Börsen präziser als Umfragen

Die Wahlbörsen von SRG und Politikprognosen.ch haben den Wählerverlust der SVP vorausgesehen – und mehr.

Falsch prognostiziert: Das SRG-Wahlbarometer sah für die SVP zu hohe Wähleranteile voraus.

Falsch prognostiziert: Das SRG-Wahlbarometer sah für die SVP zu hohe Wähleranteile voraus. Bild: TA-Grafik ib

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Der Wähleranteil der SVP sinkt, statt zu steigen. Die FDP verliert zwar, bricht aber nicht völlig ein. Diese Ergebnisse haben viele überrascht – nicht zuletzt alle diejenigen, die ihre Erwartungen auf Meinungsumfragen gestützt haben. Das letzte SRG-Wahlbarometer des Forschungsinstituts GfS Bern prognostizierte einen SVP-Wähleranteil von 29,3 Prozent (siehe Grafik), das Institut Isopublic ging von 28,2 Prozent aus. Herausgekommen sind am Ende 26,6 Prozent – also 2,3 Prozent weniger als 2007.

Diesen Trend korrekt vorausgesehen haben im Gegensatz zu den Umfragen zwei sogenannte Wahlbörsen. Diese funktionieren wie herkömmliche Börsen – allerdings mit dem Unterschied, dass anstelle von Firmenaktien die Aktien von Parteien gehandelt werden (TA vom 14. 10.). Zum einen ist dies die seit 2007 betriebene Wahlbörse der SRG, zum anderen diejenige des Unternehmens Politikprognosen.ch. Die beiden Börsen sagten nicht nur den SVP-Wählerverlust korrekt voraus, sie lagen auch insgesamt näher bei den effektiven Ergebnissen als die Umfragen.

SRG-Börse schon 2007 genau

Im Durchschnitt lag die SRG-Wahlbörse pro Partei 0,8 Prozent vom tatsächlichen Resultat entfernt – und war damit am präzisesten. Politikprognosen.ch weist mit 1,25 Prozent ebenfalls eine geringere durchschnittliche Abweichung pro Partei auf als die Forschungsinstitute GfS (1,7 Prozent) und Isopublic (1,8 Prozent).

Dass die Präzision der Börsen kein Zufall ist, zeigen Vergleiche mit früher. Schon bei den Nationalratswahlen 2007 prognostizierte die SRG-Börse die Ergebnisse am präzisesten. 2003 lag die Wahlbörse der «SonntagsZeitung» – damals die erste ihrer Art – genauer beim Schlussresultat als die Meinungsforscher von GfS und Isopublic mit ihren Umfragen.

Man hätte sich das Wahlbarometer sparen können

Was aber ist der Grund für die Präzision? «Wer an einer Wahlbörse aktiv teilnimmt und mit Parteiaktien handelt, informiert sich detailliert, auf welchem Niveau die möglichen Wähleranteile liegen könnten», sagt Norbert Kurz, Projektleiter der SRG-Börse. Die Abweichung von 0,8 sei ein «sehr gutes Resultat». Laut Kurz ist der Betrieb der Börse «insgesamt sicher günstiger als Umfragen oder Hochrechnungen». Die SRG hätte sich das Wahlbarometer des GfS also unter Umständen sparen können.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2011, 08:55 Uhr

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