Wahlen 2011

Die Schweiz wählt

Alles zu den National- und Ständeratswahlen vom 23. Oktober 2011

«Eine gewaltige Lobbying-Offensive»

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 23.09.2011 125 Kommentare

Die SRG sendet zwei Wochen lang vom Bundesplatz aus. Neben der Berichterstattung zu den kommenden Wahlen verfolgt sie laut FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger noch ganz andere Ziele.

1/5 Die SRG verwandelt den Bundesplatz während zwei Wochen in ein Radio- und Fernsehstudio. Die Aktion «Treffpunkt Bundesplatz» dauert vom 19. bis 30. September, jeweils von Montag bis Freitag. Dabei kommen zahlreiche Parlamentarier und weitere Kandidierende in den provisorischen Studios zu Wort. Im Bild die TV-Moderatoren Kathrin Winzenried und Urs Leuthard.
Bild: Keystone

   

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National- und Ständeratswahlen vom
23. Oktober 2011: Alles zu den Top-Themen im Wahlkampf, Parteien und Kandidaten. Welcher Politiker passt am besten zu Ihnen? Nutzen Sie die Wahlhilfe im Dossier.

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«Wir nennen keine Zahl»

Zwei Wochen lang verwandelt die SRG den Berner Bundesplatz in ein Radio- und Fernsehstudio, wie das Unternehmen mitteilt. Die Aktion «Treffpunkt Bundesplatz» dauert jeweils von Montag bis Freitag, dabei kommen zahlreiche Politiker und Kandidierende in den provisorischen Studios zu Wort. Das Ziel sei auch die Begegnung von Bevölkerung, Politik und Medien, heisst es. Die Sendungen werden im Fernsehen und im Radio ausgestrahlt, in dieser Zeit werden auch Sendungen wie die klassische «Arena» und «Espresso» auf DRS 1 auf dem Bundesplatz produziert.

Über die Kosten gibt das Schweizer Fernsehen keine Auskunft. «Ich nenne keine Zahl, aber ein Teil der Sendungen ist über das ordentliche Budget finanziert. Wir können die Infrastruktur sehr gut auslasten. Aber am Schluss bleiben Mehrkosten», sagte Chefredaktor Diego Yanez im Interview mit der «SonntagsZeitung». (blu)

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Herr Leutenegger, die SRG besetzt zwei Wochen lang den Bundesplatz. Nervt das die Parlamentarier?
Es gibt schon solche, die sich darüber aufregen und es für völlig übertrieben halten, den ganzen Platz zu besetzen. Aber andererseits lehnt auch kein Politiker den Auftritt bei dieser Aktion ab. Sie sind im Wahlkampf auf Medienpräsenz angewiesen.

Und die SRG ist auf die Politiker angewiesen. Nützt das Lobbying?
Natürlich, eine solche Aktion, bei der jeder drankommt und vorkommt, zahlt sich am Schluss für die SRG aus. Es geht um viel, in den nächsten Jahren stehen in der Politik wichtige Entscheide an, welche die SRG betreffen. Beispielsweise die Frage, ob die SRG online Werbung schalten kann. Es geht auch um die flächendeckende Haushaltsabgabe. Die Aktion auf dem Bundesplatz ist eine gewaltige Lobbying-Offensive, und es ist ganz klar das Ziel von SRG-Direktor Roger de Weck, die Politiker für sich einzunehmen und Präsenz zu markieren. Auch de Wecks Vorgänger Armin Walpen wollte eine solche Aktion, ich habe das aber damals als SF-Chefredaktor abgelehnt. Der finanzielle Aufwand war meiner Ansicht nach völlig unverhältnismässig in Bezug auf den publizistischen Mehrwert. Man sprach damals von Zusatzkosten von über einer Million Franken.

Das Lobbying wirkt also, sagen Sie. Dann ist das Parlament grossmehrheitlich der Meinung, die SRG müsse gestärkt werden?
Das Problem ist mehr, dass die meisten Politiker die Mechanismen im Medienmarkt nicht immer durchschauen. Private Medien müssen ihre Mittel so effizient wie möglich einsetzen. Die SRG hingegen kann jederzeit mit der grossen Kelle anrichten, und die Infrastruktur auf dem Bundesplatz ist sehr teuer.

Unterstützen die Politiker die SRG auch, um in deren Medien zu Wort zu kommen?
Interessanterweise kommen die grössten Kritiker in den SRG-Medien mehr zu Wort als die stillen SRG-Sympathisanten. Aber es gibt viele Politiker, die bemängeln, dass sie zu wenig Präsenz haben. Doch da muss jedes Medium eine Auswahl treffen. Was immer beobachtet wird, ist, dass Journalisten von der einen politischen Seite die Lieblinge nehmen und von der anderen die unsympathischen Vertreter.

Abgesehen vom Lobbying-Vorwurf – finden Sie die Aktion «Treffpunkt Bundesplatz» publizistisch gut?
Hier ist die SRG frei zu machen, was sie für richtig hält. Aber persönlich halte ich das Konzept für fragwürdig. Der Wahlkampf findet in den Regionen statt, nicht in Bern. Wenn ich Wahlkampf mache, muss ich mit den Leuten in meiner Gemeinde und in meinem Kanton in Kontakt kommen. Der «Kontakt mit der Bevölkerung», wie ihn die SRG anpreist, beschränkt sich auf Passanten aus Bern, die in Bern wohnen und dort wahlberechtigt sind. Problematisch finde ich die Sondersendungen über Kantone. So gibt es am 30. September eine Sendung über Zürich, die in Bern stattfindet. Gleichzeitig haben wir Studios in Zürich. Es ist der Versuch, eine nationale Einheit publizistisch darzustellen, die es so nicht gibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2011, 12:49 Uhr

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125 Kommentare

Thomas Muster

23.09.2011, 13:15 Uhr
Melden 110 Empfehlung

Billag kürzen! Wir brauchen kein sozialistisches Volkserziehungsmedium.
Wie "ausgewogen" das de Wecksche Rotsocken-TV ist, konnte man an der Auswahl der Zuschauerzuschriften in der "Wahlarena: Zuwanderung" beobachten:
Etwa 3 von 5 Voten waren persönliche Angriffe auf Blocher und der Rest drückte selbstverständlich keine Besorgnis über die starke Zuwanderung aus.
Propaganda vom Feinsten.
Antworten


Daniel Maier

23.09.2011, 13:16 Uhr
Melden 98 Empfehlung

Die SRG muss privatisiert werden, dann muss sie sich das Geld selbst suchen, und nicht mehr die Konzessionäre abzocken. Wer braucht schon die SRG? Antworten