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Frage des Tages: Subventionen für die Oper

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 06.12.2011 2 Kommentare

Die Zürcher Oper kassiert vom Staat jährlich fast 80 Millionen Franken. Warum sich diese Subvention nur schwer rechtfertigen lässt. Was meinen Sie? Stimmen Sie am Ende des Artikels ab!

1/7 Vor halbleeren Rängen: Eine Szene aus der Zürcher Inszenierung von «Moses und Aron».
Bild: Keystone

   

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Das Dilemma der grössten Schweizer Oper, der Oper generell, ist seit Jahrzehnten dasselbe: Die Allgemeinheit der Steuerzahler finanziert der winzigen Minderheit der Liebhaber einen millionenteuren Kunstgenuss. Der Beitrag der öffentlichen Hand ist dabei aussergewöhnlich hoch. Als Nummer eins der kantonalen Kultursuventionsempfänger liegt die Oper mit Zuwendungen von jährlich fast 80 Millionen Franken weit vor dem zweitplatzierten Zürcher Theater, das pro Jahr mit 1,7 Millionen Franken subventioniert wird. Der Selbstfinanzierungsgrad der Institution liegt ausserdem nur knapp über 40 Prozent.

Für Wolf Lotter, Leitartikler des renommierten deutschen Wirtschaftsmagazins «brand eins», ein unhaltbarer Zustand: «Es ist einfach nicht zu rechtfertigen, dass man sich seine Kultur von anderen Leuten bezahlen lässt.» Lotter sagt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet weiter: «Eine Oper ist, wie jedes künstlerische Projekt, eine Unternehmung, bei der die Menschen, die das wollen, etwas riskieren müssen, oder vereinfacht gesagt: Für den Spass auch bezahlen.»

Direkte Opernfinanzierung durch den Bund?

Die Opernverantwortlichen selbst wissen natürlich genau, wie sehr ihre Institution am Tropf des Staates hängt. Und so kommt es, dass das Opernhaus alljährlich Pressevertreter zu einer Bilanz-Schau lädt, in der einerseits das entgegengenommene Steuergeld des vergangenen Jahrs gerechtfertigt und andererseits für neue Subventionierungen antichambriert wird.

An der gestrigen Bilanzierung lobte der Verwaltungsratspräsident der Oper, Josef Estermann, die bisherigen Sparbemühungen und erteilte einer Kommerzialisierung des Programms eine deutliche Absage; man könne ja nicht nur Kinder-Opern inszenieren. Stattdessen schlug Estermann eine Beteiligung des Bundes vor, um künftig finanzielle Schwierigkeiten abzufedern: «Der Bund sollte uns als Leuchtturm der Opernkunst unterstützen.»

Estermann gab des Weiteren zu, dass die Auslastung der Oper zu Wünschen übrig lasse – der millionenschweren Subventionierung zum Trotz. An teuren Spezialinszenierungen wie Schönbergs «Moses und Aaron» sei nur jeder zweite Platz besetzt, im Durchschnitt bleibe jeder fünfte leer.

Adorno versus Estermann

Die Raison d'être der Oper kann also weder eine wirtschaftliche noch eine soziale, sondern muss eine rein künstlerische sein. Estermann beendete sein Vorwort im Bilanzbericht denn auch mit einem Zitat des musikaffinen Philosophen Theodor Adorno: In der Oper werde der Bürger zum Menschen. Und deswegen, schloss Estermann feierlich, diene die Zürcher Oper im «wahrsten Sinn der Menschenbildung».

Dass Adorno diese Feststellung im Kontext der Musikkultur des 19. Jahrhunderts geäussert hatte, setzte Estermann wohlweislich in Klammern. Mit grösserem Recht hätte er wohl einen Satz aus Adornos «Oper»-Vorlesung von 1968 zitieren können: «Vielmehr dämmerte die Einsicht, nach Stil, Substanz und Haltung hätte die Oper nichts mehr mit denen zu tun, an die sie appelliert, wenn anders die äusserlich prätentiöse Form den kostspieligen Aufwand rechtfertigen wollte, dessen sie bedarf.» Adorno zeigte sich in seiner Vorlesung erstaunt darüber, dass «der Opernbetrieb unverändert weiterklappert, obwohl buchstäblich nichts daran mehr stimmt».

Selbstverständlich liessen sich nun Tausende ästhetische und philosophische Argumente für, aber auch wider die Opernkunst aufführen. Künstlerisch sakrosankt, wie sie Estermann wohl gerne hätte, ist die Oper allerdings beileibe nicht. Somit darf der gemeine opernferne Steuerzahler – ohne den erzliberalen Furor eines Wolf Lotter teilen zu müssen («Man braucht eine Stunde Null in der Kulturbürokratie, einen Neuanfang, eine schöpferische Zerstörung. Dann kann man wieder was unternehmen. Zurzeit geht es ja nur noch um die Frage, wer was wo löhnt. Das ist keine Kunst.») – sich durchaus ein wenig häufiger und ganz unbefangen fragen: Ist es mir die Millionen wert, dieses Spektakel der Anderen?

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.12.2011, 11:08 Uhr

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2 Kommentare

Hans Vögtlin

08.12.2011, 14:30 Uhr
Melden

Was sind schon 80 Millionen, wenn man bedenkt, was für Summen
in den Sport, z. B. in Stadien, investiert werden. Da reklamiert niemand,
weil die Masse davon profitiert. Auch an den horrenden Entlöhnun-
gen der Sport- Grössen nimmt kaum einer Anstoss. Das Elitäre für
Kleinstinteressierte war dem Durchschnittsbürger schon
immer suspekt, wenn nicht gar verhasst. Jene werden umjubelt.
Antworten


Peter Vogler

11.12.2011, 17:05 Uhr
Melden

Es werden noch ganz andere Fragen kommen,ob es berechtigt ist,dass wenn der Atomausstieg tatsächlich kommt,dass Rockbands mit stromfressenden Verstärkeranlagen und Lichtorgien den Strom dem wegnehmen dürfen,welcher Abends zu Hause vielleicht auch mal eine Wurst erhitzen möchte.Ob Amateurbands in Übungskellern
ganze Quartiere in Dunkelheit versinken lassen,weil sie zuviel Elektrokram ans Netz hänge
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