Fairer Lohn in der Männerbastion

In der IT-Branche erhalten Frauen für gleiche Leistung auch gleichen Lohn. Warum ist die männerdominierte Branche so viel fortschrittlicher als Banken und Versicherungen?

Eine Frau, die gute Arbeit abliefert, wird auch gut bezahlt. Das gilt zumindest in der Informatik. Schwangere Frau vor dem Computer im September 2003 in Zürich.

Eine Frau, die gute Arbeit abliefert, wird auch gut bezahlt. Das gilt zumindest in der Informatik. Schwangere Frau vor dem Computer im September 2003 in Zürich. Bild: Keystone

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Die jüngste Lohnstatistik des Jobportals Jobs.ch wirft Fragen auf. Denn Frauen, die sich in die Männerdomäne Informatik vorgewagt haben, verdienen im Schnitt sogar ein kleines bisschen mehr als Männer. Sehr schlecht kommen in Sachen Lohngleichheit dagegen die Banken und Versicherungen weg: Hier verdienen die Männer im Durchschnitt 25 Prozent mehr als die Frauen. Wie kommt es zu diesen krassen Lohnunterschieden und warum werden Frauen in der IT-Branche fairer bezahlt als bei Banken?

Der SVP-Politiker Christoph von Rotz zeigt sich erfreut, dass Frauen in seiner Branche genauso gut verdienen wie Männer. Oder sogar 0,73 Prozent mehr, wenn man sich das Lohnbarometer von Jobs.ch ganz genau anschaut. Von Rotz ist Präsident des Verbandes der Wirtschaftsinformatik VIW. Im April 2011 hat er dort die langjährige Präsidentin Monika Giovanoli abgelöst. Dass Frauen in der Informatik gleich viel verdienen wie Männer, zeige, dass sie in der Branche «herzlich willkommen» seien, erklärt von Rotz gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Frauen schlagen Brücken

Von Rotz ist sich bewusst, dass es sich bei der Informatik um eine sehr «männerlastige» Branche handelt. Auf rund 90 Prozent schätzt der Wirtschaftsinformatiker den Männeranteil. Dass beide Geschlechter gleich viel Lohn bekommen, zeigt laut von Rotz, dass Frauen in der Branche geschätzt werden. Schliesslich gehe es gerade in der Wirtschaftsinformatik darum, Brücken zu schlagen zwischen der technikbetonten Informatik und der Betriebswirtschaft. Dabei erwiesen sich die speziellen Sozialkompetenzen von Frauen als besonders wertvoll.

Von Rotz' Verbandskollegin Isabelle Stadlin muss erst kurz überlegen, bevor sie eine These zur Lohngleichheit wagt. «In der Informations- und Kommunikationsbranche gibt es grundsätzlich zu wenig Fachkräfte», sagt sie. «Das führt vielleicht dazu, dass bei den Löhnen zwischen Männern und Frauen weniger Unterschiede gemacht werden.» Doch die Antwort befriedigt Stadlin selbst nicht wirklich.

Weniger Ausreisser

Wahrscheinlich hat es auch damit zu tun, dass die Spannweite zwischen den Löhnen nicht so gross ist wie bei einer Bank. «Gerade bei Grossbanken und Versicherungen gibt es sehr viele Hierarchiestufen. In den Führungspositionen, wo man sehr viel verdient, gibt es fast keine Frauen, das senkt natürlich den Durchschnittslohn», vermutet Stadlin. Bevor sie eine Weiterbildung zur Wirtschaftsinformatikerin machte, hat Stadlin beim Wirtschaftsberatungsunternehmen PWC und bei der Swiss Re gearbeitet. Die Organisationsstrukturen grosser Konzerne sind ihr wohlbekannt.

«Ich denke aber auch, dass Leistungen in der ICT-Branche besser messbar und vergleichbar sind als bei einer Bank oder Versicherung», schätzt Stadlin. «Sie spielen darum eine viel grössere Rolle als beispielsweise die Fähigkeit, sich zu verkaufen.» Stadlin vermutet, dass in Banken das «good old boys network» beim Erklettern der Karriereleiter noch eine wichtige Rolle spielt. «Vielleicht ist es nicht mehr so wichtig wie früher, aber es hilft sicher, wenn man sich noch vom Militär kennt», vermutet sie. In der Informatik zählten dagegen die «hard facts». Wenn eine Frau gut sei, werde das auch entsprechend gewürdigt.

Stadlins Vermutung wird indirekt vom Sprecher des Fachverbandes Swiss ICT bestätigt. «Die ICT ist eine relativ junge Branche», sagt Marcel Gamma. «Sie ist nicht historisch gewachsen wie die Banken.» Auch Kader oder Firmengründer von IT-Unternehmen seien wahrscheinlich offener und weniger wertkonservativ. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.02.2013, 15:54 Uhr)

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