Slalom durch die Glitzerwelt
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Das Timing von Maria Höfl-Riesch ist perfekt. Zwischen dem ersten Saisonsieg in St. Moritz und den Heimrennen am Wochenende in Garmisch lag der grosse Auftritt an der Sportmesse Ispo in München. Dort drehte sich am Montag alles um die 27-jährige Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Gewinnerin des Gesamtweltcups 2011: Jetzt gibt es Maria-Ski, Maria-Handschuhe, einen Maria-Helm und die Modelinie Maria. Sie ist eine Marke.
Und es ist der bisherige Höhepunkt einer Geschichte, die nicht immer leicht zu durchschauen ist. Sie begann damit, dass Maria Riesch den Manager und Vertrauten von Franz Beckenbauer kennen lernte. Aus der Bekanntschaft mit Marcus Höfl wurde eine Liebe, im Sommer war Hochzeit. Die Skifahrerin war in der Society angekommen, gleichzeitig wurde Marcus Höfl einer grösseren Öffentlichkeit bekannt.
Den deutschen Medien scheint sie fremd
Cortina, Januar 2012. Im Restaurant von Ex-Abfahrer Kristian Ghedina, sitzt ein Coach aus einem Nachbarland von Höfl-Riesch mit am Tisch. «Mei», sagt er plötzlich, «die Maria war so ein nettes Maderl.» Wieso «war»? In Artikeln vornehmlich deutscher Medien erscheint Maria Höfl-Riesch mittlerweile oftmals als fremd gesteuert, abgehoben, als habe sie nicht mehr den Skisport zuerst im Kopf. Zwölf Kilogramm soll sie im Sommer abgenommen haben, und zwar auf Wunsch ihres Ehemannes, der lieber eine schlankere Frau als eine schnelle Skifahrerin wollte. So geht das Gerücht, und hat sie nicht in der «Bunten» gesagt, dass sie High Heels erst durch den Gatten entdeckt habe?
«So ein Schmarrn», sagt Maria Höfl-Riesch zum Gewichtsproblem und lacht. Sie habe, erzählt sie dann, im vergangenen Winter ein Virus erwischt, just vor der Heim-WM in Garmisch. «Die wollte ich natürlich nicht vor dem Fernseher verfolgen.» Also wurde alles unternommen, um sie fit zu machen. Zweimal holte sie Bronze, aber die Antibiotika hätten ihre Darmflora zerstört, sie habe Magenprobleme bekommen, die Ernährung umgestellt und dadurch vier bis fünf Kilogramm verloren. «Ich fühlte mich im Sommer wohl, dachte deshalb auch, dass die neue, gesündere Ernährung gut sei», sagt sie. «Aber im Winter sah es anders aus: Unter Stress ist mein Immunsystem ziemlich zusammengebrochen.» Deshalb habe eine an sich leichte Erkältung gleich dazu geführt, dass sie auf die Rennen in Bad Kleinkirchheim hatte verzichten müssen.
Antibiotika oder Liebesdienst?
Der Gewichtsverlust also als Krankheitsfolge und nicht als Liebesdienst, nur vier statt zwölf Kilogramm? Das ist so ein Beispiel von völlig unterschiedlichen Darstellungen. Die Betreuer tragen wenig zur Aufklärung bei. Alpindirektor Wolfgang Maier, eigentlich ein Freund klarer Worte, sagt gar nichts mehr zum Umfeld. Auch Thomas Stauffer, der Schweizer Frauenchef beim DSV, reagiert ungehalten, wenn es nicht um das rein Sportliche geht. Nein, die Maria sei nach wie vor ins Team eingebunden; nein, es gäbe keine Probleme mit ihrem Manager/Ehemann; nein, sie habe das Gewicht nicht bewusst verloren. Dann fügt er an: «Aber wenn Ihr Journalisten immer alles besser wisst» und strebt von dannen.
Ein Teil des Problems: Wenn man verspricht, nicht zu zitieren, hört sich rund ums Team vieles anders an. Da wird geschimpft über den Einfluss von Marcus Höfl, wird der Kopf geschüttelt über den Gewichtsverlust, über den Verkauf der Skifahrerin an die Glitzerwelt – und liebt der Marcus Höfl die Marke Maria nicht mehr als den Menschen? Er ist ein Quereinsteiger in der Skifamilie, man traut ihm nicht.
Ein Paar wie Feenseeschwalben
In einem grossen Doppelinterview im Münchner Boulevardblatt AZ schwärmen die beiden von ihren Flitterwochen auf den Seychellen, dort hätten sie die Feenseeschwalben erlebt: «Die sind immer zu zweit unterwegs», erzählt Marcus Höfl. «Traumhafte weisse Vögel. Sobald einer stirbt, stirbt der andere auch.» So sehen sie sich, aber verkaufen sie nicht ihre Ehe in der Öffentlichkeit, Frau Höfl-Riesch? «Das halte ich für übertrieben», antwortet sie. «Der Marcus ist der Manager vom Franz, ich bin seit Jahren die erfolgreichste deutsche Sportlerin; dass diese Konstellation für die Medien etwas Besonderes ist, das ist normal. Da können wir nix dafür.»
Versuchen wir eine Zusammenfassung dieser Geschichte. Ist Maria Höfl-Riesch durch ihren Aufstieg in die Society für die journalistischen Begleiter der Vergangenheit unnahbarer geworden? Ziemlich sicher ja, aber das ist ein Wandel, den man akzeptieren muss. Ist Marcus Höfl ein Störenfried? Er ist sich seiner Macht sicher bewusst, das trifft natürlich die besonders, welche die Athletin früher für sich vereinnahmt hatten. Tut das alles Maria Höfl-Riesch gut? Zumindest hat sie gerade rechtzeitig vor den Heimrennen von Garmisch gezeigt, dass sie noch gewinnen kann.
Wobei Heimrennen: Ihr Lebensmittelpunkt ist längst Kitzbühel. Aber das war ja im vergangenen Winter schon so, wie Maria Höfl-Riesch betont: «Der grosse Wandel in meinem Leben war nicht die Hochzeit, der fand schon vor zwei Jahren statt, als ich mit Marcus zusammengezogen bin. Und danach habe ich den Gesamtweltcup gewonnen.» Sie lächelt, und eines bestreitet gar niemand: Maria Höfl-Riesch ist ein glücklicher Mensch. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.02.2012, 22:07 Uhr
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