Der Skistar fährt ab sofort auf Bewährung
Von Christian Andiel. Aktualisiert am 30.11.2010 3 Kommentare
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Das Schweigen im alpinen Schweizer Männerteam hat fast perfekt funktioniert: Silvan Zurbriggen hat in Lake Louise einen schweren Fehler begangen, die Skifamilie hat ihn aus ihrem Kreis verbannt, und tagelang drang nichts nach aussen. Erst am Sonntagabend wurde bekannt, dass Zurbriggen das Teamhotel in Lake Louise hatte verlassen müssen. Ob das schwarze Schaf das Hotelzimmer zertrümmert, ob er einen Trainer angegriffen oder ob er einem Teamkollegen das Portemonnaie entwendet hat? «Niemals werde ich irgendjemandem sagen, was vorgefallen ist», sagte Martin Rufener. Der Cheftrainer will den Skistar schützen, heizt aber die Spekulationen nur noch mehr an.
Ein spezieller Charakter
Zurbriggen ist 29 Jahre alt, und es ist nicht das erste Mal, dass er für seltsame Schlagzeilen sorgt. Er gilt als Einzelgänger, der besondere Zuwendung von den Betreuern braucht. Mal legte er sich mit den Trainern an und suchte den Zuspruch in Sachen Material und Trainingsaufbau bei Familienmitgliedern. Dann wechselte er im Streit die Trainingsgruppe, wandte sich vom Team um Daniel Albrecht ab, wo er sich zurückgesetzt fühlte.
Im Dezember 2006 geriet er gar mit dem italienischen Gesetz in Konflikt: Er war im Wald von Alta Badia spazieren gegangen, was dann geschah, sorgte für Aufregung: Hat er, wie eine Passantin behauptete, onaniert? Hat er, wie Zurbriggen schwört, nur gepinkelt? Die Sache verlief letztlich im Sand, aber solche Dinge bleiben haften.
«Silvan braucht ein festes Fundament»
Der Walliser war aber auch der Skifahrer, der sich nach einem Kreuzbandriss im Dezember 2007 wieder an die Spitze herangekämpft hat. Wenn er dann von der Betreuung erzählt, die er in der Rennbahnklinik Muttenz erfahren hat, offenbart sich ein warmherziger, empathischer Mensch, der von Basel schwärmt, von den Freunden, die er im Spital gefunden hat. Zurbriggen hat gerade zuletzt charmant und offen gewirkt, nichts mehr war zu spüren vom oft verkrampften, abweisenden Menschen der ersten Jahre im Weltcup.
Als vergangenen Frühling Coach Mauro Pini die Trainingsgruppe mit Didier Cuche, Didier Défago und Zurbriggen nach nur einem Jahr wieder verliess, um das Schweizer Frauenteam zu übernehmen, da litt vor allem Zurbriggen. Pini hatte ihm den Weg gewiesen, ihm klargemacht, dass er sich nicht verzetteln sollte. Zurbriggen konzentrierte sich fortan auf seine Spezialdisziplin, den Slalom. «Silvan braucht ein festes Fundament», sagte Pini. Im letzten Jahr wurde er Dritter im Slalom-Weltcup, so gut war er noch nie gewesen. In Whistler gewann er Olympia-Bronze in der Super-Kombination aus Abfahrt und Slalom. Er bestätigte die WM-Silbermedaille, mit der er beim Slalom in St. Moritz 2003 für Furore gesorgt hatte.
Eisernes Schweigen
Zurbriggen schien mit sich im Reinen, eben noch sprach sein neuer Gruppentrainer, Roland Platzer, begeistert von den Fortschritten, die der Athlet im Riesenslalom mache.
Was immer nun in Lake Louise vorgefallen ist, Zurbriggen fährt die nächste Zeit auf Bewährung. Die Teamkollegen hatten immer wieder Mühe mit seiner Art. Sie wissen, dass der Skisport letztlich ein Einzelsport ist, spätestens dann, wenn man im Starthaus steht. Zurbriggen war für sie zu oft der Egoist, wenn es nicht angesagt war. Man darf gespannt sein, wie lange das Schweigen funktioniert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.11.2010, 10:16 Uhr
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3 Kommentare
Hochleistungsportler sind ganz spezielle Menschen und nicht jeder von ihnen kann sich immer beherrschen. Mir tut Herr Zurbriggen Leid, aber wenn man weiß wie mit solchen Menschen umzugehen ist, sollte man es versuchen sie zu führen auch wenn es schwierig ist. Aber allen Sportlern viel Glück und Erfolg und guten Mut. Antworten

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