«Lara, starte für Italien»
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 16.12.2010 89 Kommentare
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Im Streit zwischen Lara Gut und dem Ski-Verband gehören die Sympathien der Schweizer mehrheitlich der Athletin. Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser Kurt Schneeberger bringt die Meinung der Mehrheit auf den Punkt: «Weder Leistungssportchef Dirk Beisel noch Frauen-Cheftrainer Mauro Pini holen für die Schweiz eine Medaille. Stattdessen reagieren sie wie Dilettanten. Wenn sie nicht fähig sind, mit Topathleten umzugehen, dann sollten diese beiden gehen.» Die Anschuldigungen gegen Gut – Respektlosigkeit und Missachten der Kleiderordnung – seien lächerlich.
«Die einzige Frau, die für die Schweiz Punkte einfahren könnte, sperren? Wieso nicht die Funktionäre in die Wüste schicken?», fragt Werner Tschegger in seinem Leser-Kommentar. Ralph von Fellenberg stösst ins gleiche Horn: «Wer als Führungsperson nur mit Sanktionen reagiert, hat an der Spitze nichts zu suchen. Adieu die Herren Dirk Beisel und Mauro Pini», lautet sein Votum. An Swiss-Ski stellt er klare Forderungen: «Bringt endlich mal wieder Leute, die a) Persönlichkeiten sind und b) die Fähigkeit haben, Potenzial zu erkennen, zu entwickeln und zu fördern.»
«Hört auf mit dem Kindergarten!»
Thomas Ammann findet, dass Swiss-Ski beim Krisenmanagement versagt habe: «Eigentlich sollte es die Arbeit des Verbandes sein, ein optimales Klima für die Athleten zu schaffen, damit diese Spitzenleistungen erbringen. Dass dies bei verschiedenen Querköpfen nicht immer leicht ist, ist klar. Aber das gehört zum Job des Verbandes. Lasst Lara an den Start und hört auf mit dem Kindergarten!»
In den Kommentaren auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet und auf Lara Guts Facebook-Seite taucht immer wieder der Vorwurf auf, Swiss-Ski missachte das Recht auf freie Meinungsäusserung. «Das ist ein Skandal, die freie Meinungsäusserung ist schliesslich ein Grundrecht des Menschen», heisst es dort. Oder: «Sind wir in der DDR? Scheinbar möchte Swiss-Ski lieber Roboter im Team.»
«Es gibt ja noch den österreichischen Ski-Verband»
Ein Gut-Anhänger aus Österreich wittert bereits die Möglichkeit, dass der Schweizer Ski-Witz des Jahres Lara zu einem Nationenwechsel bewegen könnte. «Falls es dir zu bunt wird mit den Schweizern, gibt es ja noch den österreichischen Ski-Verband», schreibt er. «Lara, starte für Italien oder ein anderes Land. Lehmann und Untergebene, geht nach Sibirien, ihr seid unfähig», fordert ein anderer der über 85'000 eingetragenen Facebook-Fans der Tessinerin. «Lass dich von diesem totalitären Verband bloss nicht einschüchtern, Lara. Es gibt genügend andere Nationen, die stolz wären, dich aufzunehmen und fahren zu lassen», kommentiert Jack Welti auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Dass Lara Gut in Zukunft wie einst der Österreicher Marc Girardelli für Luxemburg an den Start geht oder für Qatar die erste Goldmedaille an Olympischen Winterspielen gewinnt, wäre gemäss den Statuten des Ski-Weltverbands FIS möglich. Anders als im Fussball, wo ein Spieler nur für eine Nation A-Länderspiele bestreiten darf, können Skirennfahrer problemlos den Verband wechseln. Swiss-Ski sitzt im Zwist mit dem Gut-Clan also am kürzeren Hebel. Dass die Sponsoren es nicht gern sehen, wenn Lara die Kleiderregeln missachtet, ist klar. Was aber würden sie erst sagen, wenn die Ski-Prinzessin dem Verband und damit auch ihnen den Rücken kehrt?
«Wo sind Laras menschliche Qualitäten?»
Bei aller Sympathie für Lara Gut, die wie die US-Stars Bode Miller und Lindsey Vonn lieber ihr eigenes Süppchen kocht, wird aber auch Kritik an ihrem Auftreten laut. So etwa bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser Marc Mueller. «Lara Gut hat auch dank ihrer Eltern nie begriffen, dass sich die Welt nicht um sie dreht und dass vor allem Respekt gegenüber Teammitgliedern und Trainern die Basis ist. Sie wird hochgejubelt und mit Komplimenten überhäuft – aber wo sind ihre menschlichen Qualitäten?», schreibt er.
Marco Zollinger greift Laras Vater Pauli Gut an: «Er weiss, dass Swiss-Ski Lara braucht und verhält sich seit Jahren entsprechend. Das ist Charaktersache», meint er. Franz Melliger sieht dagegen die Tochter selbst als Problem: «Seit ihrer Verletzung wirkt sie irgendwie leicht verbittert und keineswegs mehr so fröhlich und offen wie früher. Mehr und mehr zeigt sich ihre Arroganz, die man ja angesichts ihres Privatteams schon immer vermuten musste. Es wäre ihr zu raten, in Zukunft wieder vermehrt auf ihr Image zu achten.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.12.2010, 18:57 Uhr
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89 Kommentare
Lieber Urs (Lehmann)! Schlussendlich bist du für den Laden verantwortlich und damit auch für das Verdikt gegen das aufmüpfige Mädchen. Wie soll das jemals funktionieren zwischen Pini und Gut? War wohl der falsche Schachzug, Pini zur Frauenequippe zu delegieren nachdem sich Gut dazu gesellt hatte. Antworten

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