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Bildstrecke: Einkaufen in Konstanz

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 30.07.2011 1 Kommentar

In Konstanz tummeln sich diesen Sommer mehr Schweizer als sonst – sie nutzen den schwachen Eurokurs, um billig einzukaufen. Die Einheimischen finden das nicht immer gut.

1/13 Jedes dritte Auto aus der Schweiz: Der volle Parkplatz vor der Konstanzer Altstadt.

   

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«Die Schweizer halten mit ihren Mehrwertsteuerzetteln den Kassenbetrieb auf», sagt ein Pensionierter im Café vor dem Einkaufszentrum Lago in Konstanz. «Und sie bringen Verkehr in die Stadt.» Das seien die beiden Dinge, welche die Einheimischen manchmal störten, wenn es um die Schweizer geht. Manchmal frage man sich ausserdem, sagt ein Passant, warum so knapp hinter der Grenze ein so deutlich anderer Dialekt gesprochen werde. Der eine oder andere hege den Verdacht, dass das absichtlich geschehe. Er grinst.

Das Schweizer Kreuzlingen und das deutsche Konstanz: Im Grunde sind sie eine Stadt, schon seit dem Mittelalter. Schon immer hat man rege gehandelt, sich gemeinsam vergnügt. Kreuzlingen verdankt seinen Namen einem Kloster, das einst der Bischof von Konstanz gründete. Am Bodensee ist man immer frei von der einen Seite zur anderen gewandert, bis der Erste Weltkrieg das Stadtgebiet mit einem Grenzwall teilte.

Ein Drittel des Umsatzes kommt aus der Schweiz

Doch trotz aller Freundschaft: In den letzten Monaten ist es ein bisschen viel geworden mit den Einkaufstouristen aus der Schweiz – die Cafés sind voll, die Parkplätze belegt, die Einkaufszentren überfüllt. In Konstanz spricht an diesem gewöhnlichen Donnerstagnachmittag jeder Dritte Schweizerdeutsch. Im Café vor dem Einkaufszentrum sitzen an der Hälfte der rund 30 Tische Schweizer. Die Autokolonne schiebt sich durch die Stadt.

Wegen des schwachen Eurokurses kaufen diesen Sommer nicht nur wie üblich Thurgauer in Konstanz ein, sondern auch Zürcher, Urner oder Schwyzer. Die Zahlen des deutschen Zolls scheinen die Tendenz zu bestätigen: Wurden im ganzen 2010 zwischen Bad Säckingen und Konstanz fünf Millionen Anträge zur Mehrwertsteuer-Rückerstattung abgegeben, sind es im ersten Halbjahr 2011 bereits gut drei Millionen. Hochgerechnet auf das Jahr ist das eine Zunahme von einem Fünftel. Auch Utz Geiselhart vom Handelsverband Südbaden sagt, die Schweizer würden traditionell ein Viertel zum Umsatz in Konstanz beitragen. Im aktuellen Jahr sei nun der Anteil auf rund ein Drittel gestiegen.

Am liebsten kaufen die Schweizer Einkaufstouristen in Konstanz Drogerie- und Hygieneartikel und Kleider, wie die Händler vor Ort angeben. Lebensmittel lohnen sich oft wegen der Grenzbestimmungen nicht – so dürfen beispielsweise nicht mehr als 500 Gramm Fleisch in die Schweiz mitgebracht werden. Bei Shampoo, Lotion, Windeln oder Babynahrung sind die Preisunterschiede tatsächlich enorm: Eine 40-er-Packung Pampers Active Fit (4–9 Kilogramm) etwa kostet im Drogeriemarkt im Konstanzer Einkaufszentrum Lago 8,95 Euro. Zum aktuellen Kurs also 10,20 Franken. Bei Migros kosten dieselben Windeln im 60-er-Pack 27,80 Franken, das sind für 40 Windeln 18,50 Franken. Bei solchen Preisunterschieden dürfte der Appell der Schweizer Detailhändler an den Patriotismus ungehört verhallen.

Benzin aus der Schweiz

Der Handel, so spricht deutlich aus den Worten Geiselharts, schätzt die Kunden aus der Schweiz. Überhaupt sei das doch der grosse Vorteil am heutigen Europa, «das ist ein hinüber und herüber». So würden nicht nur Schweizer in Konstanz, sondern auch Konstanzer in der Schweiz einkaufen – sie versorgen sich dort mit Benzin, mit Spezialitäten aus Migros und Coop oder etwa auch mit der Zigarettenmarke Parisienne, die es nur in der Schweiz gibt. Ausserdem nutzen viele Reisende aus Südbaden den Flughafen Zürich.

Auch der Pensionierte im Café vor dem Lago, in Konstanz geboren, misst der aktuell hie und da aufflammenden Missstimmung nicht zu viel Bedeutung bei. «Hier und dort, ist doch alles dasselbe.» Beide profitierten voneinander, und beide würden sich hin und wieder vorwerfen, dass der andere mehr profitiere. «Nur die Mehrwertsteuer, die könnten sie eigentlich auch von den Schweizern einziehen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.08.2011, 09:41 Uhr

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1 Kommentar

Urs Holzapfel

02.08.2011, 14:12 Uhr
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Ist ja schön,wenn Schweizer sich ab und zu einen Ausflug nach Deutschland gönnen.Nur sollte danach nicht der bei etlichen zu beobachtende Reflex kommen: kaum ist man aus dem Laden der Deutschen (sei es bei Aldi oder Lidl Suisee oder in Deutschland selbst),wird sofort über die Deutschen und überhaupt die EU und den bösen Euro geschimpft,dem man es zu verdanken hat,dass man so günstig shoppen kann. Antworten



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