Wirtschaft
Die Chinesen schlagen in der Schweiz zu
Von Anita Merkt. Aktualisiert am 06.12.2012 208 Kommentare
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Verfolgt ehrgeizige Tourismuspläne in der Zentralschweiz: Der chinesische Multimillionär Yunfeng Gao. (Bild: SF)
Chinesische Touristen
Touristen aus China spielen für die Schweizer Tourismusindustrie eine immer wichtigere Rolle. In der Sommersaison 2012 von Mai bis Oktober besuchten rund 500'000 Chinesen die Schweiz. In absoluten Zahlen brachten es die Chinesen mit einem Plus von rund 100'000 Gästen auf die höchste Zuwachsrate. Weil sie für Luxusgüter in China hohe Importzölle bezahlen müssen, geben Chinesen und Chinesinnen im Ausland für Luxuswaren besonders viel Geld aus.
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Auch Basel würde gerne von chinesischen Touristen profitieren. Doch derzeit lassen die meisten Besucher die Stadt am Rhein links liegen. Chinesische Investoren wollen Basel jetzt zu einem grösseren Anteil am Touristenkuchen verhelfen. Nach Informationen von 20 Minuten planen sie ein Shoppingcenter, das vor allem auf die Bedürfnisse chinesischer Besucher ausgerichtet ist. Immerhin gibt laut Tourismus Monitor jeder chinesische Schweiz-Besucher im Schnitt 350 Franken am Tag aus, einen Grossteil davon für Luxusuhren und Luxusmarken wie Prada, Gucci, Swarowski und dergleichen.
Bisher zeigten sich chinesische Investoren vor allem an Hotels interessiert, in denen sich ihre Landsleute ganz wie zu Hause fühlen können. Jin Jiang, die grösste Hotelkette Chinas, will in Europa eine ganze Reihe von Hotels eröffnen. In der Schweiz plant die Gruppe die Übernahme oder den Bau eines Hotels in Luzern.
Ein Stück China in der Schweiz
In den Jin-Jiang-Hotels sollen Europa-Reisende aus China ein Stück Heimat finden, erklärte der deutschstämmige Jin-Jiang-Manager Bernold Schroeder der Agentur Bloomberg. Chinesischsprachiges Personal, chinesisches Ambiente und original chinesisches Essen sollen die Jin-Jiang-Hotels zu einer Komfortzone machen, in der sich die asiatischen Gäste besonders wohlfühlen. Und Mehrbettzimmer, in denen die geselligen Menschen aus dem Reich der Mitte gemeinsam mit ihren Reisegefährten übernachten können.
Die Idee, an den eigenen Landsleuten im Ausland zu verdienen, ist zwar pfiffig, aber nicht neu. Swissôtels garantieren Schweizer Reisenden rund um den Globus die heimatliche Ess- und Trinkpalette. Mövenpick-Hotels in Istanbul oder am Roten Meer sorgen dafür, dass Europäer sich nicht mit einem türkischen Frühstück oder ägyptischen Toilettenstandards zufriedengeben müssen.
Fürsorglicher Arbeitgeber
Ein chinesisches Shoppingcenter in Basel gibt zu reden, ist aber vorerst lediglich in Planung. Yunfeng Gao ist mit seinen Hotelprojekten in Engelberg und Melchsee-Frutt schon sehr viel weiter. Die anfängliche Skepsis der Einheimischen ist freundlichem Entgegenkommen gewichen. Zumindest bei denjenigen, die den chinesischen Industriellen, der mit Lasertechnologie ein Vermögen verdient hat, persönlich kennengelernt haben. Der Bauunternehmer Toni Bucher ist mit Yunfeng inzwischen eng befreundet. Vor zwei Wochen verkaufte er das Fünfsternehotel Frutt Lodge und Spa an Yunfeng. Auch an Buchers Baufirma Eberli ist Yunfeng inzwischen mit 33 Prozent beteiligt.
«Ich habe mit Yunfeng Gao sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Bucher gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Alle Mitarbeiter, die ihn kennen, finden, er sei ein guter Typ.» Bucher hat Yunfeng in China besucht und bezeichnet den fünfhundertfachen Millionär als «vorbildlichen Arbeitgeber, der sehr gut für seine Mitarbeiter sorgt». Als er den Europäischen Hof in Engelberg übernommen habe, habe Yunfeng sich vor die Mitarbeiter gestellt und sie offen mit seinen Plänen vertraut gemacht. Für Obwaldner, die sich noch immer gegen den Verkauf von Hotels an den fremdländischen Investor wehren, hat Bucher kein Verständnis.
Wichtig für die Region
«Es geht darum, die Region Obwalden nicht sterben zu lassen», erklärt Bucher. «Jeder Banker läuft Ihnen davon, wenn Sie für den Kauf eines Hotels einen Kredit aufnehmen wollen», so der Bauunternehmer. Dass Yunfeng 100 Millionen Franken investieren wolle, um aus dem Europäischen Hof ein Fünfsternehotel zu machen, sichere in der Region Arbeitsplätze und sei eine gute Sache.
«Und wenn die Chinesen nicht hierherkämen, was meinen Sie, wie es dem Schweizer Tourismus und der Uhrenindustrie gehen würde?», sagt Bucher. Die chinesische Nachfrage nach Schweizer Uhren ist so gross, dass chinesische Investoren auch auf Schweizer Uhrenmarken ein Auge werfen. Allerdings handle es sich dabei in der Regel um Privatunternehmen, sodass über Verhandlungen und Beteiligungen kaum etwas an die Öffentlichkeit gelange, sagt der KPMG-Merger-and-Acquisitions-Experte James Carter.
Interesse an Uhrenmarken
Im März 2012 kaufte die chinesische Haidian-Holding die Westschweizer Uhrenmanufaktur Eterna, die zuvor von der Porsche-Gruppe übernommen worden war. Für seine in China produzierten Uhren der Marken Ebohr und Rossini erwirbt Haidian schon seit langem Schweizer Uhrwerke. Gemäss dem Uhrenmagazin «Europastar» ist die Kultur der Schweizer Uhrenmacher mit derjenigen chinesischer Investoren nicht immer kompatibel.
Eine europäische Firmenkultur soll jedoch auch in den Firmensparten der OC Oerlikon gewahrt bleiben, die am Dienstag an chinesische Investoren verkauft wurden. Insgesamt 3800 Mitarbeiter der Sparten Textilmaschinen und Komponenten gehören künftig zu chinesischen Jinsheng Gruppe. Der frühere Saurer-Chef Heinrich Fischer wird weiter den Verwaltungsrat präsidieren. Neben ihm werden drei weitere Europäer und drei Chinesen den Verwaltungsrat bilden. Die Manager beider Kulturen werden miteinander sicher horizonterweiternde Erfahrungen machen.
Swissmetal-Werk in Reconvilier
Die Zukunft des Swissmetal-Werks in Reconvilier ist inzwischen so aussichtslos, dass sich um kulturelle Unterschiede keiner mehr Gedanken machen möchte. Die chinesische Baoshida-Gruppe interessiert sich seit langem für den Kauf der beiden Werke in Reconvilier und Dornach. Doch viel weitergekommen sind die Verhandlungspartner seit dem Sommer nicht.
Bürgermeister Flavio Torti wäre über einen Einstieg der Chinesen sehr froh. Dem Werk in Reconvilier droht nach wie vor die endgültige Schliessung. Swissmetal befindet sich in Liquidation. «Wir hoffen einfach, dass es zwischen den chinesischen Investoren und den Eigentümern zu einer Einigung kommt», sagt Torti zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Wenn die Baoshida-Gruppe das Werk übernimmt, kann der Bürgermeister hoffen, dass mehr als hundert Arbeitsplätze in seiner Gemeinde erhalten bleiben.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.12.2012, 10:51 Uhr
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208 Kommentare
Dieses Engagement wird man eines Tages bereuen. Schon der Grosseinkauf der reichen Araber wird zu einer schweren Last werden. Diese Volker ticken voellig anders und der Preis fuer zukuenftiuge Generationen wird unbezahlbar sein! Ich sehe das hier in Afrika. Es ist der neue Kolonialismus, der vermutlich viel schlimmer werden wird als vor 100 Jahren! Antworten
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