Die Angst der Ballsportler vor Steffi Buchli

Der Wechsel von SRF-Moderatorin Steffi Buchli zum UPC-Sender Mysports sorgt für Verunsicherung. Welchen Einfluss hat sie auf das Programm?

Wechselt vom SRF zum neuen Sportsender von UPC: Moderatorin Steffi Buchli. (Urs Jaudas)

Wechselt vom SRF zum neuen Sportsender von UPC: Moderatorin Steffi Buchli. (Urs Jaudas)

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Freude herrscht bei den Funktionären der Schweizer Hallensportarten – eigentlich. Endlich haben sie Aussicht auf eine würdige Plattform im Fernsehen. Bei Mysports, dem neuen Sportsender von UPC. Handball, Unihockey, Volleyball, Basketball – sie alle sollen dort ihr Zuhause finden. «Ich war froh, dass es einen Visionär gab, der genau weiss, wie unsere Sportart nach vorne gebracht werden kann», sagt Stav Jacobi, Präsident von Volero Zürich, dem Seriensieger im Frauenvolleyball, der besonderes Interesse an der TV-Präsenz seines Clubs hat.

Nun sind die Gefühle anders. Es herrscht Unsicherheit. Der Grund ist ein erfreulicher für UPC, ein PR-Coup, der dem Sender gelang. Steffi Buchli, Sportjournalistin von SRF, wechselt zu Mysports, wie der Sender vor 18 Tagen mitteilte. Eine Frau, die genauso profiliert ist, wie sie polarisiert. Dem Sender waren Aufmerksamkeit und Moderationskompetenz gewiss wie noch nie.

Doch: Buchli ist eben nicht nur Moderatorin, sie wird in der neuen Produktionsstätte in Erlenbach auch das Programm planen. Und tritt damit dem bisherigen starken Mann ins Gärtchen: Roger Feiner. Er, von Jacobi «Visionär» genannt, hat in den vergangenen Jahren das Fundament für den Sender gelegt, Journalisten eingestellt, Rechte eingekauft und Sendungen ausgetüftelt. Nur vier Monate vor dem Sendestart wird nun eine Programmleiterin eingestellt.

Bildstrecke – Steffi Buchli wechselt Anfang Juni vom SRF zu UPC.

Buchli ist nicht Feiner unterstellt, sondern direkt CEO Eric Tveter. Feiner führt die Verhandlungen nicht mehr selbst, sondern in Koleitung mit Matthias Krieb. In der Branche ist von einer «mittleren Entmachtung» die Rede. Feiner will sich «aus persönlichen Gründen» nicht äussern. UPC sagt, Buchli entlaste ihn auf der Programmseite, Feiner kümmere sich um die TV-Rechte. Parallelen zu seiner Teleclub-Zeit sind aber unübersehbar. Der Jurist hat den Swisscom-Sender aufgebaut, galt als Pionier in der Branche und verliess den Kanal, als Claudia Lässer ihm – ebenfalls als Programmleiterin – vor die Nase gesetzt wurde.

«Alles hängt nun in der Luft»

Die Rochade bei Mysports überrascht und betrifft eben auch den Schweizer Sport. Feiner hat in den vergangenen Monaten mit den Vertretern von Handball, Unihockey, Volleyball und Basketball Verhandlungen geführt. Diese sind nun offenbar ins Stocken geraten. «Seit einigen Wochen ist die Kommunikation abgebrochen. Wir wissen nicht, wo wir im Rennen stehen. Alles, was bis jetzt verhandelt wurde, hängt nun in der Luft», sagt Jacobi, der damit liebäugelt, dass künftig Voleros Champions-League-Spiele, die Club-WM und Meisterschaftspartien vom Sender produziert und übertragen werden.

Beim Unihockeyverband tönt es ähnlich. «Gerne hätte ich Fakten auf dem Tisch», sagt Daniel Bareiss, der Zentralpräsident. «Der Wechsel in der Programmleitung ist ein Grund, wieso wir noch keine konkrete Offerte haben. Es ist aber legitim, dass sich Steffi Buchli erst einarbeiten und dann mitreden will, wie das Programm aussehen soll.»

Buchli arbeitet derzeit noch bei SRF und wird erst Anfang Juni bei UPC ihre neue Stelle antreten, weshalb sie sich nicht zur Sache äussern will. Es meldet sich Bernard Strapp, der Mediensprecher des Senders: «Wir sind überrascht von den Reaktionen. An unserem Vorgehen hat sich nichts geändert. Wir sind seit Monaten mit verschiedenen Vereinen und Ligen in Kontakt, um mögliche Kooperationen zu besprechen.» Für Bareiss ist das zu wenig: «Wir brauchen jetzt Klarheit. Wir müssen mit der Saisonplanung vorwärtsmachen.» Diese Woche führte er noch einmal Gespräche mit dem Sender. Was diese ergeben haben, will Bareiss zwar nicht sagen. Klar ist aber, dass die Unihockeyaner noch diese Woche – sprich heute – bekannt geben, ob es eine Zukunft mit Mysports gibt oder nicht. Denn: Sie haben im Gegensatz zu den anderen Sportarten eine weitere Option, «die mindestens gleich gut ist», wie Bareiss vielsagend anmerkt. Und: «Hätten wir nur das Angebot von UPC gehabt, hätten wir uns auch Gedanken machen müssen. Das Risiko war da, dass nun nicht mehr auf unsere Sportart gesetzt wird.»

Sorgen dieser Art quälen Jürgen Krucker nicht. Der CEO des Handballverbands ist sicher, dass die Verträge mit Mysports bald unterzeichnet werden. «Die Verhandlungen sind quasi abgeschlossen», sagt er. Krucker, der als Erster der vier Hallensportart-Vertreter Kontakt mit dem Sender aufnahm, schiebt das Andauern der Gespräche auf einen noch laufenden Vertrag mit der SRG.

Springt Unihockey ab?

Tatsächlich ist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft ein wichtiger Player. Sie hat sich die Exklusivrechte für alle entscheidenden Spiele der vier Indoor-Sportarten gesichert und überträgt diese auf ihrer Website. Der Kontrakt läuft noch ein Jahr. Deshalb sitzt Mysports mit der SRG derzeit zusammen. Aus dem Umfeld der Verhandlungen ist zu erfahren, dass der öffentlich-rechtliche Sender dem privaten und den Randsportarten keine Steine in den Weg legen will. Auch Werner Augsburger, Geschäftsführer von Swiss Volley, sagt: «Die Zeichen sind positiv, dass eine Parallellösung möglich ist.» Will heissen: Der Vertrag mit der SRG soll bestehen bleiben und ein neuer mit Mysports geschlossen werden können.

Das Ziel von Augsburger, der auch im Verwaltungsrat von Indoor Sports sitzt: «Von jeder Sportart sollen während der Qualifikation 20 Partien übertragen werden plus Playoff- und Cupfinals. Es wäre eine tolle Geschichte, wenn alle vier Sportarten gemeinsam eine Lösung finden würden.» Doch sollten die Unihockeyaner heute kommunizieren, dass sie bei einem anderen Sender untergekommen sind, würde sich die Ausgangslage noch einmal ändern.

Beim Basketballverband wiederum sieht man keinen Grund zur Eile. Es seien zwei Gespräche mit Mysports geführt worden, sagt Präsident Giancarlo Sergi. Pikant: 30 Meter neben dem Verbandsbüro hat UPC-Konkurrent Teleclub sein Westschweizer Domizil – in der Deutschschweiz fristet der Sport ein Schattendasein. Und der Bezahlsender will künftig auf die Hallensportarten setzen.

Die ursprüngliche Überlegung von Mysports war simpel. Um den Sender mit Inhalt zu füllen, kaufte Feiner die Rechte am Schweizer Eishockey. Es ist das Flaggschiff. Doch für die Zeit ohne Eishockey braucht es weiteren Stoff. Die vier Sportarten sind attraktiv, weil sie in der Schweiz verteilt mehr als 100'000 Mitglieder haben – ein solides Fundament für regelmässige Zuschauer. Die Sportarten sind derweil weniger an Geld interessiert. Wie sagt Sergi, der Basketball-Verbandspräsident: «Wir wollen schlicht eine grösstmögliche Präsenz im Fernsehen.» Ob es die bei Mysports geben wird? Derzeit weiss das niemand so recht.

Video – so kennen wir Steffi Buchli:

Die TV-Frau wurde an Olympia in Rio vom Winde verweht, reagierte aber souverän. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2017, 06:35 Uhr

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