Dieser Mut steht der Schweiz gut

Olympia in der Schweiz? Ja, findet Swiss Olympic und schickt Sitten ins Rennen für 2026. Es ist der richtige Entscheid.

Winterzauber mit den Ringen bald auch wieder in der Schweiz?

Winterzauber mit den Ringen bald auch wieder in der Schweiz? Bild: Keystone

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Swiss Olympic hat entschieden: Das Projekt «Sion 2026» erfüllt die Kriterien, um bei der Vergabe der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2019 gute Chancen für den Zuschlag zu haben. Deshalb, so entscheidet der Dachverband, soll die Kandidatur lanciert werden.

Der Entscheid ist trotz vielen noch unbeantworteten Fragen richtig. Der Mut zu diesem Risiko tut der Schweiz gut, sie ist fähig, ein solches Megaprojekt zu organisieren. Sie hat das mit der Durchführung der Euro 2008 bewiesen, und verschiedene Schweizer Wintersportverbände haben schon mehrfach erfolgreich Weltmeisterschaften durchgeführt. Zudem macht das Projekt der vier Kantone Wallis, Waadt, Bern und Freiburg den Anschein, viel weniger der Tourismusbelebung und -rettung dienen zu müssen, als dies die Pläne der Bündner jeweils taten.

Damit ist ab Frühling 2018 das Internationale Olympische Komitee (IOK) der Partner der Schweiz, ein Weltunternehmen mit riesigem Imageproblem. Die Entwicklung der Spiele seit Beginn der 1990er-Jahre hin zum Gigantismus hat jüngst zahlreiche interessierte Bewerberstädte abgeschreckt. Denn: Finanzieller Profiteur war letztlich immer nur das IOK.

Präsident Thomas Bach hat dies erkannt und die «Agenda 2020» erstellt: Mehr Transparenz, mehr Unterstützung, dezentralere Spiele, weniger neue Infrastruktur. Der Beweis, den Weg zurück wirklich gehen zu wollen, fehlt allerdings noch – vor allem angesichts der Wahl Pekings mit seinen schneefreien Austragungsorten für die Winterspiele 2022.

Die Einführung der Agenda 2020 kann die Chance für die Kandidatur «Sion 2026» sein, die auch die Aussenstation St. Moritz einbezieht. Bis auf zwei Anlagen, eine Eisschnelllaufbahn in Aigle und eine Sprungschanze in Kandersteg braucht es keine Neubauten. Ob sie als Favoritin ins Rennen ginge, ist allerdings so offen wie die Gegner. Dem Vernehmen nach hätte Innsbruck die besten Chancen, längst ist aber nicht entschieden, ob die Österreicher überhaupt kandidieren.

Auch eine Chance für das IOK

Die Schweizer Bewerbung kann aber auch die Chance für das IOK sein, Spiele in einem Land mit intaktem Demokratieverständnis durchzuführen. Die Kandidaturkosten, die zu einem Drittel von den vier Kantonen getragen werden müssen (8 Millionen), haben bislang keine Abstimmung erfordert. Besser wäre es aber auf jeden Fall, wenn auch das Volk noch die Gelegenheit erhielte, die Kandidatur gutzuheissen.

Unbestritten ist: Mit einer Olympiaaustragung hat bisher noch niemand schwarze Zahlen geschrieben. Es wäre also naiv, zu glauben, die Schweiz schaffe die Premiere. Denn neben abschätzbaren Investitionskosten bleiben jene für die Sicherheit die grosse Unbekannte. Sich auf sie einzulassen, ist die grosse Herausforderung. Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2017, 18:30 Uhr

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