 22.10.2009

Am Wochenende startet die alpine Skisaison in den Winter. Die Gewinner stehen schon vor den Riesenslaloms im österreichischen Sölden fest: der Tourismus und die Industrie.

Ski-Opening in Sölden: Alle profitieren davon.

Ski-Opening in Sölden: Alle profitieren davon.

Wie doch die Zeit vergeht: 1993 wurde die Idee, den saisonalen Auftakt der Alpinen mit einem Weltcup-Event in Sölden zu kombinieren, erstmals umgesetzt. Und seit dem Jahr 2000 kommt das ehemalige Bergbauerndorf im Ötztal in den Genuss, die Skisaison im Oktober zu eröffnen – auf dem Rettenbachgletscher in über 2500 Metern Höhe.

Ausgetragen wird ein Riesenslalom der Frauen (Samstag) und der Männer (Sonntag). Das Ski-Spektakel in der 3500-Seelen-Gemeinde läutet die Saison ein, die mit den olympischen Wettbewerben rund um Vancouver den sportlichen Höhepunkt hat. Der Gletscher-Prolog auf Söldner Boden hat mittlerweile schon einen fast traditionellen Status erlangt, trotz gelegentlich aufkommender Kritik, dass der Anlass zu früh im reich beladenen alpinen Terminkalender kommt. Nach Sölden gibt es eine dreiwöchige Pause, der Ski-Tross findet erst wieder am 15. November im finnischen Levi zusammen, zwei Wochen später reisen die Fahrerinnen und Fahrer nach Übersee, wo sich dann die Rennen Schlag auf Schlag folgen.

Eine Skiparty mit kulturellem Abschluss

Lange Zeit war der Auftakt der Saison 2009/10 in Gefahr. Es herrschte auch in Sölden Schneemangel. Die kostbaren Flocken fielen aber doch noch vom Himmel, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die professionellen «Wetterfrösche» sagen angenehme klimatische Bedingungen voraus – einem Skifest im Partyort steht eigentlich nichts im Weg.

Für die Elite auf den schmalen Brettern stellt die Veranstaltung zumindest eine sportliche Standortbestimmung vor dem Olympiawinter dar. Die Gewinner auf wirtschaftlicher Seite stehen aber schon vor der sportlichen Ausmarchung fest: Es sind die Ortschaft und die Region sowie die Skiindustrie. «Dieser Auftakt ist nicht nur für Sölden wichtig, sondern für ganz Tirol. Die Partner in den anderen Gletscherregionen bestätigen, dass auch bei ihnen das Geschäft dann anläuft», erklärt Mitorganisator Ernst Lorenzi der «Wiener Zeitung». Die Hotels mit vier oder noch mehr Sternen seien schon fast ausgebucht, billigere Zimmer seien aber immer noch zu haben.

Eine wunderbare PR-Aktion

Schlaf ist ohnehin ein Symptom, was im Jubel-Trubel-Mekka verpönt ist. Dass mit dem beliebten Sänger Wolfgang Ambros, dem Bob Dylan Österreichs, am kommenden Montag eine nationale Grösse ein Open-Air-Konzert gibt, motiviert selbst kulturelle Kreise, den Trip ins Ötztal zu unternehmen. Nach dem Sport also noch ein musikalisches Häppchen – die lokalen Tourismusverantwortlichen verstehen ihr Handwerk. Bereits haben zahlreiche Promis und Adabeis ihr Erscheinen für die beiden Events aus Sport und Kultur angekündigt.

Gut zu wissen, dass sich die Gemeinde mit mehr als zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr und 15'000 Gästebetten nach Wien und Salzburg als der drittstärkste Tourismusplatz Österreichs präsentiert. Ein Ausfall der Rennen dagegen wäre für Sölden und seine Bewohner ein herber Rückschlag. Tausende von mehr oder weniger lauten Fans werden die saisonale Einstimmung begleiten. TV-Bilder aus der Berglandschaft flimmern in die Pantoffelkinos zahlreicher Länder – kurzum: eine wunderbare PR-Aktion für Sölden und das Tirol.

Eine Präsentation für die Ski-Hersteller

Doch nicht nur der Tourismus profitiert und verdient unter dem Deckmantel «alpiner Skisport». Schliesslich können auch die diversen Skihersteller ihre neusten Bretter, welche die Welt bedeuten, schon einmal einem breiten Publikum präsentieren und das Weihnachtsgeschäft ankurbeln. Diese Möglichkeit gehört zu den Instrumenten der freien Marktwirtschaft und ist für die Hersteller, die wegen der Wirtschaftsflaute zuletzt arg gelitten haben, mehr als nur willkommen.

Und schliesslich ist auch der Internationale Ski-Verband (Fis) happy, wenn Industrie und Tourismus zufrieden sind. Sport ist Business, Business ist Sport – diesen Zusammenhang haben die alpinen Funktionäre schon immer verstanden.

Wer letztlich am Stockerl steht, spielt da keine so grosse Rolle. Hauptsache, der Euro rollt – Ski heil! (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2009, 13:07 Uhr

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