Wahlen 2011
«Ich bin Feministin»
Von Jan Derrer, Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 30.09.2011 28 Kommentare
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Claudine Esseiva empfängt das Wahlmobil-Team von Tagesanzeiger.ch/Newsnet in ihrem Elternhaus. Die Generalsekretärin der FDP-Frauen und Nationalratskandidatin im Kanton Freiburg erlangte auf denkbar unorthodoxe Art Berühmtheit. In einer Kampagne, die für mehr Frauen in der männerlastigen Teppichetage wirbt, liess sich Claudine Esseiva ohne Oberteil, dafür aber mit einem Schild vor der Brust ablichten. Die Botschaft: «Nicht mehr oben ohne».
Für diesen Beitrag musste die bürgerliche Politikerin harsche Kritik einstecken. Trotzdem würde Esseiva sich wieder ausziehen. Die Gleichstellung ist, so führt sie aus, kein Thema, das in der Öffentlichkeit auf grosses Interesse stösst. Das Bild, das zugegebenermassen nichts Anrüchiges zeigt, sollte augenzwinkernd Aufmerksamkeit erregen. Schliesslich stecke hinter dem Oben-ohne-Plakat eine substantielle Forderung.
«Männer sind nicht blöd»
Ihr Ziel, eine mediale Plattform für die Genderdiskussion zu erhalten, habe sie erreicht. Deshalb könne sie auch mit der Kritik an der Kampagne und an ihrer Person gut umgehen. Dennoch: «Als Bastien Girod splitternackt durch die Medien flitzte, warf ihm das niemand vor. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Äusserlichkeiten bei Frauen und Männern bewertet werden.»
Im Gegensatz zu manchen Kolleginnen verzichtet die FDP-Politikerin deshalb jedoch nicht auf Minirock und High Heels: «Warum sollte ich meinen Kleiderstil einem Diktat unterwerfen? Ich liebe Mode und fühle mich in schönen Kleidern gut. Es ist nicht mein Problem, wenn sich ein Mann von einem Rock verwirren lässt. Und schliesslich sind Männer ja nicht blöd. Sie merken sehr wohl, ob eine Frau einfach hübsch oder auch intelligent ist.»
Schuld an Esseivas Eintritt in die Politik waren ausgerechnet zwei Männer: Ihr kleiner Bruder und – Blocher, erzählt die lebhafte Freiburgerin. Als dieser in den Bundesrat gewählt wurde, habe sie sich fürchterlich darüber aufgeregt, dass nunmehr nur noch eine Frau in der Exekutive vertreten war. Ihr Bruder habe ihr daraufhin am Küchentisch vorgeworfen, sie solle doch etwas tun, anstatt nur zu «motzen».
Den Beitritt in eine der linken Parteien, die die Gleichstellungsforderung monopolisiert haben, kam für die selbstständige Unternehmerin jedoch nicht infrage: «Ich bin gegen die staatliche Regulierung, auch in Frauenfragen. Es ist nicht Sache der Politik, den Bürgern etwas aufzuzwingen. Frauen und Männer müssen selber etwas ändern wollen.»
Investitionsbilanz
Aber es müsse zum Beispiel steuerliche Anreize für die externe Kinderbetreuung geben: «Es ist keine gute Investitionsbilanz, wenn wir an den Universitäten Frauen ausbilden, die sich dann zwischen Kind und Beruf entscheiden müssen, weil ein Krippenplatz oder eine Tagesmutter gleich viel kostet, wie sie verdienen.»
Auf die Frage, ob sie sich als Feministin sieht, antwortet die bürgerliche Politikerin mit einem deutlichen Ja: «Unsere Mütter waren Opfer, die keine Rechte hatten. Aber wir sind das heute nicht mehr. Wir können und müssen unsere Rechte einfordern. Die wichtigste Errungenschaft der Gleichberechtigung ist die Selbstbestimmung.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2011, 08:06 Uhr
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28 Kommentare
Erstaunlich, dass eine Politikerin sich heute noch als Feministin bezeichnen kann, ohne befürchten zu müssen, damit ihre Wahlchancen zu verringern. Der Feminismus ist längst disqualifiziert als sexistische, männerfeindliche Ideologie. Frau Esseiva könnte genau so gut sagen "Ich bin Rassistin". Bin gespannt, ob sie genügend Frauenstimmen auf sich vereinen kann. Männerstimmen wird sie kaum erhalten. Antworten
Der Tagesanzeiger scheint sich stillschweigend der Kampagne "mehr Frauen in die Politik" angeschlossen zu haben. Es fällt schon auf, wie viele Frauen Besuch von diesem Wahlmobil erhalten, verglichen mit dem Verhältnis der Kandidaten zu Kandidatinnen. Antworten

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