«Die meisten werden wortlos an Mauro vorbeigehen»
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 22.02.2012 16 Kommentare
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Wengers Replik
Swiss-Ski Direktor Andreas Wenger distanziert sich von der in diversen Medien festgehaltenen Aussage, der Verband unterstelle Stefan Abplanalp ein Alkoholproblem. «Ich habe nie etwas in dieser Hinsicht gesagt. Es liegt mir fern, Stefan einen Stein in den Weg zu legen», lässt der Berner auf Anfrage verlauten. Und ergänzt, im vorliegenden Fall hätten die betroffenen Schreiberlinge schlicht ihren Ermessensspielraum verlassen. (mjs)
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Stefan Abplanalp, am Montag freigestellter Trainer der Schweizer Speedspezialistinnen, ist gestern Abend nach Hause zurückgekehrt. Die unerfreuliche Meldung war dem 38-jährigen Meiringer von Leistungssportchef Dierk Beisel in Bulgarien überbracht worden. Ungefähr zur gleichen Zeit traf am Swiss-Ski-Sitz in Muri Abplanalps Kündigung ein. Am gestrigen Nachmittag, während seines Zwischenstopps in Wien, sprach der in Thun wohnhafte Partner von Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden am Telefon über...
... die Ursache des Konflikts zwischen ihm und Cheftrainer Mauro Pini: «Zwischen uns beiden hat es nie richtig funktioniert. Wenn es mir wohl gewesen wäre, hätte ich mich im letzten Frühling über das eingegangene Angebot (aus Österreich; die Red.) zwar gefreut, es aber sicher nicht ernsthaft geprüft. Als Gruppentrainer muss man sich entfalten können, unter Mauro war das jedoch nicht möglich. Er begreift nicht, dass sich nicht alle Trainer in eine Schablone pressen lassen.»
... die Gründe der Eskalation: «Mauro hat gewusst, dass sowohl die Trainerkollegen als auch die Athletinnen hinter mir stehen. Er wusste auch, dass ich nicht bereit war, die Zusammenarbeit mit ihm über diese Saison hinaus fortzusetzen und deshalb vor der Reise nach Sotschi meine Kündigung aufgesetzt hatte. Womöglich befürchtete er im Zusammenhang mit meiner Kündigung einen Aufstand der Fahrerinnen und bangte um seinen Job. (überlegt) Eigentlich ist es schon krass: Wir weilen in Sotschi; es ginge primär darum, im Hinblick auf die Olympischen Spiele emotional eine Beziehung zu dieser Strecke und zum Ort aufzubauen, aber bei uns stehen interne Probleme im Vordergrund.»
... Pini als Cheftrainer: «Mauro ist ein guter Trainer, aber ein bisschen mehr Sozialkompetenz würde ihm nicht schaden. Er hat auch in organisatorischer Hinsicht Defizite, und das auf dieser Ebene nötige Feingefühl geht ihm ebenfalls ab, wie sein Verhalten im Umgang mit Lara (Gut) zeigt. Im letzten Jahr löste er ein ganzes Slalomteam auf. Zugegeben, es handelt sich nicht um einfache Charaktere, aber es hätte auch andere Methoden als jene mit dem Rasenmäher gegeben. Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass ich Mauro nie als Konkurrenten betrachtet habe. Ich bin nicht zum Cheftrainer geboren worden, ich brauche den täglichen Kontakt mit den Athletinnen auf der Piste. Ich hatte nie Ambitionen, ihn aus dem Amt zu drängen.»
... den unverhältnismässigen Alkoholkonsum, der ihm seitens des Verbandes über die Medien unterstellt wird: «Das geht ganz klar zu weit. Wer liest, was Direktor Andreas Wenger über mich gesagt haben soll, denkt sofort an ein Alkoholproblem; indirekt wird mir ein Suchtverhalten unterstellt. Ich bin kein Heiliger, und fährt eine unserer Athletinnen aufs Podest, trinke ich auch mal zwei, drei Biere. Aber zwischen Trinken und Betrinken gibt es einen grossen Unterschied. Ich bin ein seriöser Trainer. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich mir gut überlegen, ob ich juristische Schritte einleiten will.»
... die «Party» in Sotschi mit den angeheiterten Serviceleuten: «Ich liess mir sagen, die Situation sei kurz vor Mitternacht eskaliert. Ich hatte mich ungefähr um 23.15 Uhr auf mein Zimmer zurückgezogen und via Skype mit meiner Freundin telefoniert. Am Tag danach wurde mir vorgeworfen, ich hätte als Führungsperson des Schweizer Teams einschreiten sollen. Das ist völlig absurd. Erstens war ich zur erwähnten Zeit nicht mehr vor Ort, zweitens handelt es sich bei den Serviceleuten um erwachsene Männer. Die Geschichte bot sich an, mich damit loszuwerden.»
... die Diskussion in der Öffentlichkeit: «Es ist unverständlich, dass es so weit kommen musste. Vor der Reise nach Sotschi war mir gesagt worden, dass wir alle Ruhe bewahren und die Saison vernünftig zu Ende führen sollten, was in meinem Sinn und vor allem das Beste für die Athletinnen gewesen wäre. Offensichtlich wurde danach hinter meinem Rücken gewirbelt, und die Leidtragenden sind die Athletinnen. Man kann ihnen doch nicht einfach mitten in der Saison den Trainer wegnehmen.»
... die Reaktion der Athletinnen: «Die leiden natürlich mit. Und ich leide mit ihnen – vor allem wenn ich an die bevorstehenden Rennen in Bansko denke. Dort werden ihnen gleich zwei Trainer fehlen. Mauro wird zwar dort sein, aber ich gehe davon aus, dass die meisten mehr oder weniger wortlos an ihm vorbeigehen werden. Ich hoffe, dass es ihnen trotzdem gelingt, ihre Leistung zu bringen.»
... seine Zukunft: «Es gibt ein paar Optionen, aber ich kann noch nicht verraten, in welche Richtungen es gehen könnte. Sicher ist, dass ich auch im kommenden Winter im Weltcup tätig sein werde.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2012, 08:01 Uhr
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16 Kommentare
Ich finde das ein toller Artikel. Hoffentlich siegt bei Swiss Ski endlich mal die menschliche intelligente Vernunft und die Fahrerinnen kriegen wieder einen wie Abplanalp. Wenger sollte sich einmal seinen eigenen Spiegel vor seine Nase setzen. Wir leben auf dem Planet Erde und da hat irgendwann mal Jemand vor hunderten von Jahren etwas Bier erfunden... Na und ? Viel Erfolg Abplanalp! Antworten


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