Und die Fans bleiben wütend zurück

Von St. Louis nach Los Angeles – das Footballteam der Rams hat über Nacht die Stadt gewechselt. Das hat in Nordamerika Tradition. Trotzdem ist der Ärger der Anhänger riesig.

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Für Sportfans in Europa ist es undenkbar, in Nordamerika hat es Tradition: dass Teams einfach so ihre Stadt verlassen und sich anderswo ansiedeln. In einer anderen Stadt, einem anderen Bundesstaat, Tausende von Kilometern entfernt. Wenn an einem anderen Ort das Stadion oder die wirtschaftliche Liga nicht mehr den Ansprüchen der Eigentümer genügen, wird kurzerhand gezügelt. Und die Fans bleiben wütend und frustriert zurück.

Die Los Angeles Lakers und Dallas Stars, Indianapolis Colts oder San Francisco Giants – sie alle waren früher an anderen Orten heimisch. In Minneapolis, Baltimore und New York.

In der Nacht auf Mittwoch ist es wieder einmal passiert. Die Footballer der St. Louis Rams haben von der NFL grünes Licht erhalten für ihren Umzug an die Westküste – schon ab September werden sie als Los Angeles Rams auf Touchdownjagd gehen und 2019 im Vorort Inglewood ein über 2,5 Milliarden Dollar teures Stadion beziehen. Die Rams hatten schon einmal in Los Angeles gespielt, ehe sie 1995 nach St. Louis gingen. Nun also die Rückkehr. 2500 Kilometer trennen die beiden Städte.

Mit 30:2 Stimmen ein klares Verdikt

Der Umzug schürt die Emotionen. In Los Angeles wie in St. Louis. Doch während in der Filmmetropole die Fans aus Freude auf die Strasse gingen und mit farbigen Plakaten die Rückkehr ihrer Rams feierten, sind bei den Anhängern im Mittleren Westen vor allem Ärger und Desillusion auszumachen. Gleich nach Bekanntwerden der Entscheidung, gefällt mit 30:2 Stimmen von den 32 NFL-Eigentümern bei einem Meeting in Houston, erschienen Fans vor dem Rams-Stadion in St. Louis, um zu protestieren.

«Das ist der Horror. Als ob dir jemand mit der Faust richtig fest in den Bauch rammt», zitiert der entsandte Reporter der «Los Angeles Times» Fan Jack Stapleton. Schon 1988 hatte die Stadt eine Footballmannschaft verloren, als die Cardinals nach Arizona zügelten. «Dabei ist St. Louis eine grossartige Sportstadt», fügt Stapleton an. Ihr bleiben die Baseballer der Cardinals und die NHL-Franchise der Blues.

Was machen die San Diego Chargers?

Rams-Eigentümer Stan Kroenke wollte weg aus der Stadt am Westufer des Mississippi, weil er sich mit der Stadt nicht über ein neues Stadion einigen konnte. Der Edward Jones Dome, erbaut 1992, genügte den Ansprüchen der Liga und des milliardenschweren Unternehmers nicht mehr. Und weil Kroenke ohnehin seit vielen Jahren mit Los Angeles verbunden ist und in den Hollywood Hills eine Villa besitzt, dachte er, «es wäre fantastisch, dort auch ein Team zu haben». Bemühungen von Privatinitiativen in St. Louis, doch noch irgendwie das Geld für einen Neubau zusammenzubekommen, ignorierte er.

Für die NFL ist es der erste Umzug eines Teams seit demjenigen der Houston Oilers 1997 nach Nashville. Und kaum der letzte: Die San Diego Chargers haben von der Liga ebenfalls die Erlaubnis erhalten, sich den Rams anzuschliessen und die Stadt zu wechseln. Ein Jahr haben sie Zeit, diese Option wahrzunehmen. Sollten sie doch noch ablehnen, kämen die ebenfalls abwanderungswilligen Oakland Raiders zum Zug.

Die Tirade gegen den Teambesitzer

«Es ist ein bittersüsser Tag, und ich kann die Emotionen verstehen», sagte Rams-Besitzer Kroenke noch, nachdem die Liga seinem Gesuch zugestimmt hatte – doch blicken lassen braucht er sich in St. Louis nicht mehr. «Wie einen nervigen, jaulenden Hund wurde St. Louis beiseite getreten – von inkompetenten Schurken», wütete der Kolumnist des Lokalblatts «St. Louis Post Dispatch». Und fügte mit Blick auf NFL-Commissioner Roger Goodell an: «Goodell, du verpfuschtes Etwas, du hast von Integrität keine Ahnung.»

In Los Angeles ist die Gemütslage natürlich eine andere. Nach 21 Jahren ohne NFL-Team kehrt die wichtigste Liga der USA zurück in die zweitgrösste Stadt und wird in Inglewood eine Arena beziehen, die ihresgleichen sucht. Wie es sich für das protzige L.A. gehört. Bis es so weit ist, werden die Rams allerdings wie früher schon im altehrwürdigen Memorial Coliseum spielen, einer legendären Arena, die sie liebevoll The Grand Old Lady nennen. 1967 fand hier die allererste Superbowl statt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2016, 16:11 Uhr)

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