«Weltweit ist nur noch Federer mental so stark wie Röthlin»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 02.08.2010
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«Und schon gar nicht als 35-Jähriger», fährt er fort. Der Vertrauensarzt von Martina Hingis hatte einst auch schon die Profis der Grasshoppers und des FC Zürich betreut. Auch in der Leichtathletik-Szene hat der Zürcher seine Erfahrungen gemacht. Er war während Jahren Kaderarzt der Schweizer Nationalmannschaft gewesen. «Meinen letzten Auftritt hatte ich 1991 an den Weltmeisterschaften in Tokio», erinnert er sich.
«Werner Günthör hatte damals nach seinem EM-Gold von Stuttgart in Japan seinen zweiten von insgesamt drei Weltmeistertiteln gewonnen», sagt Bühlmann. Er zieht gleich einen Vergleich zu Röthlin. «Werni war ebenfalls mental bärenstark», erinnert er sich. Er habe wie Röthlin just auf den Punkt Höchstleistungen abrufen können. Bühlmann weilt zurzeit in Budapest, wo er sein Buch «The Secret of Tennis» vorstellt.
Röthlin kühlt sich aus dem Eisfach
Doch auch von der Leichtathletik ist der Arzt und Buchautor immer noch fasziniert. Am 18. August ist er beim Meeting Weltklasse in Zürich als Ehrengast eingeladen. «Der Marathon ist wohl der brutalste Wettbewerb, den es überhaupt gibt», sagt Bühlmann. Röthlin sei mit seiner Willensstärke auch ein absolutes Vorbild für alle anderen Sportarten. «An seinem Beispiel sieht jeder Profi, was psychisch und physisch überhaupt möglich ist», erklärt er. «Röthlin kann beissen und leiden», lobt Bühlmann. Röthlins Vorbereitung auf Barcelona sei vorbildlich gewesen.
«Er pflegt die Details. Seine Unterarm-Stulpen, die er nach vier Kilometern weggeworfen hat, kommen tiefgekühlt aus dem Eisfach», weiss Bühlmann. Unter seinem Trikot trage er Schokoladetafel-grosse Kühlelemente. «Damit kann er seine Körpertemperatur so lange wie möglich tief halten», erklärt der Mediziner. Diesen Trick hätten auch einige Rennfahrer an der Tour de France angewandt. Die Velorennfahrer drückten sich das Eis vorwiegend auf den Nacken.
Auch Federer hat sich von zwei schweren Krankheiten erholt
«Für mich ist Röthlin einer der grössten Sportler, die die Schweiz je hatte», so Bühlmann. Von den aktuellen Athleten sei weltweit nur noch Roger Federer so stark wie Röthlin. Federer habe sich einst vom Pfeifferschen Drüsenfieber und von einem schweren Lungeninfekt erholt. «Die Schweiz kann auf diese beiden Weltstars stolz sein», freut sich Bühlmann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.08.2010, 16:42 Uhr

