Das letzte Mal Weltklasse in der Schulhalle

Volero Zürich schlägt Aesch-Pfeffingen 3:2 und gewinnt die Finalserie 3:0. Nach dem 12. Meistertitel in 13 Jahren kommts zum grossen Schnitt.

Alessia Rychljuk verlässt Volero nach dieser Saison. Foto: Thomas Delley (Keystone)

Alessia Rychljuk verlässt Volero nach dieser Saison. Foto: Thomas Delley (Keystone)

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Noch einmal stellt sich Silvija Popovic hinter den Ball, passt Bojana Zivkovic zielgenau hinter sich, steigt Foluke Akinradewo dort, im Rücken der Zuspielerin in die Höhe und drescht auf den Ball ein, als wollte sie ihn zum Platzen bringen. Er schlägt auf dem Boden auf. Es ist geschafft für Volero Zürich, 3:2, Sieg, wenn auch für einmal kein ganz so glanzvoller.

Es ist der dritte in diesem Best-of-5-Final gegen Aesch-Pfeffingen, der 12. Meistertitel in 13 Jahren, das 12. Double in 13 Jahren. Wieder haben die Zürcherinnen kein einziges Spiel verloren, in der ganzen Saison, bei 185 Triumphen in Serie ist es mittlerweile angekommen in Cup und Meisterschaft, dieses Überteam im Schweizer Frauenvolleyball.

Die Spielerinnen hüpfen auf dem Podest, es regnet goldene Schnipsel in der Halle, in der ein solches Team eigentlich nichts zu suchen hat, in dieser Schulhalle Im Birch in Oerlikon, die sie für diesen Abend mit ein paar violetten Plachen, mit übergrossen Wimpeln und riesigen Plakaten hergerichtet haben für die 450 Zuschauer.

Drei Jahre lang war das für sie die Heimat: für Dobriana Rabadzhieva, die beste Abwehrspielerin der Champions League, für Alessia Rychljuk, Jahr für Jahr unter den effizientesten Angreiferinnen der Königsklasse, für Ekaterina Orlowa, die zweitbeste Blockerin Europas, oder für Foluke Akinradewo, nicht nur in diesem letzten Spiel der NLA-Saison der grosse Star des Teams. Sie alle sind an diesem Abend ein letztes Mal für ein Spiel nach Oerlikon gekommen, es endet eine Ära.

Drei Jahre lang hat Präsident Stav Jacobi alles dafür getan, dass sein Team nicht nur national, sondern auch international zum Mass aller Dinge wird. Er tüftelte an der besten Mischung, er holte Spielerinnen, die zu den Besten ihres Fachs gehören, die Ausgaben stiegen, das Budget betrug in dieser Saison über drei Millionen Franken, mehr als fünfmal so viel, wie Finalgegner Aesch-Pfeffingen zur Verfügung hat.

Einnahmequellen fallen weg

Aufgegangen ist der Plan nicht, alle dreimal war noch vor dem Finalturnier der besten vier Teams der Champions League Schluss. Immerhin gab es 2015 Bronze an der Club-WM und hat das Team ab dem 9. Mai in Kobe nochmals die Möglichkeit, in diesem Wettbewerb um Medaillen zu kämpfen. Dieser ist zwar weniger prestigeträchtig als die Champions League, ein versöhnlicher Abschluss wäre es aber alleweil, würde das Team zumindest auf Rang 3 kommen.

«Ich hoffe es vor allem für die Spielerinnen», sagt Jacobi. Die meisten sind über 30, das Karriereende naht, die Chancen, Pokale zu gewinnen, werden rarer. Ebenso die Chancen, viel Geld zu verdienen. Es ist einer der Gründe, weshalb Jacobi seine Weltklassespielerinnen ziehen lässt, zu Clubs, die teils deutlich mehr bezahlen. Von den 15 Volleyballerinnen bleiben nur 4: die drei Schweizerinnen Laura Unternährer, Julie Lengweiler und Gabi Schottroff sowie die serbische Libera Silvija Popovic. Zwar sind weiterhin 10 der 15 Spielerinnen bei Volero unter Vertrag und profitiert Jacobi von den Ausleihgebühren, bei 5 aber laufen die Kontrakte aus, darunter diejenigen mit Orlowa und Akinradewo.

Und sie sind nicht die Einzigen. Jacobi, der einige Spielerinnen ähnlichen Niveaus auf der halben Welt verteilt hat, sagt: «Es fallen die Hauptträgerinnen weg, zum Beispiel sämtliche Kubanerinnen, die ich bislang unter Vertrag hatte. Sie hielten Volero am Leben.» Natürlich ist das etwas übertrieben. Vor allem hält der 50-Jährige den Club am Leben. Aber diese Spielerinnen sind oder waren seine Haupteinnahmequelle, und die sprudelt nun eben deutlich weniger stark.

Auch deshalb will Jacobi ab nächster Saison andere Wege gehen, vor allem junge Spielerinnen holen, das Budget soll halbiert und damit die Sorgen des Präsidenten kleiner werden. Das Betreuerteam um den serbischen Nationaltrainer Zoran Terzic aber soll bleiben.

Und dass es für Volero auch künftig goldene Schnipsel regnen wird, davon ist auch in Neubesetzung auszugehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2017, 22:36 Uhr

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