Trump und der Papst – die schlimmste Lüge im Wahlkampf

Eine Liste zeigt, welche 10 Artikel sich vor der US-Wahl am stärksten auf Facebook verbreiteten. Die Hälfte war Falschinformation.

Eine der erfolgreichsten Falschmeldungen: «Papst Franziskus unterstützt Trump.» (Screenshot: «Ending the Fed»)

Eine der erfolgreichsten Falschmeldungen: «Papst Franziskus unterstützt Trump.» (Screenshot: «Ending the Fed»)

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In den letzten drei Monaten vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl generierten gefälschte Meldungen mehr Interaktion auf Facebook als echte News von etablierten Medien. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von Buzzfeed News. Das US-Medienportal verglich die erfolgreichsten 40 Artikel, die sich in diesem Zeitraum mit Wahlkampfthemen befassten und über die Social-Media-Plattform verbreitet wurden.

Die Erkenntnis: Fake-News (falsche oder irreführende Informationen, die bewusst verbreitet werden) spielten schon seit Beginn des Wahlkampfs der Kandidaten Donald Trump und Hillary Clinton Anfang Jahr eine Rolle und erreichten Millionen Facebook-Nutzer. In den letzten Wochen vor dem 8. November aber übertrafen sie wahre News punkto Reichweite sogar.

Die 20 Fake-Stories über Clinton oder Trump, die sich am stärksten viral verbreiteten, wurden insgesamt über 8,7 Millionen Mal geteilt, geliked und kommentiert. Die 20 erfolgreichsten Artikel von renommierten Zeitungen wie der «New York Times» oder «Washington Post» kamen nur auf gut 7,3 Millionen Interaktionen.

Wie viele falsche und irreführende Informationen parteiische Facebook-Seiten verbreiten und wie sie damit Wähler manipulieren, zeigte Buzzfeed News schon in einer anderen Studie. Demnach werden ausgerechnet die Artikel derjenigen Seiten am meisten geteilt und kommentiert, die sich am wenigsten an die Wahrheit halten – eine Erkenntnis, die sich auch in der neuen Untersuchung bestätigte.

Bei der Hälfte der erfolgreichsten zehn Facebook-Artikel in den drei Monaten vor der Wahl handelte es sich um Falschinformationen. Die Story, die am meisten Interaktion aufwies und damit die grösste Reichweite erzielte, war eine Meldung über Papst Franziskus, der sich in einem offiziellen Statement als Unterstützer Trumps geoutet haben soll. Die frei erfundene Geschichte wurde 960’000-Mal geteilt, geliked und kommentiert.

Die dafür verantwortliche Seite «Ending the Fed» schaffte es noch mit zwei weiteren Posts in die Top 10 der erfolgreichsten Facebook-Artikel. Diese verbreiteten beide ebenfalls falsche und irreführende Informationen.

17 der untersuchten 20 Fake-News waren pro Trump oder anti Clinton. Es ist durchaus denkbar, dass die Negativkampagne auf Facebook das Bild vieler Amerikaner von der demokratischen Präsidentschaftskandidatin verschlechterte oder deren Wahlverhalten beeinflusste.

Buzzfeed News bezeichnet parteiische Facebook-Seiten als «neue und mächtige Kraft in der amerikanischen Politik». Und auch das «New York Times Magazine» stellte kürzlich einen steigenden Einfluss von Facebook im Wahlkampf fest.

«Fake-News schossen auf unserer Plattform wie Pilze aus dem Boden.»Mitarbeiter von Facebook

Nachdem Facebook-CEO Mark Zuckerberg die Bedeutung von Falschmeldungen auf seiner Plattform lange heruntergespielt hatte, gab er in einem Statement vom 13. November zu, dass seine Firma noch mehr dagegen unternehmen könne. Laut Buzzfeed News wurde inzwischen eine interne Taskforce eingesetzt, um dem Problem Herr zu werden. «Fake-News schossen auf unserer Plattform während des gesamten Wahlkampfs wie Pilze aus dem Boden», liess sich ein Mitarbeiter der Gruppe zitieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.11.2016, 16:31 Uhr

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