Wirtschaft
In Pension mit 71 Jahren
Von Anita Merkt. Aktualisiert am 04.12.2012 237 Kommentare
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Von seiner Pensionskasse bekommt zurzeit jeder Rentner 40'000 Franken mehr, als ihm eigentlich zustehen. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Versicherungswirtschaft (IVW) der Universität St. Gallen. Bis zum Jahr 2030 werden die AHV und die Pensionskassen ein Defizit von 110 Milliarden Franken anhäufen, erklärte das IVW heute morgen. Die Summe entspreche dem aktuellen Schuldenstand des Bundes.
Den Grund für das zunehmende Defizit sieht das IVW in der weiter zunehmenden Lebenserwartung. Während eine AHV-Rente zurzeit noch mit den Beiträgen von drei Arbeitnehmern finanziert wird, werden im Jahr 2030 nur noch zwei aktiv Beschäftigte einen Rentner finanzieren müssen. Eigentlich müsste das Rentenalter um drei Jahre erhöht werden, um dieser Entwicklung gerecht zu werden, haben IVW-Experten um Martin Eling errechnet.
Das Beispiel Dänemark
Bei der kapitalfinanzierten Rente der Pensionskassen sollte es zwar eine geringere Rolle spielen, dass auf einen Arbeitnehmer immer mehr Rentner kommen. Doch auch hier stehen gemäss Eling hohe Defizite ins Haus. Das liege daran, dass der aktuelle Umwandlungssatz von einer zu niedrigen Lebenserwartung ausgehe. Die Pensionskassen zahlten den Ruheständlern darum mehr Geld aus, als sie angespart hätten. Die zunehmende Lücke müssten die jetzigen Arbeitnehmer mit Beiträgen ausgleichen, von denen sie selbst wahrscheinlich später nicht in gleicher Weise profitieren könnten.
Als Lösung schlagen die Experten des IVW vor, das Renteneintrittsalter von der Lebenserwartung abhängig zu machen. Je älter die Menschen im Durchschnitt werden, desto später könnten sie nach diesem System in Rente gehen. Eling verweist darauf, dass eine solche Indexierung des Rentenalters in Dänemark bereits erfolgt sei. Ausgehend von einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 14,5 Jahren werden die dänischen Rentner im Jahr 2045 voraussichtlich mit 71 Jahren in Rente gehen. Im Jahr 2060 liegt das voraussichtliche Renteneintrittsalter dann bei 72,5 Jahren.
Automatische Anpassung
Eine solche Indexierung des Rentenalters hätte gemäss den Experten den Vorteil, dass die Anpassungen automatisch erfolgen würden. Permanente politische Diskussionen liessen sich damit sparen. Branchen, deren Beschäftigte nicht bis ins hohe Alter körperlich arbeiten können, könnten mit staatlichen Ergänzungsleistungen aufgefangen werden, schlägt das IVW vor. Viele Akademiker wollten und könnten dagegen noch bis ins hohe Alter arbeiten und würden von der Wirtschaft auch gebraucht, schreibt das Institut.
Auch der Bundesrat will die Altersvorsorge grundlegend reformieren. Er hat Sozialminister Alain Berset vor zwei Wochen den Auftrag erteilt, die Details auszuarbeiten. Der Innenminister will die erste und die zweite Säule der Altersvorsorge – die AHV und die BVG – in einem Gesamtpaket reformieren. Neben der Senkung des BVG-Umwandlungssatzes steht unter anderem eine Erhöhung des Frauenrentenalters von heute 64 auf 65 Jahre zur Diskussion.
Prüfen soll Berset ausserdem eine Zusatzfinanzierung für die AHV. Da eine Erhöhung der Lohnabzüge nur die Erwerbstätigen belastet, zieht Berset eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer vor. Der Bundesrat will für die AHV auch eine Art Schuldenbremse einführen, wie dies das Parlament gefordert hat. Berset schwebt eine ähnliche Regelung vor, wie sie bei der IV geplant ist. Im kommenden Sommer soll Berset dem Bundesrat Details vorlegen. Die Vernehmlassung ist für Ende 2013 geplant, in Kraft treten sollen die Massnahmen 2019 oder 2020. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.12.2012, 10:27 Uhr
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237 Kommentare
Also was all diese Experten vergessen ist, dass eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt auf welche man Steuern erheben kann. Zu allererst wäre hier die Kapitaltransaktionssteuer zu nennen. Hier werden Millardengewinne am Fiskus vorbeigeschleust und keiner scheint sich daran zu stören. Solitdarität muss gesamtwirtschaftlich erfolgen und nicht nur auf Ebene der Arbeitnehmenden. Antworten
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