Wirtschaft

Die Flucht des Luxuskönigs

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 25.01.2013 124 Kommentare

Bernard Arnault, Patron des Pariser Louis-Vuitton-Konzerns, hat sein Kapital in einer jahrelangen Operation nach Belgien verlegt. Die Franzosen sind konsterniert.

Welt der Schönen und Reichen: Bernard Arnault und seine Frau Helene (links von ihm) an den Pariser Fashion Week. Foto: Pascal Le Segretain (Getty Images)

Welt der Schönen und Reichen: Bernard Arnault und seine Frau Helene (links von ihm) an den Pariser Fashion Week. Foto: Pascal Le Segretain (Getty Images)

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Er ist der König des «Made in France», der grösste Fabrikant von Haute Couture und Handtaschen, von Uhren und Schmuck, von Parfüm, Champagner, Likören und Wein. Die immer noch wachsende Lust der Welt an den Schönheiten und Köstlichkeiten Frankreichs haben Bernard Arnault zum Multimilliardär gemacht, zum reichsten Franzosen und einem der reichsten Menschen des Planeten. Doch offenbar fühlt sich der 63-jährige Inhaber des Luxuskonzerns Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) wohler in Belgien. Die Pariser Tageszeitung «Libération» publizierte am Donnerstag auf ihren ersten drei Seiten eine Recherche zu Arnaults offenbar geduldig über sieben Jahre gespannte Finanzoperation, an deren Ende ein Grossteil seines Kapitals aus dem Weltimperium in eine belgische Stiftung geflossen ist.

Die Geschichte ist deshalb politisch und moralisch brisant, weil man bisher dachte, dass Arnault aus Protest gegen Präsident François Hollandes Reichensteuer der Heimat den Rücken kehre. Ähnlich wie Gérard Depardieu, den es zunächst ebenfalls nach Belgien zog, bevor er nun auf Einladung Wladimir Putins in Russland ein Haus baut. Im September war bekannt geworden, dass der Nordfranzose Arnault, der das Unternehmen seines Vaters Jean zu einem Weltkonzern mit fast 90'000 Angestellten umbaute, in Uccle, einem schicken Vorort von Brüssel, ein Haus gekauft habe. Die Franzosen waren irritiert: Das Ganze schrie nach Steuerflucht – und das ausgerechnet in der Krise, da allen Bürgern Opfer abverlangt würden.

Ein rabiater Jäger

Arnault beteuerte darauf, er behalte seinen Steuersitz in Frankreich, fühle sich Belgien aber sehr nahe. Die Gemüter vermochte er nicht zu besänftigen: Im Volk geniesst der reservierte Mann nur wenig Sympathie, was wohl auch daher rührt, dass er bei der Jagd auf erfolgreiche Marken jeweils recht rabiat zur Sache geht. Der epische Kampf um den Familienbetrieb Hermès, ein Juwel «Made in France» mit zweistelligen Wachstumsraten, ist dafür nur das jüngste Beispiel. Noch weniger verstanden die Franzosen aber, als vor einigen Monaten publik wurde, dass der Unternehmer auch die belgische Staatsbürgerschaft beantragt habe. Zwar hatte er damit bisher keinen Erfolg, doch es läuft ein Rekurs.

«Casse-toi, riche con!», titelte «Libération» damals auf der Frontseite, «Hau ab, reicher Depp!», was ihr eine Klage Arnaults eintrug. Aus ihrem Dossier geht nun hervor, dass der Multimilliardär vor allem besorgt ist um seine Nachfolge und die Zukunft der Familienholding Groupe Arnault, in der die Kontrollmehrheit am Konzern zusammengefasst ist. Sollte Arnault in den nächsten zehn Jahren sterben, würden alle Aktien der Familie, die er mittlerweile nach Belgien verschoben hat, in eine Stiftung übergeleitet und dort bleiben, bis 2023 auch das jüngste seiner fünf Kinder aus zwei Ehen das 25. Lebensjahr erreicht hat. Seine zwei erwachsenen Kinder aus erster Ehe, Delphine und Antoine, sitzen bereits seit einigen Jahren im Verwaltungsrat des Konzerns. Will er seinen Nachkommen hingegen schon zu Lebzeiten ein bisschen Kapital schenken, dann wäre das in Belgien, wo dafür bei Stiftungen nur 3 Prozent Steuern anfallen, viel billiger als in Frankreich.

Zu Sarkozys Zeiten begonnen

Geht es am Ende allein darum? Jedenfalls bastelt Arnault schon sehr lange an seinem belgischen Abenteuer – viel länger, als es den politischen Gegnern des angeblichen Reichenschrecks Hollande lieb ist. Der König des Luxus brachte sein Kapital zu einer Zeit aus dem Land, als sein enger Freund Nicolas Sarkozy an der Macht war. Und der ging wegen einer Serie von Steuerprivilegien für die Begüterten auch als «Président des riches» in die Annalen ein, als Präsident der Reichen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2013, 10:54 Uhr

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124 Kommentare

john morgan

25.01.2013, 11:16 Uhr
Melden 463 Empfehlung 105

steuern ist ja gut und recht, aber die französischen steuersätze grenzen doch nahe an diebstahl! Antworten


Peter Kaegi

25.01.2013, 11:01 Uhr
Melden 382 Empfehlung 26

Für die Gurke fand die EU sofort eine Regelung, in der Steuerharmonisierung ist nun die echte Saure-Gurkenzeit ausgebrochen, dies paradoxerweise noch im Stammsitzland der EU. Das nennt man Ironie des Schicksals. Antworten



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