Bildstrecke: Sind diese Reuters-Bilder manipuliert?

Die renommierte internationale Presseagentur soll nach dem Angriff israelischer Soldaten auf ein Schiff vor Gaza retuschierte Bilder versandt haben. Reuters verteidigt sich.

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Die Nachrichtenagentur Reuters soll nach dem Angriff israelischer Soldaten auf das Hilfsschiff Mavi Marmara manipulierte Bilder an die Medien versandt haben. Auf den publizierten Fotografien seien Messer in den Händen der Aktivisten auf dem Schiff wegretuschiert gewesen. Das schreibt die israelische Zeitung «Haaretz», die generell für eine linksliberale und moderat regierungskritische Haltung bekannt ist.

Ein Sprecher von Reuters sagte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus, die Bilder seien der Agentur in Istanbul übergeben worden. Dabei habe man sie nach einem üblichen Prozess vor der Publikation an den Rändern beschnitten. «Als wir gemerkt haben, dass aus Versehen ein Messer weggeschnitten wurde, haben wir die Bilder entfernt.»

«Via IHH»

Inzwischen sind die Bilder mit den entsprechenden Motiven allerdings wieder im System von Reuters erhältlich – mit den Messern. Reuters hat sie mit «via IHH» gekennzeichnet. IHH ist die türkische Hilfsorganisation, die das Schiff Mavi Marmara organisiert hatte. Auch vor der ersten Publikation dürften die Bilder demnach von IHH geliefert worden sein – entsprechend der Aussage von Reuters unretuschiert.

Bei dem Angriff auf das Schiff sind neun Aktivisten getötet worden, mehrere Aktivisten und Soldaten erlitten Verletzungen. Die israelische Regierung wird seither heftig kritisiert. Sie bezeichnete den Angriff als Akt der Selbstverteidigung, da Sympathisanten der Hamas an Bord gewesen seien. Ausserdem hätten die Aktivisten die Soldaten bei der Enterung des Schiffes angegriffen. Eine mögliche Retusche von Messern auf den Bildern könnte darum tatsächlich die internationale Meinungsbildung beeinflussen.

«Haaretz» schliesst nicht aus, dass Reuters die Bilder aus Versehen beschnitt. Das Blatt zitiert den Politikexperten Tom Gross: «Jeder macht Fehler, auch Journalisten.» Doch Gross äussert in dem Artikel auch den Vorwurf des politischen Kalküls: «Es ist nur so, dass Reuters jedes Mal, wenn es nach eigener Aussage einen Fehler gemacht hat, dies zu Ungunsten Israels tut.»

Hilfe für Gazastreifen

Israel wirft der Organisation IHH politische Nähe zu Islamisten vor. Das Danish Institute for International Studies vermutet bei IHH ebenfalls Verbindungen zu islamistischen Terrororganisationen, auch in der Türkei sind ähnliche Bedenken in der Vergangenheit mehrmals geäussert worden. IHH selber bezeichnet sich klar als rein humanitäre Organisation.

Sie hat nach eigenen Aussagen das Schiff in ziviler Mission nach Gaza geschickt. Es sei mit Hilfsgütern beladen gewesen, die allesamt vom türkischen Zoll geprüft worden seien. Israel kontrolliert seit der Machtübernahme der radikalen Hamas 2007 die Grenzen des Gazastreifens. Die Einwohner sind seither stark von externer Hilfe abhängig.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.06.2010, 16:47 Uhr

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