Arbeitszeit-Exzesse in Zürich? Durchsuchung bei Goldman Sachs

Der Bankpersonalverband zeigte die Schweizer Filiale von Goldman Sachs an. Jetzt herrscht dicke Luft zwischen den Branchenvertretern.

Bild: Felix Schaad, Tages-Anzeiger

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Vor zehn Tagen reichte die Direktorin des Schweizerischen Bankpersonalverbandes, Denise Chervet, eine Anzeige beim Amt für Arbeit und Wirtschaft des Kantons Zürich ein. Sie richtete sich gegen den Schweizer Hauptsitz der US-Investmenbank Goldman Sachs in Zürich. Was der Inhalt der unpublizierten Anzeige ist, wollte Chervet nicht verraten.

Gestern die Folgen: Der zuständige Arbeitsinspektor führte bei Goldman Sachs vor Ort eine Kontrolle durch. «Wir bestätigen eine heutige Kontrolle bei Goldman Sachs bezüglich Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Einhaltung der Arbeitszeiten einschliesslich der Arbeitszeiterfassung», sagte Peter Meier, Bereichsleiter Arbeitsbedingungen. Über die Resultate schwieg er sich aus. Kennern zufolge hat die Bank weder systematische Aufzeichnungen über die Arbeitszeit gemacht noch die gesetzlich vorgeschriebene Kompensation von Überzeiten. Damit verstiess sie mutmasslich gegen das Arbeitsgesetz.

Die Sprecherin der Bank, Monika Schaller, sagte nur «kein Kommentar» und wollte auch nicht ausführen, wie viele Mitarbeiter die Bank beschäftigt.

Arbeitsinspektor Meier ist gleichzeitig Präsident des Interkantonalen Verbandes für Arbeitnehmerschutz und hat sich wiederholt kritisch über die fehlenden Kontrollen in der Schweiz geäussert. Vor einem Jahr sagte er zum TA, im Modell der sogenannten Vertrauensarbeitszeit komme «der Missbrauch, dass Chefs ihren Angestellten überlange Arbeitseinsätze zumuten, tagtäglich vor». Das wirke sich «gesundheitlich erwiesenermassen negativ aus».

Statistiken zufolge arbeitet ein Sechstel aller Arbeitnehmer ohne Arbeitszeiterfassung. «Sie befinden sich in einem illegalen Zustand», sagte Luca Cirigliano, Jurist vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Der Direktor des Arbeitgeberverbandes der Banken, Balz Stückelberger, bezeichnete die Inspektion «als reine Schikane», denn in ein bis zwei Jahren werde der Bund eine neue Regelung in Kraft setzen.

Die Inspektion kommt rund drei Wochen nach dem Tod des 21-jährigen deutschen Praktikanten Moritz Erhardt in London bei der Investmentbank Bank of America Merrill Lynch. Er musste 100 Stunden die Woche arbeiten und starb wohl aus Erschöpfung. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.09.2013, 06:25 Uhr)

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