Die Herausforderung in der zweiten Heimat

Olympiasieger Nino Schurter startet mit langfristigen Absichten zur Cape Epic.

Training im Winter: Nino Schurter besitzt eine Eigentumswohnung unweit von Kapstadt.

Training im Winter: Nino Schurter besitzt eine Eigentumswohnung unweit von Kapstadt. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Nino Schurter ist fünffacher und aktueller Weltmeister. Nino Schurter hat schon viermal den Gesamtweltcup gewonnen. Vor allem aber ist Nino Schurter seit vergangenem August Olympiasieger. Kurz: Was es im Mountainbikesport an grossen ­Auszeichnungen zu gewinnen gibt, hat Schurter gewonnen.

Wann würde er in das Loch fallen? In diesen Zustand der Schwerelosigkeit, in dem ein Spitzenathlet sein eigenes Tun hinterfragt, seine Zukunft, jetzt, da keine grossen Ziele mehr zu erreichen sind? Schurter wartete und wartete, doch der Boden unter ihm ging nie auf. Das überraschte ihn selber. «Es gab auch nie Motivationsprobleme», sagt er. Klar, die Saison­vorbereitung ist er nicht ganz so konsequent angegangen wie noch vor einem Jahr, als er jedes Gramm abwog, auf dem Teller wie an seinem Bike.

Vielleicht liegt es daran, dass er sich schon länger mit seiner Zukunft auseinandergesetzt hat. Der neue Vertrag, den er bei seinem langjährigen Teamchef Thomas Frischknecht unterschrieb, läuft erneut über vier Jahre, bis Ende 2020. Bis zu den Spielen in Tokio will er also sicher weitermachen. «Bis dahin bin ich Biker», sagt er. Zugleich gehen ihm seit der Rückkehr aus Brasilien auch andere Gedanken durch den Kopf. «Was wird danach einmal kommen? Was will ich noch erreichen, was machen wir nachher?» Konkrete Antworten darauf hat er noch keine gefunden. Oder zumindest keine, die er öffentlich formulieren mag.

Wohnung in Südafrika

Im Gegensatz zu den sportlichen Herausforderungen, da ist er fündig geworden – wider Erwarten, muss man angesichts seines ­Palmarès schon fast anmerken. Wie in jeder Sportart gibt es auch bei den Mountainbikern Wettkämpfe, welche in der Szene mit viel Prestige verbunden sind, auch wenn es dabei kein Gold zu gewinnen gibt. Bei den Bikern ist das Cape Epic so ein Wettkampf. Das einwöchige Etappenrennen in Süd­afrika hat längst Kultstatus erlangt.

Die Biker lieben Südafrika nicht nur wegen des Rennens, sondern generell als Trainingsregion im Winter. Schurter entschied sich deshalb vorletzten Winter zum Kauf einer Eigentumswohnung in Stellenbosch, unweit von Kapstadt. Das Cape Epic bestritt der 30-Jährige schon dreimal. Er sah es aber stets als aussergewöhnliche Saisonvorbereitung, trat nie mit Siegesabsichten an. Das hat sich geändert, und davon zeugt – auch wenn das paradox klingt –, dass er sich auch heuer nicht als Sieganwärter sieht. ­Vielmehr nimmt er die diesjährige Ausgabe, die gestern mit dem Prolog begann, als grossen Testlauf.

Das Etappenrennen wird in Zweierteams bestritten, und mit Matthias Stirnemann hat Schurter bei Scott-Sram einen neuen, fünf Jahre jüngeren Teamkollegen, der ihn zu fordern vermag. Und mit dem Schurter glaubt, 2018 das Rennen gewinnen zu können. Stirnemann ist ein Cape-Epic-Debütant, soll heuer seine Besonderheiten kennen lernen, wie die weiteren Teamkollegen Michiel van der Heijden und Andri Frischknecht. Denn das Cape Epic lässt sich nur noch gewinnen, wenn man auf ein fast ebenbürtiges Back-up-Team zählen kann. Van der Heijden und Frischknecht fahren quasi als Ersatzteillager mit, sollte Schurter oder Stirnemann ein Defekt ereilen.

Der Teamleader erläutert diese Details – vergisst auch nicht, zu erwähnen, dass auch Etappensiege drinliegen sollten diese Woche. «Und wenn es uns gut läuft, könnte auch ein Podestplatz ein Thema werden.» So viel Ehrgeiz muss als Olympiasieger schon sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2017, 21:34 Uhr

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