Amazon macht auf Migros

Der amerikanische Onlinehändler geht einmal mehr traditionelle Wege. In Seattle lancierte er einen Lieferwagen, der Produkte verteilt.

Amazons Treasure Truck: Der Lieferwagen des Onlinehändlers erinnert an den früheren Migros-Wagen.

Amazons Treasure Truck: Der Lieferwagen des Onlinehändlers erinnert an den früheren Migros-Wagen. Bild: pd

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Erinnern Sie sich an den Migros-Wagen? Der Kastenwagen mit dem orangen M tauchte während Jahrzehnten in den Quartieren auf und ersparte den Konsumenten den Gang in die Geschäfte. Vor knapp acht Jahren rollten die Migros-Filialen auf vier Rädern zum letzten Mal über Schweizer Strassen.

Genau einen solchen Lieferwagen lancierte nun Onlinehändler Amazon. Der US-Konzern schickt seit wenigen Tagen seinen Treasure Truck durch die Heimatstadt Seattle – in altmodischem Look, aber mit digitalem Banner versehen. Das Konzept weicht von der Migros-Filiale freilich etwas ab.

Schnäppchenjäger angesprochen

Der Lastwagen transportiert täglich eine limitierte Anzahl eines einzigen Produkts. Die Kunden können via Amazons Mobile App bestellen und die Waren an einem bestimmten Ort abholen. Amazon sprach von der Lieferwagenidee bereits im letzten Sommer. Die Umsetzung dauerte nun aber offenbar länger.

Der Truck ist vorderhand eine Marketingidee. Die Leute müssen schnell zugreifen, um sich das Produkt zu sichern. Das erste Produkt, eine Videokamera, soll innert einer Stunde nach Verkaufsankündigung ausverkauft gewesen sein, wie Arik Hesseldahl von «Recode», einer auf Technologie-News spezialisierten News-Site, schrieb.

Erst der Anfang

Der Lieferwagen ist der jüngste Ausflug des Onlinehändlers in die physische Detailhandelswelt – aber bei weitem nicht der einzige. Erst vor wenigen Monaten lancierte Amazon ebenfalls in seiner Heimatstadt ein stationäres Buchgeschäft. Und das soll erst der Anfang sein.

Kürzlich gab ein US-Kaufhausbetreiber an, Amazon wolle Hunderte physische Geschäfte eröffnen. Eine offizielle Bestätigung gab es allerdings nicht. Klar ist aber, dass das Onlinewarenhaus mit seinen stationären Angeboten genau analysieren will, wie sich die Kunden in den verschiedenen Verkaufskanälen bewegen. Die stationären Detailhändler, welche noch pröbeln, wie sie ihre Geschäfte mit Onlineshops verlinken sollen – Cross- und Multi-Channel nennen sie das in der Fachsprache –, müssen sich also warm anziehen.

Bei der Migros gab es übrigens in der Zwischenzeit ein Comeback des Ladens auf vier Rädern. Sie setzte den M-Wagen als Marketinginstrument an Open Airs ein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.02.2016, 10:41 Uhr)

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