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«Janka kann ein grosser Champion werden»

Didier Cuche feierte seine zweite Medaille ausführlicher und fand lobende Worte über den Teamkollegen, der in der Abfahrt Bronze gewann.

Aufsteiger und Altmeister: Carlo Janka (l.) kann von Didier Cuche noch viel lernen – wenn er denn will.

Aufsteiger und Altmeister: Carlo Janka (l.) kann von Didier Cuche noch viel lernen – wenn er denn will.
Bild: Keystone

Didier Cuche, nach Gold im Super-G haben Sie geträumt, dass Sie ganz schlecht Ski gefahren sind. Lief es Ihnen in den Träumen nach Silber in der Abfahrt besser?
In der Nacht auf Sonntag habe ich gar nicht geträumt. Aber ich habe wenig geschlafen: Ich konnte nicht ausschlafen, war um sieben hellwach. Vermutlich hatte ich den Rhythmus der ganzen Woche noch drin. Ich bin liegen geblieben, konnte nicht mehr einschlafen, dann bin ich halt aufgestanden und habe gefrühstückt.

Dauerte die Feier am Samstagabend länger als nach dem Super-G?
Natürlich. Ich habe mich nach dem Super-G sehr zurückgehalten, ich wusste um das strenge Abfahrtsprogramm mit Training und Rennen. Am Samstag haben wir ein bisschen etwas nachgeholt.

Vielleicht sind Sie deshalb so früh aufgewacht, weil Sie an die vier Hundertstel dachten, die zu Gold gefehlt haben?
Mein Kopf war am Morgen ein bisschen schwer, da war kein Raum für solche Gedanken.

Haben Sie den Lauf schon auf Video analysiert?
Ja, und ich habe schon einen grossen Fehler vor L’ancolie gemacht. Das hat mir einen grossen Zeitrückstand eingebracht, danach bin ich klar auf Silber gefahren.

Sie haben aber gehörig aufgeholt.
Ich war die erste Hälfte im Zielhang sehr, sehr schnell. In den allerletzten Toren war aber Kucera wieder zwei Zehntel schneller als ich, ich bin in der letzten Kurve ein klein wenig weggerutscht. Mit der idealen Linie hätte es vielleicht auf den letzten Metern noch gereicht, aber ich nehme die Silbermedaille enorm gerne.

Bronze ging an Ihren jüngeren Teamkollegen Carlo Janka. Hat er sich bei Ihnen Tipps geholt?
Nein, Carlo hat so ein unglaublich gutes Gespür für das Skifahren, er fragt fast nie etwas. Ich will ihm nicht unnötig Druck aufladen, aber er kann ein ganz grosser Champion werden, wenn er das nötige Glück hat und von Verletzungen verschont bleibt.

Er hat so gute Anlagen?
Denken Sie an seinen zweiten Platz bei der Abfahrt in Lake Louise. Klar, er hatte Glück mit dem Wetter, aber das ist eine ausgesprochene Gleiterstrecke, und er hat auch das schon drauf.

Dabei sagt er selbst, dass er nur auf den technisch schwierigen Passagen wirklich gut ist.
Eben, und in einigen Jahren wird er noch besser gleiten, wenn er sich im Sommer mehr Zeit nimmt für die Abstimmung des Materials. Vor allem wenn es um den Schuh geht. Ich profitiere mittlerweile von meiner Erfahrung, wenn ich die Schneeart sehe, weiss ich, wie ich meinen Schuh einstellen muss.

Das sind Erfahrungen, die Janka noch abgehen.
Ja, aber er nimmt solche Dinge ungeheuer schnell auf, er hat das Auge dafür, und er hat das Skifahren im Blut. Er besichtigt einen Kurs nicht so rasch wie ein Bode Miller, aber er braucht nur die Hälfte der Zeit von mir.

Könnte er mehr profitieren, wenn er sich mehr Zeit nehmen würde?
In Kitzbühel war er beim Super-G bis zum Hausberg sehr gut unterwegs. Dann ist er falsch in die Traverse eingefahren, er hat in der Kurve zu lange Druck gegeben, und als er die Ski löste, war es vorbei. Diese Erfahrung war wichtig, er wird diesen Fehler nächstes Jahr nicht mehr machen. Wenn ich bei dieser Besichtigung vor dem Rennen nur fünf Minuten mit ihm unterwegs gewesen wäre, hätte ich ihm sagen können, was die Piste mit ihm macht, wenn er diese oder jene Linie fährt. Ich kenne die Streif seit zehn Jahren.

Haben Sie sich als junger Fahrer Tipps von Routiniers geben lassen?
Ich hatte zum Beispiel gerade in Kitzbühel einmal das Glück, dass ich mit Daniel Mahrer den gesamten oberen Teil besichtigt habe, ohne dass dies so abgesprochen gewesen wäre. Mahrer und William Besse waren schon die älteren Fahrer, mit denen ich mich so gut verstanden habe, dass sie sogar manchmal selbst gekommen sind, um mit mir zu reden. Ich war darüber sehr froh und habe es sehr gerne angenommen.

Es gab im Sommer Diskussionen, ob Janka zu Ihnen und Didier Défago in die Trainingsgruppe von Patrice Morisod kommen soll. Sie hätten das begrüsst?
Ja, sehr, aber die Frage ist, ob er will, ob er sich wohl fühlt. Aber es würde ihm schon gut tun. Natürlich kommt er hier in Val d’Isère hervorragend zurecht, aber das ist keine typische Abfahrt. Er hat bewiesen, dass er technisch sehr stark ist, vorne mit dabei ist, wenn es Mut braucht. Aber die Abfahrt hier hat gerade einmal 20 Sekunden, in denen man gleiten muss, dann kommt schon wieder der technisch schwierige Teil.

Das heisst, er wird mehr und mehr spüren, wo es ihm auf der Abfahrt noch fehlt?
Wenn ich ihn fahren sehe, dann sehe ich, dass ihm eigentlich gar nichts mehr fehlt. Es geht nur noch um Details bei der Abstimmung, ums Feintuning, um den allerletzten Schritt.

Ein wenig erinnert das an Ihre eigene Karriere: 1998 kamen sie schnell nach oben, haben nach Ihrem Beinbruch gleich Kitzbühel gewonnen.
Ja, ich weiss auch nicht, es ist wie von selbst gegangen.

Die Bestätigung der guten Resultate ist dann schwieriger?
Nicht für Carlo, er ist so gut drauf, er hat keine Probleme damit. Er hat viel mehr Talent als ich, ich musste enorm hart arbeiten, um da zu sein, wo ich jetzt bin.

Sie sind momentan ganz oben, nun ist die Anspannung aber erst einmal weg. Ist das ein Problem vor den nächsten Rennen?
Nein, es sind ein paar Tage bis zu den nächsten Rennen, da wäre es schlecht, die Anspannung permanent oben zu halten. Ich gehe nun Montag und Dienstag nach Veysonnaz zum Riesenslalomtraining, muss mich an die kürzeren Ski gewöhnen. Der Spannungsaufbau kommt von selbst wieder.

Ist es vielleicht sogar gut, zwei Tage vom WM-Rummel entfernt zu sein?
Das spielt keine Rolle, es ist nur ein kleiner Sprung, am Dienstagabend bin ich wieder hier in Val-d’Isère. Und am Mittwoch beim Teamevent wieder am Start.

Wurde das Team schon benannt?
Offiziell noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass ich starte. Wir haben noch diskutiert, ob ich Super-G und Slalom fahre oder nur Slalom . . . (er lacht) Nein, nein, ich werde im Super-G dabei sein.

Für Sie besteht nun die Chance, im Riesenslalom die dritte Medaille zu gewinnen. Ist das Antrieb oder Belastung?
Ich habe die Chance, im Teamwettbewerb die dritte Medaille zu gewinnen, an mehr denke ich noch nicht.

Dann besteht sogar die Möglichkeit auf vier Medaillen, das hat an einer WM nur Pirmin Zurbriggen geschafft . . .
. . . ich sehe schon, meine Taktik, mittels Teamwettkampf vom Riesenslalom abzulenken, ging nicht auf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2009, 10:42 Uhr

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