Cuche verdient 176'500 Franken in zwei Tagen
Artikel zum Thema
Stichworte
Nur eine Cuche-Gondel
Bei der Hahnenkammbahn in Kitzbühel ist jede Gondel einem Gewinner der legendären Rennen auf der Streif gewidmet. In der Kabine sind Name, Herkunftsflagge und Kurzinformation zu den Rennsiegen eingraviert. Und so fahren sie alle hintereinander den Berg hinauf: Pirmin Zurbriggen, Franz Heinzer, Didier Cuche. Schade, dass jeder Sieger in Kitzbühel nur eine Gondel besitzen darf – sonst hätte der vierfache Kitz-Triumphator Cuche bald eine eigene Gondelbahn
Am Samstag ist Cuche mit der Gondel von Hermann Maier hochgefahren. Auf seine eigene mochte er nicht warten. tww
Sportler werden an Siegen gemessen, aber nicht nur. Wirkliche Stars müssen neben Trophäen auch die Herzen ihrer Fans gewinnen. Dazu braucht es Persönlichkeiten, Typen wie Didier Cuche. Dass der Romand in der Wahl zum Sportler des Jahres einen Roger Federer in der Gunst der Bevölkerung hinter sich lassen konnte, liegt nicht allein in seinen Leistungen begründet. Cuche, der unerschrockene und sensible Kämpfer, hat sich die Anerkennung auch aus anderen Gründen geholt. Cuche lebt seine Emotionen aus, er kommt mit seiner Art an, beim Publikum im In- und Ausland genauso wie bei seinen Gegnern.
Die Szene an der Pressekonferenz nach Cuches Abfahrtssieg war bezeichnend. Der drittplatzierte Südtiroler Werner Heel meldete sich ungefragt zu Wort und wollte festgehalten haben, was für ein grosser Sportler der Schweizer sei. Keiner sei so freundlich wie Cuche. «Bei ihm», so Heel, «bekomme ich immer einen guten Ratschlag.» Cuche nahm das Lob dankend an, hatte aber sofort eine witzige Antwort bereit: «Das war das letzte Mal, dass du von mir einen Tipp bekommen hast...»
Cuche spendet für Haiti
Der Doppelsieg in Kitzbühel liess bei Cuche die Kasse gehörig klingeln. Zu den 73'500 Franken Sieggeld für den Super-G kamen am Samstag weitere 103'000 in der Abfahrt. 30'000 davon werden für die Hilfe der Erdbebenopfer in Haiti gespendet – auch das ist typisch Cuche. Der Romand war der grosse Abräumer, und zumindest ein weiteres Mal will er Kitzbühel nochmals die Aufwartung machen. Denn auch die nächste Saison mit der WM in Garmisch als Höhepunkt will er noch bestreiten. «Was nachher kommt», sagt er, «werden wir sehen.»
«Bin lieber der Gejagte»
Als 35-Jähriger gewinnt er inzwischen so oft wie noch nie. Vier Weltcup-Siege in einer Saison sind ihm noch nie gelungen. Nun folgt mit den Olympischen Spielen in Vancouver/Whistler schon bald jener Anlass, der ihm die Krönung bescheren könnte. Die Ausgangslage bei Olympia könnte für ihn besser nicht sein: «Ich bin lieber der Gejagte als der Jäger, denn der Jäger ist immer unter Druck. Ich bin lieber in der jetzigen Position, als dass ich um einen 20.Platz fahre und auf ein Wunder hoffen muss.» Zusammen mit Carlo Janka rückte Cuche die Schweizer Abfahrer wieder in die Favoritenposition für Olympia, was zuletzt Anfang der Neunzigerjahre der Fall gewesen war. Vier der bisherigen sechs Abfahrten des Winters gingen an das Swiss-Ski-Team, das zudem in der Männerwertung gegenüber Österreich mit 8:5 Siegen vorne liegt.
Bleibt nur zu hoffen, dass Cuche und Co. gesund bleiben. Wie schnell sich alles ins Negative drehen kann, musste Cuche, mit 35½ Jahren der älteste Weltcup-Abfahrtssieger der Geschichte, schon oft erleben, zuletzt Mitte Dezember in Val d’Isère. Dort zog sich Cuche einen Rippenbruch und – was er lange verheimlichte – auch eine Hirnerschütterung zu. Beides hinderte den zähen Romand nicht daran, ohne Pause weiterzukämpfen.
Ganz unfallfrei kam Cuche auch in Kitzbühel nicht über die Runden. Bei der Siegerzeremonie unmittelbar nach dem Rennen rutschte der Neuenburger auf eisiger Unterlage aus und fiel rücklings zu Boden. Es blieb das einzige Malheur an diesem Tag. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.01.2010, 10:19 Uhr

Sportbilder






