«Ich muss so etwas schon nicht haben»
Von Christian Andiel, Bormio. Aktualisiert am 28.12.2010 7 Kommentare
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Bormio. 1. Training zur Abfahrt von morgen
1. Innerhofer (It) 2:01,64. 2. Walchhofer (Ö) 0,75 Sek. zurück. 3. Kröll (Ö) 0,97. 4. Cuche (Sz) 1,37. 5. Miller (USA) 1,66. 6. Grugger (Ö) 2,17. 7. Scheiber (Ö) 2,62. 8. Fill (It) 2,73. – Ferner: 12. Küng (Sz) 3,06. 16. Grünenfelder (Sz) 3,50. 20. Hoffmann (Sz) 4,11. 23. Zurbriggen (Sz) 4,31.
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Der Händedruck war fest, der Blick in die Augen des Gegenüber ebenso. Silvan Zurbriggen war bei der Medienkonferenz im Teamhotel von Bormio konzentriert, er achtete auf die richtigen Worte, manches wirkte einstudiert, er war stets kontrolliert, aber das durfte nicht verwundern. Es war der Nachmittag nach dem Bekanntwerden des Vergehens, das dazu geführt hatte, dass Zurbriggen im November in Lake Louise (Ka) aus dem Teamhotel geworfen wurde. «Für mich hat sich dadurch nichts verändert», sagte Zurbriggen zu den Medienberichten über die Belästigung der Hotelangestellten. Zurbriggen stellte sich also den Medien, und er tat dies durchaus im Bewusstsein, dass es schliesslich nichts zu verbergen gebe. Ein Verzicht auf Bormio sei für ihn kein Thema gewesen. «Ich hoffe, dass das jetzt einmal gegessen ist», sagte er, er habe sich dort entschuldigt, wo es nötig gewesen sei. Und auf die Frage nach einem möglichen Imageschaden antwortete er: «Das müssen andere entscheiden, ich versuche, immer ich zu sein, und ich will meine sportliche Leistung bringen.»
Er hat gezeigt, dass er das kann. Die Form stimmt, das belegte nicht zuletzt der Abfahrtssieg in Gröden. «Ich beweise schon seit einem Monat, dass ich mich auf die sportliche Seite konzentrieren kann», betonte Zurbriggen. Und dann gab er in seinem Panzer der Kontrolle doch eine ganz kleine Lücke preis. «Ich muss so etwas schon nicht haben», sagte er zu den Schlagzeilen um Lake Louise, das gehe schliesslich an keinem spurlos vorbei. Doch auch das sagte er mit einer Mimik, mit der man eine allgemeingültige Wahrheit von sich gibt, über etwas redet, das ganz lang zurückliegt.
Als Leader im Abfahrtsweltcup
23. wurde Zurbriggen im ersten Training der Abfahrt von morgen. Als er über die Erlebnisse auf der schwierigen Piste sprach, da huschte immer wieder mal ein Lächeln über sein Gesicht. Er strahlte geradezu, als er von der roten Nummer erzählte, die er erstmals überhaupt als Leader im Abfahrtsweltcup morgen tragen darf. «Das ist schon ein spezieller Moment, es ist halt doch die Königsdisziplin.» Fünf Punkte liegt er vor Walchhofer, der gestern hinter Innerhofer, dem Sieger des Jahres 2008, die zweitschnellste Trainingszeit erzielte.
Didier Cuche war als Vierter der beste Schweizer. Der Neuenburger hat die Weihnachtstage mit Krafttraining genutzt, der Rücken habe ihm keine Sorgen mehr bereitet. Und die Strecke in Bormio setze den Fahrern wieder zu, weil sie so hart sei, dass es «dauernd hämmert, deshalb ist es extrem schwer, den Grip zu finden, um auf Zug fahren zu können». Die Gespräche waren beim Sport angelangt, dabei soll es für Zurbriggen auch bleiben. Er weiss, dass das letztlich vor allem an ihm liegt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.12.2010, 06:37 Uhr

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