Drei Gründe für die Panik bei den Anlegern

Die Aktienkurse sind im Sinkflug. Erste Experten sprechen von Panik an den Märkten. Wird es noch schlimmer?

Der SMI verliert seit Jahresbeginn deutlich an Wert: Zwei Trader an der New Yorker Börse.

Der SMI verliert seit Jahresbeginn deutlich an Wert: Zwei Trader an der New Yorker Börse. Bild: Richard Drew / AP/Keystone

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Seit Jahresbeginn hat der Schweizer Leitindex SMI mehr als 10 Prozent verloren. Beim grössten europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 und den wichtigsten US-Aktienindikatoren sieht das Bild ebenso düster aus. Die Profianleger ziehen sich aus riskanteren Aktienmärkten zurück und legen ihr Geld in vergleichsweise langweiligeren Obligationen an. Es handle sich fast schon um eine «Panik», sagt ein Experte. Woher kommt die Angst? Denn noch vor kurzem waren die Prognosen für das Börsenjahr 2016 äusserst zuversichtlich. Was ist seither passiert?

Für die Baisse an den Börsen machen die Experten vor allem drei Gründe aus.

  • Zuletzt wurden in Europa und den USA enttäuschende Konjunkturdaten veröffentlicht. So lagen etwa die Industriezahlen und die Detailhandelswerte unter den Erwartungen.
  • Gleichzeitig steigt die Angst vor einer europäischen Bankenkrise bei den Investoren – die schlechten Ergebnisse von Credit Suisse und der Deutschen Bank haben dazu beigetragen –, und die Massnahmen der japanischen Zentralbanken erscheinen den Profis als wirkungslos.
  • Nach der verpufften Zinssenkung der europäischen Zentralbank im Dezember könnte die japanische Notenbank das zweite Beispiel einer grossen Zentralbank liefern, deren Massnahmen vollkommen ins Leere laufen, so das bittere Fazit der Analysten der Bantleon Bank.

Kurssturz wie 2011, nicht 2008

Für UBS-Anlageexperte Philippe Müller ist der Markt derzeit zu Recht nervös. Die Anleger stellen berechtigte Fragen zur Entwicklung der US-Ökonomie und wie sich die chinesische Wirtschaft weiterentwickelt. Hinzu kommen saisonale Effekte wie etwa das zwischenzeitliche Ausbleiben von Aktienrückkaufprogrammen bei US-Unternehmen oder die Nervosität vor den Jahresergebnissen von bedeutenden Grosskonzernen. Es werde mehrere Monate brauchen, bis sich die Stimmung wieder aufhelle, so Müller. So lange dürften die Märkte stark schwanken. Anleger sollten daher ihre Anlagen breit diversifizieren.

Werden die Kurse weiter abstürzen? ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis rechnet nicht mit einer Baisse. Das würde bedeuten, dass die globalen Aktienmärkte um mehr als 20 Prozent einbrechen würden. «Die Börsenkurse können noch eine gewisse Zeit unter Druck sein, stark nachlassen dürften sie aber nicht mehr», so Frangulidis. Er vergleicht die aktuelle Situation mit dem Einbruch an den Aktienmärkten 2011. Damals sorgte die Eurokrise für Panik an den Aktienmärkten – sie beruhigten sich aber wieder.

Eine Krise wie 2008 sieht der Experte nicht. 2008 löste der Crash im US-Immobilienmarkt eine Börsenbaisse aus. Davon sei der Markt, trotz der aktuell ungemütlichen Lage, weit entfernt. Laut Frangulidis könnten die Notenbanken mit einer noch expansiveren Geldpolitik eine Trendwende an den Aktienmärkten einleiten. Wann sie zu weiteren Massnahmen greifen, um die Märkte zu stützen, sei aber ungewiss – lange dürften die Notenbanker jedoch kaum noch zuwarten. Frangulidis rät daher den Anlegern, nicht in Panik zu verfallen, sondern die Kursschwankungen auszusitzen. Sonst drohen sie den Aufschwung an den Märkten zu verpassen.

Anleger brauchen Geduld

Das US-Anlagehaus Pimco bleibt trotz der unsicheren Aussichten optimistisch: «Wir gehen davon aus, dass die globale Wirtschaft 2016 um etwa 2,25 Prozent bis 2,75 Prozent wachsen und somit an den verhaltenen Trend von 2015 anknüpfen wird.» Damit verbunden dürften sich auch Geldanlagen positiv entwickeln. Dafür brauchten die Anleger aber Geduld – und wohl auch gute Nerven.

(Erstellt: 09.02.2016, 15:21 Uhr)

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