Amag auf Crashkurs mit dem Konsumentenschutz

Wegen des Abgasskandals kritisiert die Stiftung für Konsumentenschutz den VW-Importeur. Amag stelle sich quer, eine Lösung für geschädigte Autobesitzer zu finden.

Das Problem ist die Software: Leitungen und Verkabelung eines TDI-Motors aus den Volkswagen-Werken. Foto: Miles Willis (Bloomberg)

Das Problem ist die Software: Leitungen und Verkabelung eines TDI-Motors aus den Volkswagen-Werken. Foto: Miles Willis (Bloomberg)

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Die Rückrufaktion bei VW scheint langsam in die Gänge zu kommen. In der Schweiz sind seit Anfang Februar bis jetzt 500 Pick-up-Fahrzeuge des Typs VW Amarok nachgerüstet worden. Als Nächstes sind der Passat an der Reihe sowie weitere Modelle mit dem 2-Liter-TDI-Motor. Insgesamt gibt es in der Schweiz 175'000 Fahrzeuge aus dem VW-Konzern, die manipuliert wurden, damit sie bei der Messung auf dem Prüfstand bessere Abgaswerte erzielen. Rund 45'000 der betreffenden Autos sind direkt importiert, die anderen sind über die offizielle VW-Vertretung in die Schweiz gelangt. Dort, bei der Firma Amag, äussert man sich zufrieden mit dem Fortschritt. Ganz anders tönt es bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Zusammen mit den Schwesterorganisationen in der Westschweiz und dem Tessin hat die SKS kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals beim Volkswagenkonzern Gespräche mit dem VW-Importeur aufgenommen. Mit dem Ziel, eine Pauschallösung auszuhandeln für die Kunden, die durch den Abgasskandal einen konkreten Schaden erlitten haben, wie Geschäftsleiterin Sara Stalder erklärt. Seit dem letzten Oktober habe es drei Treffen gegeben, zig Telefongespräche und Dutzende Mails. Doch jetzt bricht die Konsumentenschutzorganisation den Dialog ab. «Amag sperrt sich gegen eine unbürokratische Entschädigung betroffener Kunden. Dieses Verhalten ist aus unserer Sicht nach einem solchen Vorfall beschämend», sagt Stalder.

Wer kommt für Einbussen auf?

Amag stellt sich auf den Standpunkt, dass die betroffenen Fahrzeuge «mit einem relativ geringen Aufwand nachgebessert werden können», wie Sprecher Livio Piatti in einer Stellungnahme schreibt. Für die Motoren mit Hubräumen von 1,2 Litern, 1,6 Litern und 2 Litern gibt es ein Software-Update, das in weniger als einer halben Stunde Arbeitszeit erledigt ist. Beim 1,6-Liter-Motor muss zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut werden, was zusammen mit dem Software-Update knapp 45 Minuten beanspruche. Zudem seien die Autos «jederzeit technisch sicher und fahrbereit und können ohne Einschränkung genutzt werden».

Den Konsumentenschutzorganisationen hatte Amag Geld in Aussicht gestellt, damit diese ihre Mitglieder für Leistungstests der betroffenen Fahrzeuge nach dem Update zu dem auf solche Überprüfungen spezialisierten Dynamic Test Center in Biel schicken können. Mit dem Versprechen, bei Auffälligkeiten weitere Untersuchungen durchführen lassen zu können. Und Ersatzfahrzeuge für die Dauer des Tests zur Verfügung zu stellen. Dieses Angebot weist Konsumentenschützerin Stalder als untauglich zurück: «Dass Amag Leistungstests anbietet, aber die Testkriterien selber bestimmen will, können wir nicht akzeptieren.» Sie kritisiert, dass nicht vorgesehen sei, auch den Verbrauch des Fahrzeuges nach der Umstellung zu prüfen.

«Kein Anstieg des Verbauchs»

Bei Amag argumentiert man, dass im Anschluss an die Nachbesserung auf den Prüfständen und bei Testfahrten über mehrere Tausend Kilometer kein Anstieg des Verbrauchs festgestellt worden sei. «VW und Amag stehen zum Kundenversprechen, dass sich die Eigenschaften der Fahrzeuge nach dem Software-Update nicht nachteilig verändern, und werden weiterhin kooperativ mit den Behörden zusammenarbeiten», meldet sich Sprecher Piatti vom gerade in Genf stattfindenden Auto-Salon.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Amag und Konsumentenschutz ist das Vorgehen, wenn ein Kunde einen Schaden geltend machen will. Beispielsweise für den Fall, dass ein Autobesitzer sein Fahrzeug nur mit einem Verlust gegenüber dem üblichen Zeitwert wieder verkaufen könnte. Hier verspricht Amag, in konkreten Fällen Unterstützung zu bieten, und fordert Kunden auf, sich direkt ans Unternehmen zu wenden. Man biete «marktkonforme Eurotax-Eintauschpreise». Konsumentenschützerin Stalder vermutet Kalkül hinter diesem Vorgehen: «Amag scheint Schadenersatzzahlungen ausweichen zu wollen.»

«Hohe Kundenzufriedenheit»

Amag ist überzeugt, dass das eigene Vorgehen «eine hohe Kundenzufriedenheit ermöglichen» werde. Und stellt auch Abhol- und Bringdienste während des Werkstattaufenthaltes in Aussicht.Konsumentenschützerin Stalder findet solche Angebote unzureichend. Ihr schwebt eine Goodwill-Prämie vor. Sie weist darauf hin, dass dies auch Amag nützen könnte: «Ein kulantes Vorgehen für alle betroffenen Kunden könnte Amag weiteren Imageschaden durch den Abgasskandal ersparen», argumentiert sie. Hier weist Amag darauf hin, dass man als Importeur diese Entscheidung nicht alleine fällen könne. «Der Hersteller definiert die entsprechenden Massnahmen.» Dass dies vor allem auch ein Kostenfaktor ist bei weltweit 11 Millionen betroffenen Fahrzeugen, liegt auf der Hand.

Zum Abbruch der Verhandlungen mit dem Konsumentenschutz reagiert Amag-Sprecher Livio Piatti mit Unverständnis: «Wir haben den bisherigen Austausch als konstruktiv wahrgenommen und stehen als Ansprechpartner weiterhin zur Verfügung.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 04.03.2016, 08:41 Uhr)

Heisse Phase beim RückrufQuartalsweise Nachbesserung

In der Schweiz kommt die Rückrufaktion für rund 175 000 Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten in eine entscheidende Phase. Nachdem bis jetzt 500 Pick-ups des Typs VW Amarok umgerüstet wurden, sind als Nächstes die Passat-Modelle und weitere Fahrzeuge mit dem 2-Liter-TDI-Motor an der Reihe. Voraussetzung ist jeweils, dass das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zuerst bestätigt, dass durch die technischen Massnahmen keine Veränderung der Verbrauchswerte, Leistungsdaten sowie der CO2- und Geräuschemissionen feststellbar ist. VW-Importeur Amag geht davon aus, dass Ende des zweiten Quartals mit der Nachbesserung bei den 1,2-Liter-Motoren begonnen werden kann. Ab dem dritten Quartal soll dann der Rückruf für die Fahrzeuge mit 1,6-Liter-Motoren beginnen, bei denen auch ein Bauteil eingesetzt werden muss.

Sobald die Software für die Nachbesserung des jeweiligen Fahrzeuges vorliegt und von den Behörden freigegeben ist, werden die betroffenen Fahrzeughalter von der Amag informiert. Die Benachrichtigung erfolgt mit einem offiziellen, mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) abgestimmten Rückrufschreiben. Darin werden sie aufgefordert, umgehend einen Termin mit «einem frei zu wählenden offiziellen Partnerbetrieb ihrer Automarke zu vereinbaren». (map)

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