Bei Media-Markt verschwinden Papier-Preisschilder

Der Händler von Unterhaltungselektronik führt digitale Preisschilder ein. Das erlaubt, die Preise schneller anzupassen. Der Konsumentenschutz warnt vor steigender Unsicherheit.

Dieser Anblick ist bald passé: Media-Markt will die Preisschilder aus Papier durch Minibildschirme ersetzen.

Dieser Anblick ist bald passé: Media-Markt will die Preisschilder aus Papier durch Minibildschirme ersetzen. Bild: Martin Rütschi/Keystone

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Bei Onlineshops ist es bereits üblich: Die Preise ändern sich mehrmals täglich (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Die stationären Geschäfte können da nicht mithalten. Mit den Papierschildern auf Regalen und Produkten liegt die schnelle und ständige Preisanpasserei nicht drin.

In der Schweiz sind erst Händler wie Microspot und Digitec, die neben ihrem Hauptverkaufskanal Internet nur wenige Filialen oder Showrooms betreiben, so weit, die Preise auch stationär digital anzuzeigen. Die schnell ändernden Preise machen das nötig, sagt Microspot-B2B-Leiter Guido Portmann. Denn die Kunden haben kein Verständnis, wenn sie im Laden andere Preise vorfinden als im Webshop.

Media-Markt prescht vor

Mit solchen Preisdifferenzen hat auch Media-Markt zu kämpfen. Deshalb macht der Unterhaltungselektronik-Anbieter jetzt vorwärts. «Wir werden die digitalen Preisschilder Ende dieses Jahres in unserem Markt in Dietikon testen», bestätigt die Pressesprecherin. Ziel ist es, die digitalen Preisschilder bis Mitte 2015 in allen 25 Märkten einzuführen. «Wir wollen damit sicherstellen, dass bei Preisanpassungen die Kunden online wie in allen Märkten für die gleichen Produkte einheitliche Preise vorfinden», begründet die Sprecherin den Schritt. Es gehe aber auch darum, die Arbeit der Mitarbeiter zu erleichtern. «Diese brauchen sehr viel Zeit, um Preisschilder zu drucken.» Wie die Ausgestaltung genau aussieht, ist heute noch nicht klar. «Wie oft die Preise täglich angepasst werden, können wir heute noch nicht sagen», so die Sprecherin.

Dass bald auch die Preise von Broccoli, Brot und Milch mehrmals pro Tag schwanken, ist zwar noch nicht absehbar – zumindest in der Schweiz. Coop beobachtet die Entwicklung bei den digitalen Preisschildern, wie Sprecher Urs Meier sagt. Bei der Migros seien die Minibildschirme derzeit kein Thema, sagt Sprecherin Monika Weibel. Die Händlerin hatte die neue Technologie vor dem Wechsel von der Produkte-Preisauszeichnung auf die Regalpreise-Beschriftung geprüft, damals aber verworfen.

Kosten noch zu hoch

Die Zurückhaltung hat mit den Kosten zu tun. «Im Bereich der Lebensmittel, wo Aktionen im Wochenrhythmus stattfinden und die Margen tief sind, lohnen sich die hohen Investitionskosten noch nicht», sagt Malte Polzin, E-Commerce-Experte von Carpathia.

Doch die Preise könnten bald sinken. Denn in Deutschland erlebt die Digitalisierung der Preise in den Läden eine kleine Welle. Rewe ist daran, ihre 3300 Geschäfte mit den Minibildschirmen auszurüsten. Auch Edeka testet die Systeme. Und Media-Markt hat in Deutschland mit der Revolution an den Regalen bereits begonnen. Mit der Ausweitung dürften denn auch die Preise für die Systeme weiter sinken, erwarten Experten.

Auszahlen könnten sich die Preiscomputer für die Supermärkte allemal. Wie bei der dynamischen Preisgestaltung der Onlinehändler gewinnen die Unternehmen Flexibilität. Sie können die Preise schnell der Konkurrenz anpassen, auf schwankende Einstandspreise reagieren, zum Beispiel bei Früchten und Gemüse, sowie auf Nachfrage- und Absatzentwicklung reagieren. Und dies mehrmals täglich. Kurz: Mit der Preisänderung auf Knopfdruck lassen sich Umsatz und Gewinne optimieren.

Die Kunden verlieren Kontrolle

Weniger Freude an der erhöhten Flexibilität haben die Konsumentenschützer. Gegen digitale Preisschilder wäre an sich nichts einzuwenden, solange sich die angeschriebenen Preise nicht änderten, sagt Ivo Meli, Projektleiter bei der Stiftung für Konsumentenschutz. «Wir haben aber Bedenken, dass das System den Anreiz schafft, die Preise ständig nach oben und unten anzupassen, ohne dies der Kundschaft aktiv mitzuteilen», befürchtet Meli. Das schaffe Intransparenz und hohe Unsicherheiten. «Die Konsumenten haben an der Kasse keine Chance, die Preise zu überprüfen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 23.09.2014, 12:41 Uhr)

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