Wer denn sonst, wenn nicht Svindal?

Aksel Svindal ist der Top-Abfahrer der Gegenwart. Heute versucht der Norweger am Lauberhorn eine der wenigen Lücken in seinem Palmarès zu schliessen.


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Selbstvertrauen äussert sich oft eher in leisen als in lauten Aussagen. «Gibt es ein faires Rennen, habe ich keine so schlechte Chance auf den Sieg», sagt ­Aksel Svindal, es ist die Untertreibung des Freitags. Svindal war tags zuvor der Schnellste im ersten Training gewesen, er war der Schnellste in der Kombi­nations­abfahrt. Er hat die ersten drei Abfahrten des Winters gewonnen – und zwei Super-Gs obendrauf.

Die Überlegenheit verblüfft, auch ihn selber. «Ich erwartete, dass ich gut ­genug sein würde, um in mehreren Rennen um den Sieg mitzukämpfen. Aber nicht, dass ich so oft gewinnen würde», sagt er, wenn er an den Saisonstart ­zurückdenkt. «Andererseits hatte ich eine gute Vorbereitung, war im Training sehr schnell. Und dann kam das erste Training in Lake Louise. Ich war sieben Zehntel vor Jansrud und er neun Zehntel vor dem Nächsten – ja, da habe ich gewusst, dass es passt.»

Aber erst da. Vor jener ersten Fahrt hatte Svindal gezweifelt, nur für sich, aber trotzdem. Ein Jahr zuvor hatte er beim lockeren Fussballspiel die Achillessehne gerissen. Auf die WM hin kämpfte er sich zwar zurück, verpasste in den Speedrennen die Medaillen nur knapp – aber das war es dann mit Skirennen für einen ganzen Winter.

«Gleich gut, dafür schneller»

Andere Fahrer haben nach einer schweren Verletzung zu kämpfen, müssen nach dem Comeback mit kleinen Schritten zufrieden sein. Es ist nicht unüblich, dass es ein ganzes Jahr dauert, bis es heisst, der Athlet sei wieder der Alte.

Svindal ist nicht der Alte, er ist der Neue. Die Absenz vom Weltcup nutzte er: «Ich hatte mehr Zeit, um an der Grundtechnik zu arbeiten. Nicht immer nur Rennen fahren, sondern Skischule machen.» Ist er dadurch der bessere Skifahrer geworden? «Vielleicht eher der gleich gute, dafür der schnellere», sagt er und lächelt über die originelle Formulierung.

Sein Lächeln, es weicht sehr, sehr ­selten aus seinem Gesicht. Der 33-Jährige ist stets ganz bei sich, ganz im ­Moment. Nie im Stress, nie angespannt. Klar kommt die Lockerheit mit dem Erfolg. Es braucht aber auch die Gewissheit, alles für diesen getan zu haben. Im Sommer etwa, wenn die Norweger mehrere Wochen länger in Südamerika trainieren als die anderen Nationen. Oder auf den Gletschern Europas, wenn sie mehr Trainingsfahrten bestreiten als die anderen, wie Svindal festgestellt hat.

«Wenn es klappt – super!»

Kombiniert man diesen ausgesprochenen Fleiss mit ausserordentlichem ­Talent, kommt ein aussergewöhnlicher Skifahrer heraus. Einer, der eben keine ganze Saison braucht, um wieder sein Topniveau zu erreichen. Es sind Jahrzehnttalente, deren Gefühl für Ski und Schnee die Konkurrenten mit noch so viel Training nie erreichen werden. Auch die Schweizer haben ein solches, wie Beat Feuz in diesen Tagen wieder einmal beweist. Nur ein viel fragileres. Und deshalb weit weniger erfolg­reicheres. Svindal dagegen hat gewonnen, was man im Skisport gewinnen kann: Gold bei Olympia und fünfmal bei Weltmeisterschaften, dazu fünf weitere Medaillen und elf Weltcupkristallkugeln, zwei grosse und neun kleine.

Die Lücken im Palmarès sind rar, aber sie sind da. Ausgerechnet in Wengen und Kitzbühel etwa, bei den grossen Klassikern des Skisports, fehlen ihm noch Siege, ebenso beim Heimrennen in Kvitfjell. Svindal sagt, er halte sich keinen Moment damit auf – und man glaubt es ihm. «Entschuldigt, aber ich würde meine zwei Siege in Lake Louise nicht für einen in Wengen eintauschen», sagt er, weil: Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg.

Dann fügt er noch an: «Habe ich Druck, weil ich schon so viele Rennen gewonnen habe? Vielmehr habe ich ­Zuversicht. Wenn es damit auch in Wengen klappt – super!» Gemischte Schweizer Gefühle, Seite 39

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.01.2016, 12:30 Uhr)

Lächeln und Erfolg als Markenzeichen – Aksel Svindal. Foto: Urs Jaudas

Das Wetter

Ein Fenster und Hoffen auf den Start von ganz oben

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In Wengen ist es die auf den Start von zuoberst auf der Lauberhornschulter. Die Prognosen lassen die Organisatoren hoffen, entschieden wird heute um 7.55 Uhr. Zwar sollte es in der Nacht gemäss Prognosen 15 Zentimeter Neuschnee gegeben haben, der sollte aber zu bewältigen sein. Fraglich ist, ob das angekündigte «trockene Wetterfenster» genug gross und nebel- und windfrei ist. Ansonsten erfolgt der Start wie im Training und der Kombination oberhalb des Hundschopfs.

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